Vogt Walter

Walter Vogt wurde am 31.7.1927 in Zürich geboren. Nach der Matura studierte er Medizin und war lange Zeit Röntgenarzt im Tiefenauspital in Bern. Danach wechselte er zur Psychiatrie und lebte als Facharzt mit eigener Praxis in Muri bei Bern. 1978 war er für ein Semester "Writer in Residence" am Department of German der University of Southern California, Los Angeles. Seine privaten Interessen galten der Ornithologie und Bibeluntersuchungen des Alten Testaments. Walter Vogt starb am 21.9.1988 an Herzversagen. Bevor Vogt 1965 nach einer Krankheit mit den Arzt- und Patientengeschichten "Husten" als witziger und hintergründiger Erzähler auf sich aufmerksam machte, hatte er als "unauffälliger" Familienvater und Röntgenarzt in Bern gelebt. Wie Johannes Lips, eine Figur aus Vogts Werk, drohte er an der Welt zu scheitern. Der Autor kommt über die Runden, indem er sich mit vierzig noch zum Psychiater ausbilden lässt und sich ein Leben lang als eigener Patient behandelt. Das Leiden des Einzelnen an den Normen der Gesellschaft, aber auch das blinde Wüten der Mächtigen durchziehen als roter Faden Vogts gesamtes Werk. In "Der Wiesbadener Kongress" (1972) imitiert er die Sprache und Kommunikation der Wissenschaft; "Schizogorsk" (1977) ist eine Politparodie. Seine Figuren leben im Zwiespalt zwischen Anpassung und Revolte. Die Eingliederung in die Umwelt geht immer auch mit einem Rollenzwang einher. Die Funktionen des Mannes, der Frau, des Gesunden, des Kranken müssen ausgefüllt werden. Als einziger Ausweg bleibt die Flucht in Scheinwelten mit Hilfe von Alkohol und Drogen ("Maskenzwang", 1985). Seine eigenen Erfahrungen mit Suchtmitteln hat Vogt im Tagebuchroman "Vergessen und Erinnern" (1980) verarbeitet. Walter Vogt hat auch Dramen, Fernsehspiele und Hörspiele geschrieben.

Links
www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165142
www.srf.ch/play/radio/kultur-stammtisch/audio/walter-vogt-arzt-psychiater-und-schriftsteller?id=45fdab99-5da4-4192-9f73-64ada41c6e4e

