Wegenast Bettina

Bettina Wegenast-Rohrer kam am 10. Juni 1963 in Bern auf die Welt, wo sie in einer Buchumgebung aufwuchs. Sie besuchte das Lehrerinnen-Seminar und unterrichtete anschliessend einige Jahre an einer Kleinklasse. 1984 begann sie als freie Journalistin für verschiedene Medien zu arbeiten. Ihr Interesse an grafischen Ausdrucksformen und innovativen Entwicklungen im Medienbereich führten dazu, dass sie 1991 eine Comic-Buchhandlung gründete. 1998 musste sie diese aus gesundheitlichen Gründen verkaufen. Seit dann arbeitet Bettina Wegenast als Autorin und schreibt Kurzgeschichten, Bücher, Theaterstücke und Hörspiele für Kinder und Jugendliche. Sie schätzt es, dass sie in ihrer Arbeit für ein junges Publikum von Verlagen nicht so schnell auf ein bestimmtes Genre festgelegt wird wie in der Erwachsenenbuchszene. In der direkten Arbeit mit Kindern ist es ihr ein Anliegen, deren kreatives Potential in einer theatralen und verspielten Umsetzung zu fördern. Bettina Wegenasts Arbeiten, seien es nun Prosatexte oder Theaterstücke, zeichnen sich durch einen spielerischen Umgang mit Humor, Ironie und mehrdeutigen Bildern aus. Die Autorin, Theaterfrau und passionierte Gamerin lebt mit ihrer Familie in Bern.

Links
www.bettina-wegenast.net/
www.derbund.ch/bern/stadt/Sie-mischt-und-macht-durchlaessig/story/14518226?track
www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/ueber-leben-von-bettina-wegenast

Opere:
  • Endlich hab ich frei! Hamburg: Rowohlt, 2000
  • Krähe, Mo und Nachbars Kater. Gossau/Zürich: NordSüd Verlag, 2000
  • Lea und die verschwundene Perlenkette. Bern: Fischer Media, 2001
  • Hexenbein und Krähenreim. München: ars edition, 2002
  • Die aufregendste Sache der Welt. Zürich: Atlantis, 2003
  • Wolf sein. Düsseldorf: Sauerländer, 2005
  • Happs, das Computermonster. Düsseldorf: Sauerländer 2007
  • Hannah und ich. Düsseldorf, Sauerländer 2008
  • Ist da jemand? Umgang mit digitalen Medien. Zürich: SJW, 2012
  • Theater
  • Periplaneta Pizzeria (Uraufführung Luzern, 2003)
  • Chuchi-Boogie. Ein Musiktheater (Uraufführung Bern, 2004)
  • Wolf sein! (Uraufführung Braunschweig, 2004)
  • Erwin und Frosch (Uraufführung Luzern, 2004)
  • Enter! Sara Tannen meets Real Life (Uraufführung Basel, 2008)
  • Absolute Anfänger 2009 (Uraufführung Bern, 2009)
  • Wolfsein oder nicht sein (Uraufführung Bern, 2012)
  • Hörspiel
  • ÜberLeben (DRS 2 2009)
  • Sara Tannen meets Real Life (Zambo 2012)

Premi:
  • Bolero-Short-Story-Preis (1999)
  • Stipendium Paul Maar/Bundesakademie Wolfenbüttel (2002)
  • Jugend-Dramatiker-Preis der Stadtsparkasse München (2003)
  • Stipendium Paul Maar/Bundesakademie Wolfenbüttel (2006)
  • IBBY-Ehrenliste (2008)
  • OFF- Stage-Stipendium der Stadt Bern (2012)

Parte di testo da „Wolf sein“ [Kapitel 1]

„Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot!“
Die drei kleinen Schweinchen sangen es laut und falsch, aber sehr fröhlich.
„Der Wolf ist tot!“
Auf der Wiese standen Schafe und kauten Gras.
Plötzlich hörte Locke auf zu kauen.
¨“Wie war er denn so?“
„Wer?“ Kalle, das Schaf, das Locke gegenüberstand, pulte sich mit der Zunge einen Grashalm aus den Zähnen. Es war breiter und kräftiger als Locke.
„Der Wolf!“ Locke wurde ein bisschen aufgeregt.
„Wie soll er schon gewesen sein! Böse natürlich.“
„Richtig böse?“
„Klar!“ Kalle kannte sich aus. „So wie Wölfe eben sind!“
Locke überlegte. „Sind denn alle Wölfe böse?“
„Natürlich sind alle Wölfe böse. Und der erst! Er war nicht umsonst der grosse, böse Wolf!“
„Nicht umsonst?“, fragte Locke erstaunt. „Du meinst, er hat Geld dafür bekommen?“
„Klar hat der Geld dafür bekommen!“ Kalle grinste. „Was glaubst du denn? Der grosse, böse Wolf … Das wird bestimmt gut bezahlt!“
[…]
„Ich hab mir schon überlegt, ob ich mich da bewerben soll.“
Locke hustete, beinahe hätte er sich verschluckt. „Aber … aber du bist doch kein Wolf, du bist ein Schaf!“
„Na und? Den Pelz gibt’s bei der Anstellung dazu. Und das mit dem Gebiss kriegt man auch hin.“
Probehalber bleckte Kalle die gelben Zähne.
„Ich geh einfach mal hin und seh mir die Sache an. Warum nicht? Ich hätte wirklich Lust … mal so richtig böse zu sein! Ich würde Leben in die Bude bringen, ich sag’s dir!“ Er sah Locke erwartungsvoll an. „Und du? Was ist mit dir? Kommst du mit?“
Locke schwieg. Er schaute zum Himmel hinauf, wo eine dicke Wolke vorbeizog und ihren Schatten über die Wiese warf.
„Gehst du mit?“ So leicht gab Kalle nicht auf.
Aber Locke schüttelte den Kopf. Mit Kalle mitgehen und sich auf die Stelle als Wolf bewerben? Er war doch nicht verrückt!
„Komm, stell dich jetzt nicht an! Was willst du denn? Den ganzen Tag auf der Weide stehen und Gras fressen? Als Hammelkeule enden? Das kann doch nicht dein Ernst sein!“
„Ich bin keine Hammelkeule! Ich bin Locke!“ Locke war beleidigt.

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