Schneider Hansjörg

Hansjörg Schneider wurde am 27.3.1938 in Aarau als Sohn eines Gewerbeschullehrers geboren. Er wuchs in Zofingen (Kanton Aargau) auf. In Basel studierte er Germanistik, Geschichte und Psychologie und promovierte 1966. Vorübergehend war er als Lehrer, Journalist und als Regie-Assistent und Chargendarsteller am Basler Theater tätig. Erste Veröffentlichungen von ihm erschienen in den sechziger Jahren, zum Teil in der Basler "National Zeitung" unter dem Pseudonym Peter Fischwanz. Schneider lebt heute als freier Schriftsteller in Basel. Die Protagonisten seiner Romane "Lieber Leo" (1980) und "Der Wels" (1988) sind auf der Suche nach der Frau, von der sie verlassen worden sind. In lapidaren Sätzen ruft Schneider die wechselnden Stimmungen des Unterwegs-Seins hervor. Die Schuld am Scheitern liegt beim Mann, bei seiner Unfähigkeit zur Treue. Der Durchbruch als Dramatiker gelang ihm mit "Sennentuntschi" (1972). In letzter Zeit hat sich Schneider mit "Silberkiesel" (1993) und "Flattermann" (1995) auch als Krimiautor hervorgetan.

Links
www.zeit.de/online/2008/13/hansjoerg-schneider-70
www.videoportal.sf.tv/video?id=8371aaf9-2282-4027-89ef-895e999ebb32
www.nzz.ch/article79JO1-1.497584
www.tageswoche.ch/de/2015_35/kultur/696583/
www.zeit.de/2016/26/hansjoerg-schneider-schriftsteller-schweiz-portraet
www.ub.unibas.ch/cmsdata/spezialkataloge/bla/schneider_hansjoerg.html

Opere:
  • Leköb. Eine Lebensgeschichte / Distra. Eine Liebesgeschichte / Der Blumenkelch. Eine Traumgeschichte. Stuttgart: Taucher, 1970
  • Die Ansichtskarte. Erzählung. Zürich / Köln: Benziger, 1972
  • Die Schlummermutter. Das Leben und die Ansichten einer alten Frau aufgezeichnet von Hansjörg Schneider. Basel: Gute Schriften, 1973
  • Der Bub. Basel: Lenos, 1976
  • Stücke I. Basel: Nachtmaschine, 1980 (Enthält: Sennentuntschi / Der Erfinder / Der Schütze Tell)
  • Lieber Leo. Zürich / Köln: Benziger, 1980
  • Ein anderes Land. Geschichten. Zürich: Ammann, 1982
  • Der liebe Augustin. Schauspiel in sechs Bildern. Zürich: Ammann, 1983
  • Wüstenwind. Notizen November 1982 bis April 1983. Zürich: Limmat, 1984
  • Stücke II. Basel: Nachtmaschine, 1985 (Enthält: Brod und Wein / Das Kalbsfell / Der Brand von Uster)
  • Heimkehr in die Fremde. Reportagen. Zürich: Limmat, 1986
  • Die schwarze Spinne. Nach der Erzählung von Jeremias Gotthelf dramatisiert von Hansjörg Schneider. Kreuzlingen: Edition Erpf bei Neptun, 1988
  • Der Wels. Zürich: Nagel & Kimche, 1988
  • Der Kranich. Musical von Hansjörg Schneider, Musik von Urs Blöchlinger. Uraufführung: Bern Stadttheater, 1991
  • Silberkiesel. Zürich: Ammann, 1993
  • Flattermann. Zürich: Ammann, 1995
  • Der Irrläufer. Schauspiel in drei Akten. Frankfurt/M.: Verlag der Autoren, 1995
  • Das Wasserzeichen. Zürich: Ammann, 1997; Neuausgabe: 2003
  • Der Tag des Jammers. Helvetische Szenen aus Nidwalden 1798. Stans: Staatskanzlei, 1998
  • Das Paar im Kahn. Zürich: Ammann, 1999
  • Nachtbuch für Astrid. Zürich: Ammann, 2000
  • Tod einer Ärztin. Zürich: Ammann, 2001
  • Im Café und auf der Strasse. Geschichten. Zürich: Ammann, 2002
  • Hunkeler macht Sachen. Roman. Zürich: Ammann, 2004
  • Hunkeler und der Fall Livius. Zürich: Ammann, 2007
  • Hunkeler und die goldene Hand. Zürich: Ammann, 2008
  • Hunkeler und die Augen des Ödipus. Zürich: Diogenes, 2010
  • Nilpferde unter dem Haus. Zürich: Diogenes, 2011
  • Hunkelers Geheimnis. Zürich: Diogenes, 2015

Premi:
  • Welti-Preis für das Drama (1976)
  • AAD-Stipendium Berlin (1977)
  • Werkjahr der Pro Helvetia (1979)
  • Werkjahr des Kantons Zürich (1981)
  • Basler Literaturpreis (1986)
  • Aargauer Literaturpreis (1986)
  • Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar (1998)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (2003)
  • Friedrich-Glauser-Krimipreis(2005)

Parte di testo da "Flattermann" [S. 6-7]

Ein Bild des Friedens, dachte Hunkeler, eine Oase mitten in der Stadt, ein herrlicher Junimorgen.
Da hörte er einen Schrei. Er kam von rechts oben, von der Johanniterbrücke her also, von der manchmal Burschen heruntersprangen, obschon sie fast zwanzig Meter hoch war. Diese Burschen pflegten jeweils zu schreien, aber anders, aus Übermut, aus Stolz, um die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu ziehen. Dies jetzt war ein anderes Schreien, ein gefährliches. Und als Hunkeler hinaufblickte, hing dort zwischen Brückengeländer und Wasserspiegel tatsächlich ein grosser Vogel. Sein Schrei war verstummt, er flatterte voller Entsetzen, das war deutlich zu sehen, er ruderte mit den Armen. Er trug einen dunklen Anzug. Es war ein alter Mann, der offenbar nicht ins Wasser hinein wollte, aber er musste hinein, die Schwerkraft befahl es. Er schlug auf und verschwand.

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