Walser Robert

Robert Walser wurde am 15.4.1878 als Sohn eines Buchbinders und Kaufmanns in Biel geboren. Nach der Primarschule besuchte er das Progymnasium, welches er aber vorzeitig abbrach um eine kaufmännische Lehre in einer Bank zu machen. 1896 verliess Walser sein kleinbürgerliches Elternhaus und begann ein unstetes Leben mit verschiedenen Arbeitsverhältnissen. In den folgenden Jahren entdeckte der junge Mann seine Begeisterung für das Theater und unternahm den Versuch Schauspieler zu werden, welcher aber scheiterte. Nach einer kurzen Zeit als Büro- und Bankangestellter in Zürich zog Walser 1905 zu seinem Bruder, einem Maler, nach Berlin. Dort entstanden die autobiographischen Romane „Geschwister Tanner“, „Der Gehülfe“ und „Jakob von Gunten“, denen jedoch kein Erfolg beschieden war. Robert Walser war zwar Mitarbeiter angesehener Zeitschriften und erntete Lob von schreibenden Kollegen (Kafka, Brod, Hesse, Musil), den endgültigen Durchbruch schaffte er aber nicht. In den letzten beiden Jahren in Berlin geriet der Dichter in eine Schreib- und Lebenskrise und kehrte 1913 verbittert und mit dem Gefühl gescheitert zu sein in die Schweiz zurück. Ein Hotel in Biel war für die nächsten sieben Jahre seine Schreibstube. 1921 musste er, der materiellen Not gehorchend, nach Bern ziehen, wo er kurze Zeit als Bibliothekar und anschliessend in verschiedenen Berufen arbeitete. In dieser Zeit schrieb Walser unzählige kleine Prosastücke. 1929 trat er nach mehreren Selbstmordversuchen freiwillig in die Nervenheilanstalt Waldau ein. Von dort wurde er 1933, gegen seinen Willen, nach Herisau verlegt, wo er literarisch verstummte. Robert Walser blieb bis zu seinem Lebensende in der Klinik und starb am 25.12.1956 auf einem Spaziergang im Schnee. Walsers lyrisches und erzählerisches Werk wurde erst in den späten sechziger Jahren wirklich wahrgenommen und gewürdigt, hat aber seither einen bedeutenden Einfluss auf die Vertreter der Schweizer Literatur ausgeübt. Als Kernpunkt seines Schaffens gelten die kurzen Prosastücke, von denen er mehr als tausend hinterlassen hat. Viele davon hat er in kleinster Schrift aufgesetzt (Mikrogramme). Der Zeit seines Lebens verkannte Robert Walser gilt heute als einer der wichtigsten Schweizer Autoren überhaupt.

Links
www.walser-archiv.ch
www.literapedia-bern.ch/Walser,_Robert
www.museumherisau.ch/museum/robertwalser.htm
folio.nzz.ch/2008/dezember/robert-walser-waghalsiger-poet
www.spiegel.de/thema/robert_walser/
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/briefe-von-robert-walser-spektakulaerer-fund-in-solothurn-ld.17547
www.biel-seeland.ch/de/aktiv/wanderland/robert-walser.2603.html

Opere:
  • Fritz Kocher`s Aufsätze. Prosa. Leipzig: Insel, 1904
  • Geschwister Tanner. Roman. Berlin: Cassirer, 1907
  • Der Gehülfe. Roman. Berlin: Cassirer, 1908
  • Jakob von Gunten. Ein Tagebuch. Roman. Berlin: Cassirer, 1909
  • Gedichte. Berlin: Cassirer, 1909
  • Aufsätze. Prosa. Leipzig: K. Wolff, 1913
  • Geschichten. Leipzig: K. Wolff, 1914
  • Prosastücke. Zürich: 1916
  • Der Spaziergang. Frauenfeld / Leipzig: Huber, 1917
  • Kleine Prosa. Bern: Francke, 1917
  • Poetenleben. Frauenfeld / Leipzig: Huber, 1917
  • Komödie. Berlin: Cassirer, 1919
  • Seeland. Zürich: Rascher, 1920
  • Die Rose. Essay. Berlin: Rowohlt, 1925

Premi:
  • Preis des „Frauenbundes zur Ehrung rheinländischer Dichter“ (1914)

Parte di testo da "Geschwister Tanner" [S. 7-8]

„Ich bin noch überall, wo ich gewesen bin“, fuhr der junge Mensch fort, „bald weitergegangen, weil es mir nicht behagt hat, meine jungen Kräfte versauern zu lassen in der Enge und Dumpfheit von Schreibstuben, wenn es auch, nach aller Leute Meinung, die vornehmsten Schreibstuben waren, zum Beispiel gerade Bankanstalten. Gejagt hat man mich bis jetzt noch nirgends, ich bin immer aus freier Lust am Austreten ausgetreten, aus Stellungen und Ämtern heraus, die zwar Karriere und weiss der Teufel was versprachen, die mich aber getötet hätten, wenn ich darin verblieben wäre. Man hat, wo ich auch immer gewesen bin, regelmässig meinen Austritt bedauert und mein Tun beklagt, mir eine schlimme Zukunft versprochen, aber doch den Anstand besessen, mir Glück auf meine fernere Laufbahn zu wünschen. Bei Ihnen (und des jungen Mannes Stimme wurde auf einmal treuherzig), Herr Buchhändler, werde ich es sicher jahrelang aushalten können. Jedenfalls spricht vieles dafür, Sie zu veranlassen, einmal einen Versuch mit mir zu machen.“

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