Roth-Hunkeler Theres

Theres Roth-Hunkeler wurde am 11.10.1953 in Hochdorf (Kt. Luzern) geboren. Aufgewachsen in bäuerlichen Milieu besuchte sie nach den Schulen das Lehrerinnenseminar. Roth-Hunkeler studierte an der Akademie für Erwachsenenbildung und ist seither als Journalistin tätig. Sie schreibt für die Presse in den Bereichen „Literatur“ und „Erwachsenenbildung“. Neben zahlreichen Kurzgeschichten in Anthologien und Literaturzeitschriften hat die Autorin bisher drei Romane veröffentlicht. Theres Roth-Hunkeler ist die erste Präsidentin des 2003 gegründeten neuen Schriftstellerverbandes „Autorinnen und Autoren der Schweiz“ (AdS). Sie lebt und arbeitet in St.Gallen.

Links
www.roth-hunkeler.ch/
www.news.ch/Theres+Roth+Hunkeler+steht+Schweizer+Schriftstellern+vor/135778/detail.htm
www.srf.ch/news/regional/sommerserie/ein-rueckzugsort-fuer-schriftstellerinnen-und-schriftsteller

Opere:
  • Die Gehschule. Roman. Basel: Lenos, 1992
  • Die zweite Stimme. Roman. Zürich: Rotpunktverlag, 1997
  • Erzähl die Nacht. Roman. Zürich: Rotpunktverlag, 2000
  • Abschied von der Spaltung; Fin d'une division . Die letzten Jahre der Schweizer Autorinnen und Autoren Gruppe Olten und des Schweizerischen Schriftstellerinnen- und Schriftsteller-Verbandes. Hrsg. von Peter A. Schmid und Theres Roth-Hunkeler. Zürich: Rotpunktverlag, 2003
  • Was uns blüht. Luzern: Pro Libro, 2009

Premi:
  • 3Sat-Stipendium Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, Klagenfurt (1991)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1993 / 1998)
  • Werkbeitrag Kanton St.Gallen (1994)
  • Luzerner Publikumspreis (1998)
  • Einzelwerkpreis Schweizerische Schillerstiftung (2000)
  • Anerkennungspreis der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung (2004)

Parte di testo da "Die Gehschule" [S. 10-11]

Keine Zeit für Geschichten. Nie. Vater beobachtet den Himmel, studiert die aufkommenden Wolken. Gestern hat er die grosse Wiese vor dem Haus gemäht, in grossen Wälmen liegt nun das Gras, gut getrocknet schon, aber noch nicht trocken genug, um als Heu in die Scheune eingebracht zu werden. Ob es regnen wird, schon am Vormittag?
Vater presst die Lippen zusammen. Mutter räumt den Tisch ab, schnell, der Bruder geht hinaus. Die Schwester hat immer Angst. Und auf sie entlädt sich das Vatergewitter. Los, rühr dich, Elis, schreit er sie plötzlich an. Hol die Heugabel, das Gras muss gewendet werden. Was stehst du faul herum? Weiber, fährt er leiser fort. Denen ist es egal, was mit dem Heu passiert. Es ist ihnen sogar recht, wenn es regnet.
Jetzt schaut er sich nach der Mutter um, redet wieder lauter, damit sie ihn in der Küche verstehen kann. Bei Regen im Haus hocken, nichts tun, die Zeit vertrödeln, das könnte auch so gefallen. Ich werde euch eine Regenbeschäftigung suchen. Steine lesen im Acker kann man auch bei Regen.
Die Schwester ist schon längst draussen, zettelt das Gras, wendet es, breitet es aus, an der Sonne, die brennt.
Das Kind blickt nicht auf, sitzt in der Ecke und liest. Es schlüpft ins Buch, wird unsichtbar, hört nur halb, wie der Vater zu ihm sagt: Regen macht schön. Dich müsste man tagelang in den Regen stellen.

Zurück