Schriber Margrit

Margrit Schriber wurde am 4.6.1939 in Luzern geboren. Sie wuchs in Brunnen und Küssnacht am Rigi (Kanton Schwyz) auf. Nach einer kaufmännischen Lehre war Schriber zuerst im Bankfach tätig, dann auch als Werbegrafikerin, Fotomodell und Hausfrau. Schriber arbeitete zudem als Buchhalterin und im Immobilienverkauf. Sie lebt heute in Zofingen (Kanton Aargau). Nachdem Margrit Schriber mit 28 Jahren ihr erstes literarisches Buch gelesen hatte, setzte sie sich hin, schrieb viele Stunden am Tag, las, verglich ihre Texte mit gedruckten, acht Jahre lang. So entstand ihr erster Roman "Aussicht gerahmt" (1976), in dem sie ihrer Ich-Erzählerin einen Platz am Fenster zuweist und von da aus Land, Leute und Leben im kleinbürgerlichen Einfamilienhausquartier beobachten lässt. Die Frau wartet auf den Liebhaber, den fernen, viel beschäftigten. Und immer wieder werden in den folgenden Romanen und Erzählungen ("Ausser Saison", 1977; "Kartenhaus", 1978; "Vogel flieg", 1980) Margrit Schribers Frauenfiguren auf Männer warten, die mit ihren Autos auftauchen und sich Liebe holen, während die Frauen stets an ihrem Platz bleiben, eingeschlossen in ihrer Haut und ihrem Haus. Knapp, kühl, sachlich beleuchtet die Autorin die Spiele zwischen den Geschlechtern.

Links
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Opere:
  • Aussicht gerahmt. Frauenfeld: Huber, 1976
  • Ausser Saison. Erzählungen. Frauenfeld: Huber, 1977
  • Ein wenig Lärm im Keller. Basel: Lenos, 1977
  • Kartenhaus. Frauenfeld: Huber, 1978
  • Dazwischen. Ein monologischer Dialog / Ein wenig Lärm im Keller. Monodrama / Montag. Basel: Lenos, 1979
  • Vogel flieg. Frauenfeld: Huber, 1980
  • Luftwurzeln. Erzählungen. Frauenfeld: Huber, 1981
  • Muschelgarten. Zürich: Nagel & Kimche, 1984
  • Tresorschatten. Zürich: Nagel & Kimche, 1987
  • AugenWeiden. Zürich: Nagel & Kimche, 1990
  • Rauchrichter. Zürich: Nagel & Kimche, 1993
  • Schneefessel. Zürich: Nagel & Kimche, 1998
  • Von Zeit zu Zeit klingelt ein Fisch. Erzählungen. Zürich: Nagel & Kimche, 2001
  • Das Lachen der Hexe. Zürich: Nagel & Kimche, 2006
  • Die falsche Herrin. Zürich: Nagel & Kimche, 2008
  • Die hässlichste Frau der Welt. Zürich: Nagel & Kimche, 2009
  • Das zweitbeste Glück. Zürich: Nagel & Kimche, 2011
  • Syra die Stripperin. Luzern: Pro Libro, 2012

Premi:
  • Anerkennungspreis der Schweizerischen Schillerstiftung (1977)
  • Werkjahr Kuratorium zur Förderung des kulturellen Lebens im Kanton Aargau (1977 / 1980 / 1984 / 1992 / 1997)
  • Förderungsbeitrag der Koch-Berner-Stiftung (1980)
  • Gastpreis des Luzerner Literaturpreises (1981)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1985 / 1987)
  • Zürcher Buchpreis (1987)
  • Werkbeitrag der Stadt Luzern (1990)
  • Aargauer Literaturpreis (1998)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1998)

Parte di testo da "Rauchrichter" [S. 213-214]

Es geht weiter, immer so weiter. Fortwährend schälen Blätter sich aus den Kastanienknospen, entrollen sich, fächeln, welken, fallen ab und verrotten auf unserem Platz. Ein Türschild ersetzt das andere. Ein Königspudel nimmt die Stelle des anderen ein. Die Schur der neuen Pudel ändert sich nicht. Und man könnte glauben, es handle sich immer um das gleiche Pudelpaar. Wie in einer Fernsehserie, wo ein Tier das andere ersetzt, ohne Drehunterbruch, und ohne dass ein Zuschauer den Verlust des alten Darstellers bemerkt. Ehefrau und Geliebte rahmen Konrad auf dem Sofa, um nichts als um seine Gesundheit, seine Sammlungen und einen reibungslosen Tagesablauf bemüht. In Abständen erinnert die Geliebte sich an ihre Clownrolle bei Otts, unternimmt einen Schritt, macht den Schritt rückgängig. Man altert zu dritt, während auf dem Bildschirm die Nobelfamilien von einer Katastrophe in die nächste taumeln, Mieter einundausziehen und das Otthaus langsam zerfällt.

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