Schaad Isolde

Isolde Schaad wurde am 9. Oktober 1944 in Schaffhausen geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, Publizistik und Ethnologie in Zürich und Cambridge (GB). Bis 1974 war Schaad Kultur-Redaktorin der „Weltwoche“. Seither arbeitet sie freischaffend als Kritikerin, Kolumnistin und Schriftstellerin. Mehrere Studienreisen führten sie in den Nahen und Mittleren Osten und nach Afrika. Schaad hat zahlreiche literarische, kunstkritische und essayistische Arbeiten veröffentlicht, sowie Sprech- und Theaterstücke geschrieben. Sie weilte als Writer in residence an der Washington University St.Louis, USA. Schaad lebt als freie Publizistin und Schriftstellerin in Zürich. Ihre Texte sind engagiert, pointiert, oft polemisch und fein ironisch. Zudem sind sie auch mit einer Prise Schwarzem Humor durchsetzt.

Links
ansichten.srf.ch/autoren/isolde-schaad/
www.art-tv.ch/6163-0-isolde-schaad--robinson-und-julia.html
www.nzz.ch/zuerich/zuercher_kultur/sprache-als-motor-1.18268847
wipkingen.net/isolde-schaad-schreiben-ist-mein-element/

Opere:
  • Knowhow am Kilimandscharo. Verkehrsformen und Stammesverhalten von Schweizern in Ostafrika. Eine Lektüre. Zürich: Limmat, 1984
  • Die Zürcher Constipation. Texte aus der extremen Mitte des Wohlstands. Zürich: Limmat, 1986
  • KüsschenTschüss. Sprachbilder und Geschichten zur öffentlichen Psychohygiene. Zürich: Limmat, 1989
  • Body & Sofa. Liebesgeschichten aus der Kaufkraftklasse. Zürich: Limmat, 1994
  • Grüezi, Salü, Ciao. Mit Cartoons von Magi Wechsler. Zürich: Vontobel-Stiftung, 1997
  • Mein Text so blau. Der Sound der Literatur. Essays, Stories und Dramen vom Tatort. Zürich: Limmat, 1997
  • Keiner wars. Zürich: Limmat, 2001
  • Vom Einen. Zürich: Limmat, 2005
  • Robinson und Julia. Zürich: Limmat, 2010
  • Am Äquator. Erzählungen. Zürich: Limmat, 2014

Premi:
  • Ehrenliste des Hans-Christian-Andersen-Preises (1980) Stipendium der Eckenstein-Stiftung (1982)
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich (1984 / 1994 / 2001)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1988) Schweizerischer Journalistenpreis (1990)
  • Zürcher Journalistenpreis (1991)
  • „Buch des Jahres“ der Schweizerischen Schillerstiftung (1997)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1997)
  • Anerkennungspreis des BAK (1999)
  • ZKB-Schilerpreis (2002)
  • Georg-Fischer-Preis (2004)
  • Goldene Ehrenmedaille des Kantons Zürich (2004)

Parte di testo da "Die gesamteuropäische Dessertkarte in Body & Sofa" [S. 54]

Der Nachtisch ist immer fortschrittlicher gewesen als der Hauptgang, was die Völkerverständigung angeht. Man hat sich in London schneller auf den Berliner eingestellt als auf den preussischen Tafelspitz, schon im vergangenen Jahrhundert, und nun auf den kontinentalen Kohl.
Der Berliner ist bereits Gesamteuropäer ohne besondere Verdienste. Dass der Berliner je nach Standort anders heisst, vielleicht sogar Swiss-Cottage-Roulade, ist ein Detail, das die nationale Eigenheit hübsch dekoriert.
Auch die Wiener kosten nach ihrem Schnitzel lieber ein salmonellenverdächtiges Tiramisu als ihren tradierten Wiener-und-Kaiserschmarrn, wahrhaft eine Konzession an den Süden.
In Brüssel trifft nach dem Salat (auch Chicorée oder Zichorie genannt) das delikate Souffléglacé Grand marnier von selbst ein, und das stammt aus dem bittersten Ausland, nämlich von nebenan, de la France.
Eine gesamteuropäische Dessertkarte könnte so manches Problem lösen, nur schon aus diesem stichfesten Grund: Vor einer Dessertkarte sind wir alle gleich. Das meiste nimmt ja den Weg durch den Magen, auch in der Politik. Ein Dessert bestellen heisst ja auch, manches hinter sich zu haben, vielleicht das Entscheidende.

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