Schmid Susy

Susy Schmid wurde am 18. Dezember 1964 in Aarau geboren. Aufgewachsen ist sie im aargauischen Gebenstorf. Die gelernte Buchhändlerin bereiste auf einem Lastwagen die halbe Welt und war als Englischlehrerin tätig. Eine weitere Passion der Autorin, neben dem Reisen, sind Bücher. Über fünftausend Exemplare stapeln sich in ihrer Einzimmerwohnung, vor allem Krimis und Horrorgeschichten. Werke aus dem Genre in dem sich Schmid auch selbst schreibend betätigt. Ihre Kurzgeschichten wurden bisher in der „Annabelle“, im „Magazin“, im „Beobachter“, in der „Neuen Zürcher Zeitung“ und im „Bund“ veröffentlicht. Zudem hat sie ein Kurzhörspiel („Schreckmümpfeli“) verfasst, welches auf Radio DRS zu hören war. 1999 ist Susy Schmids erstes Buch erschienen. „Die Bergwanderung und andere Grausamkeiten“ enthält vierzehn Geschichten und soll demnächst auch als Hörbuch erscheinen. Susy Schmid war mit dem erfolgreichen Berner Krimiautor Alexander Heimann (1937-2003) verheiratet und lebt in Baden.

Links
www.susyschmid.ch

Opere:
  • Die Bergwanderung und andere Grausamkeiten. Muri b. Bern: Cosmos, 1999
  • Himmelskönigin. Kriminalroman. Muri b. Bern: Cosmos, 2003
  • Oktoberblau. Kriminalroman. Muri b. Bern: Cosmos, 2011

Premi:
  • Erster Preis beim Kurzgeschichtenwettbewerb der Burgdorfer Krimitage (1994)

Parte di testo da "Bergwanderung" in "Die Bergwanderung und andere Grausamkeiten" [S. 16-17]

Rita hätte Guido wieder einmal am liebsten in eine seiner rot bestrumpften Waden gebissen. Stattdessen beschränkte sie sich darauf zu keuchen. Leise zu keuchen, damit Guido sie nicht hörte. Über die Jahre hatte Rita eine speziell leise Atemtechnik perfektioniert. Trotzdem sparte Guido jeweils nicht mit Bemerkungen über Dampflokomotiven und andere schwere Maschinen.
Der steile Bergpfad nahm kein Ende. Nach den Zeitangaben auf dem letzten Wegweiser hätten sie vor zwanzig Minuten den Mürggelshörnli-Gipfel erreicht haben sollen, umso mehr als Guido ein Tempo vorlegte, das jeden Zeitangaben-Ermittler zum Flaneur degradierte.
Sonntags hasste Rita Guido. Jeden Sonntagmorgen wanderte sie hinter ihm bergan, den Blick auf seine Wandersocken geheftet, Stunde um Stunde, mit Sonnenbrand auf der Nase und Mord im Herzen. Mit jedem Höhenmeter wuchs ihre Wut. Keiner der entgegenkommenden Wanderer konnte ahnen, was hinter der schweissnassen Stirn der kleinen Frau, die so freundlich grüsste, vorging: Da wurde ihr Ehemann (ja, der langbeinig-drahtige Herr, dem man fünf Minuten vorher begegnet war) aufs gräulichste gemeuchelt. Rita liess ihn endlose Geröllhalden hinunterkollern, hiess den Blitz ihn erschlagen, vergiftete ihm mit Metatabletten und sah voll stiller Freude zu, wie er im Schneesturm erfror. Und seinen jämmerlichen Kadaver spiesste sie zu guter Letzt noch aufs Gipfelkreuz, und die Dohlen hackten ihm die Augen aus. Jawohl. Und wann kam nun endlich dieser verflixte Mürggelshörnli-Gipfel?

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