Veteranyi Aglaja

Aglaja Veteranyi wird am 17. Mai 1962 in Bukarest als Tochter eines Clowns und einer Artistin geboren. Die Familie flüchtet fünf Jahre später aus Rumänien und reist um die ganze Welt. Veteranyi absolviert als Kinderartistin Auftritte in Variétés in Europa, Afrika und Südamerika. 1977 lässt sich die Familie in der Schweiz nieder. Veteranyi spricht zu dieser Zeit mehrere Sprachen, kann aber nicht schreiben, da sie keine schulische Ausbildung hat absolvieren können. In kürzester Zeit lernt sie autodidaktisch Deutsch und lässt sich zur Schauspielerin ausbilden. Mit kurzen Prosatexten macht die Autorin in Literaturzeitschriften auf sich aufmerksam. Ab 1982 ist Veteranyi freischaffende Schriftstellerin und Schauspielerin. Sie schliesst sich der Jungautorengruppe Netz an und veröffentlicht zahlreiche Texte in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen. Nebenbei ist sie in Theaterprojekten tätig (Experimentalduo „Die Wortpumpe“ mit René Oberholzer ab 1996 ; Performance-Theatergruppe „Die Engelmaschine“ mit Jens Nielsen) und verfasst zahlreiche Stücke für die Bühne. 1999 erscheint ihr Debütroman „Warum das Kind in der Polenta kocht“ und wird bei Kritik und Publikum zum Grosserfolg. In der Nacht zum 3. Februar 2002 nimmt sich Aglaja Veteranyi das Leben. Sie hinterlässt ein Romanfragment, welches 2002 als „Das Regal der letzten Atemzüge“ veröffentlicht wird.

Links
www.felu.ch/portrait1.html
www.nzz.ch/article8CKEQ-1.418642
www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/warum-das-kind-in-der-polenta-kocht-von-aglaja-veteranyi-3

Opere:
  • Warum das Kind in der Polenta kocht. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1999
  • Geschenke. Ein Totentanz. Mit Holzschnitten von Jean-Jacques Volz. Zürich: Edition P. Petrej, 1999
  • Das Regal der letzten Atemzüge. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 2002
  • Vom geräumten Meer, den gemieteten Socken und Frau Butter. Geschichten. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 2004

Premi:
  • Werkjahr der Stadt Zürich
  • Ehrengabe des Kantons Zürich
  • Kunstpreis Berlin (2000)
  • Chamisso-Förderpreis

Parte di testo da "Das Regal der letzten Atemzüge" [S. 21]

Die Luft hatte keine Meinung, mit dem letzten Atemzug der Tante hörte sie auf zu stinken.
Meine Mutter sass am Tisch mit den Verwandten im Telefon und weinte. Sie schüttelte sich. Sie schlug mit der Stirn gegen ihre Faust. Die Blumen auf ihrer Bluse hüpften rauf und runter.
Sie ist gegangen! Unsere Mutter ist gegangen!
Meine Mutter weinte auch meine Tränen. Ihre Stimme drang wie Glassplitter in meinen Kopf ein.

Auf der Stirn der Tante schlug mein Herz.
In den Fingerspitzen.

Das ist die Stirn der Tante, dachte ich.
Das ist noch ihre Stirn.

Meine Augen waren süchtig nach der Tante.

Die Augenhöhlen fühlten sich leer an, das Gesehene fiel durch sie hindurch.

Zurück