Stamm Peter

Peter Stamm wurde am 18.1.1963 im thurgauischen Weinfelden geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Er absolvierte eine Kaufmännische Lehre und holte die Matura auf dem zweiten Bildungsweg nach. Sein Studium der Anglistik, Psychologie, Wirtschaftsinformatik und Psychopathologie brach er nach einigen Semestern ab. Stamm machte Praktika in psychiatrischen Kliniken. Es folgten längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Zudem arbeitete er als Buchhalter und Sachbearbeiter. Seit 1990 ist Stamm freier Autor und Journalist (u.a. Nebelspalter, NZZ, Tages-Anzeiger, Weltwoche). Er hat mehrere Hörspiele und Theaterstücke, sowie Beiträge für verschiedene Bücher verfasst. Peter Stamm ist Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift "Entwürfe für Literatur" (seit 1997). Er lebt in Zürich und Winterthur. Der Autor pflegt eine strenge, detailgenaue Sprache. Sein Stil ist von vorsätzlicher Schmucklosigkeit geprägt, wirkt unaffektiert und schiesst dennoch direkt ins Herz. Der erste Roman Stamms erschien 1998. „Agnes“, so sein Titel, brachte ihm den Durchbruch. Die Sammlung von Kurzgeschichten „Blitzeis“ die im Jahr darauf erschien, besticht durch den feinen Ton, mit dem sie menschliche Beziehungen beschreibt. „Ungefähre Landschaft“ (2001) ist der bislang letzte Wurf des vielversprechenden Schriftstellers. Gute Kritiken und ebensolche Verkaufszahlen lassen für die nächsten Werke einiges erwarten.

Links
www.peterstamm.ch
www.zeit.de/online/2009/34/peter-stamm-spaziergang
ansichten.srf.ch/autoren/peter-stamm/
www.srf.ch/player/tv/kulturplatz/video/-?id=4e875b7f-6bc1-4128-ad3a-554cedba5e02
www.srf.ch/player/radio/buchzeichen/audio/peter-stamm-am-liebsten-schreibe-ich-kurzgeschichten?id=4cff348c-a513-4c9e-8540-b89d2bdd3f3c
www.beobachter.ch/natur/umweltpolitik/natur-umweltschutz/artikel/peter-stamm_ich-war-schon-gruen-bevor-es-die-gruenen-gegeben-hat/

Opere:
  • Alles über den Mann. Cartoons von Brigitte Fries. Rorschach: Nebelspalter, 1995
  • Gotthard. Die steinerne Seele der Schweiz. Fotografien von Markus Bühler. Zürich: AS-Verlag, 1997
  • Agnes. Zürich: Arche, 1998
  • Blitzeis. Erzählungen. Zürich: Arche, 1999
  • Ungefähre Landschaft. Zürich: Arche, 2001
  • In fremden Gärten. Erzählungen. Zürich: Arche, 2003
  • Der Kuss des Kohaku. Stücke. Zürich: Arche, 2004
  • Warum wir vor der Stadt wohnen. Kinderbuch. Mit farbigen Bildern von Jutta Bauer. Weinheim: Beltz&Gelberg, 2005
  • An einem Tag wie diesem. Frankfurt/M.: S. Fischer Verlag, 2006
  • Wir fliegen. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2008
  • Heidi. Bilderbuch nach Johanna Spyri. Zürich: Nagel & Kimche, 2008
  • Wir fliegen. Erzählungen. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2008
  • Sieben Jahre. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2009
  • Seerücken. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2011
  • Der schweizerische Robinson. Der Klassiker von Johann David Wyss, nacherzählt von Peter Stamm. Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch, 2012
  • Nacht ist der Tag. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2013
  • Der Lauf der Dinge. Gesammelte Erzählungen. Franfurt/M.: S. Fischer, 2014
  • Die Vertreibung aus dem Paradies. Bamberger Vorlesungen und verstreute Texte. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2014
  • Weit über das Land. Roman. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2016

Premi:
  • Hörspielpreis der Stiftung Radio Basel für "Der letzte Autofahrer" (1995)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1998)
  • Halbes Werkjahr der Stadt Zürich (1998)
  • Rauriser Literaturpreis (1999)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1999)
  • Rheingau Literaturpreis (2000)
  • Hörspielpreis der Stiftung Radio Basel für "Werum mer vor de Stadt wohned" (2000)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (2001)
  • Werksemester der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr (2001)
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich (2001)
  • Werkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung (2002)
  • Kunstpreis der Stiftung Carl Heinrich Ernst (2002)
  • Preis der Stadt Zürich (2003)
  • Kulturpreis der Stadt Winterthur (2003)
  • Premio Calàmo, Spanien (2004)
  • Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen(2012)
  • Stadtschreiber in Mainz (2013)
  • Nomination International Booker Prize (2013)
  • Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2014)
  • ZKL Schillerpreis (2017)

Parte di testo da "Ungefähre Landschaft" [S. 57-58]

Sie schaltete den Radiowecker ein. Die Musik klang seltsam hell in den leeren Räumen. Steh endlich auf, dachte sie, du kommst wieder zu spät zur Arbeit. Morgenstund` hat Gold im Mund. Sie setzte sich auf den Boden. Nicht viel, mein Leben, dachte sie, es bleibt nicht viel übrig. Sie weinte. Sie lag auf dem Boden auf dem Bauch und schluchzte laut und lange. Dann stand sie auf. Sie wischte sich die Tränen und den Lippenstift weg und putzte sich den Staub von den Kleidern. Sie ging ins Schlafzimmer. Sie nahm ihren alten roten Koffer und packte ein paar Kleider hinein, die Uniform und ihre Toilettensachen und den alten Fotoapparat des Vaters, den er so geliebt, aber kaum je benutzt hatte. Das Telefon klingelte. Kathrine ging in die Küche und schrieb unten auf den Zettel von Thomas: „Ihr werdet mich nicht finden.“

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