Opere:
  • Husten. Wahrscheinliche und unwahrscheinliche Geschichten. Zürich: Diogenes, 1965
  • Wüthrich. Selbstgespräch eines sterbenden Arztes. Zürich: Diogenes, 1966
  • Aimez-vous Gotthelf. Uraufführung: Galerietheater "Die Rampe" Bern, 1966
  • Höhenluft. Uraufführung: Theater am Neumarkt Zürich, 1966
  • alle irrenhäuser sind gelb. Zehn Gedichte. Bern: Lukianos, 1967
  • Melancholie. Die Erlebnisse des Amateur-Kriminalisten Beno von Stürler. Zürich: Diogenes, 1967
  • Die Königin des Emmentals. Uraufführung: Zimmertheater Heddy-Maria Wettstein Zürich, 1967
  • Der Vogel auf dem Tisch. Der Buchhandlungsgehilfe Johannes Lips will ein erwerbstätiges Leben führen. Erzählung. Bern: Lukianos, 1968
  • Der grosse Traum der Dame von Pioch-Badet. Uraufführung: Zimmertheater Heddy-Maria Wettstein Zürich, 1968
  • Vier Dialoge. Radio DRS 2, 1969
  • Spiele der Macht. Regie: Josef Scheidegger. Fernsehen DRS, 1970
  • Schizophrenie der Kunst und andere Reden. Zürich: Arche, 1971
  • Die Talpi kommen. Ein Miniroman für kluge Kinder. Bern: Gute Schriften, 1971
  • Spiele der Macht. Uraufführung: Galerietheater "Die Rampe" Bern, 1971
  • Mein Sinai-Trip. Eine Laienpredigt. Zürich: Arche, 1972
  • Der Wiesbadener Kongress. Zürich: Arche, 1972
  • Spiele der Macht. Fernsehspiel/Theaterstück. Basel: Lenos, 1972
  • Pilatus und Faust. Zwei Monologe. Bern: Zytglogge, 1972
  • Faust X. Uraufführung: Städtebundtheater Solothurn, 1972
  • Inquisition. Radio DRS 2, 1972
  • Weihnachten im Herz. Radio DRS, 1972
  • Acclimate. Musik von Michael Vogt. Bern: Zytglogge, 1972
  • Klartext. Gedichte. Zürich: Arche, 1973
  • Typhos. Uraufführung: Stadttheater Bern, 1973
  • Briefe aus Marokko. Zürich: Arche, 1974
  • Der Irre und sein Arzt. Erzählungen. Zürich: Arche, 1974
  • Pilatus vor dem schweigenden Christus. Regie: Max Peter Ammann. Fernsehen DRS, 1974
  • Die roten Tiere von Tsavo. Erzählungen. Zürich: Arche, 1976
  • Erben. Regie: Heinz Schirk. Fernsehen DRS, 1976
  • Schizogorsk. Zürich: Arche, 1977
  • Die Inquisition. Fernsehspiel. Regie: Josef Scheidegger. Fernsehen DRS, 1977
  • Booms Ende. Erzählungen. Zürich: Benziger, 1979
  • Amos. Der Prophet und sein Gott. Sprechstück. Radio DRS 2, 1979
  • Vergessen und Erinnern. Zürich: Benziger, 1980
  • Altern. Zürich: Benziger, 1981
  • Jesaia. Sprechstück. Radio DRS 2, 1981
  • Die Königin des Emmentals. Thun: Salchli, 1983
  • Metamorphosen. Zürich: Benziger, 1984
  • Maskenzwang. Zürich: Benziger, 1985
  • Dröx. Zeichnungen und ein Werkbericht von Walter Vogt. Mit einer Vernissage-Rede von Albert Hofmann und 21 Texten von Leo Navratil. Bern: K.Salchli, 1987
  • Die Betroffenen. Uraufführung: Theater am Neumarkt Zürich, 1988
  • Werkausgabe (10 Bd.). Hrsg. von Doris Halter, Charles Cornu und Kurt Salchli. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1991ff.
  • Die Betroffenen. Sender Freies Berlin, 1991
  • Pilatus und andere Masken. Uraufführung: Théatre rien ne va plus Wabern bei Bern, 1992
  • Der Anruf. Uraufführung: Theater am Neumarkt Zürich, 1993
  • Das Fort am Meer. Zürich: Nagel & Kimche, 1993 (Erstveröffentlichung in der Werkausgabe)

Premi:
  • Literaturpreis der Stadt Bern (1973 / 1985)
  • Buchpreis der Stadt Bern (1980)
  • Grosser Literaturpreis des Kantons Bern (1986)
  • Bürgerpreis der Marktgemeinde Rauris, Salzburg (1986)

Parte di testo da "Die krächzende Alte am Telephon" in "Methamorphosen" [S. 119]

Ich bin 77, ich weiss, wie es um mich steht: Die Verblödung schreitet fort. Kein Arzt hat Zeit für mich. Immer nur Medikamente verschreiben. Keiner hört mich an. Sie sollten, sagt der Kollege, zu einem Arzt in Ihrer Nähe gehen. Für den Fall, dass Sie ihn einmal ganz plötzlich brauchen. Ich bin zu weit weg, zu oft unerreichbar. Kennen Sie einen in Ihrer Stadt? Nein. Haben Sie keinen Hausarzt? Das fürchterliche Lachen einer halbtoten Krähe. Ich weiss, sagt die Alte, ich weiss, wie es um mich steht. Die Verblödung kommt - entweder rasch, was vielleicht von Vorteil ist. Oder dann eben langsam. Und keiner hat Zeit für mich. Keiner Geduld.

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