Zorn Fritz

Fritz Zorn (Pseudonym von Fritz Angst) wurde am 10.4.1944 in Meilen (ZH) geboren. Er wuchs als Sohn einer strengen, grossbürgerlichen Famile auf und verbrachte Kindheit und Jugend an der Zürcher „Goldküste“. Nach der Matura studierte Zorn Germanistik und Romanistik. Seine universitäre Ausbildung beendete er mit der Promotion zum Doktor. Während kurzer Zeit arbeitete der Autor anschliessend als Lehrer an einem Gymnasium. Der zu Depressionen neigende Autor erkrankte an Krebs. Am 2. November 1976 starb Fritz Zorn im Alter von erst 32 Jahren in Zürich. Seinen Roman „Mars“, der postum veröffentlicht wurde, hat er in der ersten Hälfte seines Todesjahres in drei Abschnitten geschrieben. Ungeschönt beschreibt Zorn Kindheit und Jugend und gibt den gesellschaftlichen Umständen und dem Elternhaus die Schuld an der tödlichen Krankheit. Die verzweifelte Lebensanalyse stellt die Krebskrankheit als einen Auswuchs des gefühlsmässig degenerierten Zustandes des Zürcher Grossbürgertums dar. „Mars“ wurde, nicht zuletzt dank seiner schonungslosen Radikalität, zum Kultbuch der Achtziger Jahre.

Links
www.srf.ch/kultur/im-fokus/der-archivar/sterben-an-der-schweiz-fritz-zorns-fulminante-tirade-mars
www.zeit.de/1977/23/der-zorn-des-fritz-zorn

Opere:
  • Mars. München: Kindler, 1977

Parte di testo da "Mars" [S. 86]

Ich war nun also ein ziemlich guter, wenn auch ziemlich uninteressierter Schüler, ich hatte die besten Manieren von der Welt und gab in der Schule nie Anlass zu Verstimmung oder Tadel; nur im Turnen war ich von einer fast unvorstellbaren Schwäche. Meine Kameraden hassten mich nicht und quälten mich nicht, aber ich hatte keine Freunde. Ich ging in mehrere Tanzkurse, um auch den Umgang mit Frauen zu lernen, aber ich konnte das Tanzen durchaus nicht erlernen, und den Umgang mit Frauen noch viel weniger. Ich war gescheit, aber ich konnte nichts. Ich war nach aussen von einer fast widerwärtigen Normalität, aber ich war alles andere als ein gesunder normaler junger Mann. Ich war in der Öffentlichkeit abgestempelt als einer, der es mit dem „Höheren“ zu tun hat, aber innerlich ahnte ich, dass ich weit zurückgeblieben war und mich eigentlich zu den ganz kleinen Schülern aus der ersten Klasse zählen musste. Ich hatte überhaupt keine Probleme und ahnte, dass das auch besser so war, weil ich mich noch nicht damit hätte auseinandersetzen können, wenn ich welche gehabt hätte. Kurz: Ich erfüllte alle Voraussetzungen, um ein sehr unglücklicher Mensch zu werden.

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