Wyss Johann David

Johann David Wyss wurde am 28. Mai 1743 als Sohn eines hohen Offiziers in Bern geboren. Nach dem Besuch der Schulen studierte er Theologie und Philosophie an den Akademien von Bern und Lausanne. Ab 1766 diente er als Feldprediger eines bernischen Regiments in der Fremde. In die Schweiz zurückgekehrt, erhielt Wyss 1775 die kleine Landpfarrei Seedorf bei Aarberg. Zwei Jahre später zog er nach Bern, um fortan die Stelle als Pfarrer am Münster zu bekleiden. 1803 zog sich Johann David Wyss auf sein Landgut nach Köniz zurück, wo er bis zu seinem Tod vor allem mit der Pflege seiner Obst- und Bienenzucht beschäftigt war. Wyss starb am 11. Januar 1818 in Bern. Heute noch bekannt ist Johann David Wyss für seinen Jugendbuch-Klassiker über die Abenteuer einer schiffbrüchigen Familie, welcher Weltgeltung erlangte und als eines der meistübersetzten Bücher schweizerischer Herkunft gilt. Der Berner Stadtpfarrer hatte den "schweizerischen Robinson" ohne jegliche Absicht auf eine Publikation, in den Jahren 1794-1798 niedergeschrieben. In dieser Familiengeschichte, deren einzelne Kapitel er jeweils vor der Niederschrift intensiv mit seinen Söhnen diskutierte, mischte er auf pädagogisch geschickte weise Abenteuer und Belehrung. Die Erzählung diente ihm ebenfalls dazu, naturwissenschaftliches und technisches Wissen seinem Nachwuchs weiterzugeben. Johann Rudolf Wyss, der Sohn des Autors, welcher als Professor der Philosphie an der Universität Bern lehrte, entschloss sich 1812, das Werk für die Veröffentlichung zu bearbeiten. Der erste Teil, in zwei Bänden publiziert, wurde zu einem grossen Erfolg und bereits kurz nach Erscheinen ins Französische übertragen. So folgten 1826 und 1827 die Bände 3 und 4, welche den "schweizerischen Robinson" vervollständigten und ebenso erfolgreich, wie der erste Teil wurden.

Links
www.abenteuerroman.info/autor/wyss/wyss.htm
www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/Berns-vergessener-Beitrag-zur-Weltkultur/story/22364144
www.srf.ch/play/tv/literaturclub/video/der-schweizerische-robinson-von-johann-david-wyss?id=5bf56dae-ede4-42f4-99dc-6eed0b1d11a6

Opere:
  • Der schweizerische Robinson oder der schiffbrüchige Schweizer-Prediger und seine Familie. Herausgegeben und bearbeitet von Johann Rudolf Wyss d.J.
  • 1. Teil, Band 1. Zürich: Orell, Füssli & Co., 1812
  • 1. Teil, Band 2. Zürich: Orell, Füssli & Co., 1813
  • 2. Teil, Band 3. Zürich: Orell, Füssli & Co., 1826
  • 2. Teil, Band 4. Zürich: Orell, Füssli & Co., 1827

Parte di testo da "Der schweizerische Robinson" [S. 310-312]

Kaum sass das Kajak auf dem Strand, als das Schifflein samt dem Ruderer darin von den drei übrigen Brüdern unter Jubelgeschrei gezogen und bis zu unserer Wohnung hin fortgeschoben wurde, worauf alsbald noch ein unförmliches, gleich einer Kröte aufgeblasenes Seetier und ein Sack voll grosser, flacher und dicker Muscheln auf einer Tragbahre nachgeholt wurden. Dann aber setzten wir uns alle um den zur Ruhe gelagerten Fritz her, begierig, den Reisebericht zu vernehmen, der ihm schon gleichsam über die Lippen hervorguckte.
"Du bist hoffentlich nicht ärgerlich gewesen, lieber Vater", so fing er an, " dass ich ausgezogen bin, ohne mich zu verabschieden. Es reizte mich nämlich ganz riesig, einmal einen Streifzug jenseits jener Klippen, an denen ich mein Walross erlegt habe, zu unternehmen. Ich war deiner Zustimmung durchaus nicht sicher, da der Ausflug so völlig ins Ungewisse ging. Daher beschloss ich, lieber heimlich auf und davon zu gehen und dich dann nachträglich durch meinen Erfolg zu versöhnen. Ich richtete demnach mein Kajak in aller Stille mit Mundvorrat, Trinkwasser, Schiessbedarf, Fangvorrichtungen verschiedener Art ein und lauerte so auf die nächste passende Gelegenheit.
Der heutige schöne Morgen und die stille See lockten mich unwiderstehlich, meinen Plan auszuführen. Ich schlich mich davon, während ihr noch in der Felsenhöhle beschäftigt wart, ergriff zuletzt noch ein gutes Handbeil, rief meinen Adler, schiffte mich ein und überliess mich der Strömung des Schakalbaches, die mich auch in kurzem aus eurem Gesichte trug. Ich beobachtete jedoch genau den Strich meines Kompasses, um den Rückweg wieder auffinden zu können.
Als ich über die Stelle unseres weiland gesprengten Wrackes fuhr, sah ich in nicht sehr grosser Tiefe, weil das Wasser besonders hell und ruhig war, viele unserer grösseren Kanonen, Eisenstangen, Kugeln und dergleichen auf dem Grund liegen. Schade, dass es uns an allen Vorrichtungen fehlt, um sie heraufzuholen.
Von da wandte ich mich wieder schräg und westlich nach der Küste, mitten durch die Riffe eines gleichsam zertrümmerten Vorgebirges, wo sich bald Tafeln und Blöcke von Felsgestein aufeinandertürmten, bald einzelne Klippen und Felsbrocken zerstreut aus dem Meere hervorragten oder zunächst unter der Wasserfläche verborgen staken. Auf den unzulänglichsten hatten sich eine Menge Seevögel angesiedelt, die dort ihre Brutplätze haben mochten und mit rasendem Geschrei herumschwärmten. Wo dagegen eine Klippe flacher und zugänglicher lag, da zeigten sich grosse Seetiere, die teils in der Sonne liegend schnarchten, teils ordentlich betäubend quiekten, schrien, schnaubten und brüllten. Gewöhnlich lagen sie, Art bei Art, rudelweise aneinander; namentlich Seelöwen, Seebären und See-Elefanten, besonders aber Walrosse..."

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