Rinderknecht Christine

Christine Rinderknecht wurde am 5. Dezember 1954 in Nussbaumen bei Baden (Kanton Aargau) geboren. Nach den Schulen folgte das Studium der Germanistik, Romanistik und Literaturkritik in Zürich, Paris und Berlin. Anschliessend arbeitete Rinderknecht als Autorin und Dramaturgin am Theater. In den neunziger Jahren hat sie drei Stücke für Jugendliche geschrieben und mitinszeniert. Ihre letzte Arbeit für die Bühne ist bisher das Erzählprojekt "Petit Bodiel" im forum:claque Baden. Zudem hat Christine Rinderknecht Kurzgeschichten in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Im Jahr 1994 ist der erste Erzählband "Bruchstein und Backstein" erschienen. 2002 folgte ein autobiographischer Roman über ihre Kindheit.

Links
www.theater-knotenpunkt.ch/web/front_content.php?idart=28

Opere:
  • Ich wett, dass dir en Flügel bricht (1990, Auftragsarbeit zum Thema Sucht mit TV-Aufzeichnung)
  • Bruchstein (1991, Thema Inzest)
  • Die Mitgift (1993)
  • Bruchstein und Backstein. Erzählungen. Bern: Zytglogge, 1994
  • Laune der Natur. Freies Theater M.A.R.I.A. Bern, 1999.
  • Ein Löffel in der Luft. Zürich: Pendo, 2002

Premi:
  • Weiterbildung Migros-Genossenschaftsbund (1990)
  • Werkbeitrag vom MBG (1992)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1994)
  • Halbes Werkjahr der Stadt Zürich (1996)
  • Kinder- und Jugendmedienpreis „Die Rote Zora“ (für „Bruchstein“)

Parte di testo da "Bruchstein und Backstein" in "Bruchstein und Backstein" [S. 8]

Da sitzen sie am Tisch und kauen. Mein Vater macht einen Buckel. Das kommt von der Verantwortung, die er tagtäglich auf seinem Rücken und durchs Leben trägt und nicht abwerfen kann, obwohl er das gern täte, vor allem mich und meinen Bruder, wir lasten schwer auf ihm. „Eine Hypothek, das ist eine Hypothek“, sagt er immer wieder zu meiner Mutter, die darauf nichts zu sagen weiss, und dann kommt er auf die Hypotheken zu sprechen, die auf dem Haus liegen. Ich weiss nicht genau, was das ist, jedenfalls etwas Schweres, das auf dem Dach unter den Ziegeln versteckt sein muss, verpackt und zugebunden in braunen Säcken, die nach Keller und Kartoffeln riechen. Eine Last, die meinen Vater krumm macht und mit uns etwas zu tun haben muss, mit mir und meinem Bruder, weil sie ja den selben Namen trägt. Hypothek heissen wir und müssen getragen werden, in einem braunen Sack, der Verantwortung heisst und uns die Luft abschneidet. Leider denkt mein Vater gar nicht daran, uns abzuwerfen, weil er uns dann los und er ein verantwortungsloser Mensch wäre, wie Tante Eva, die nicht einmal weiss, was es heisst, mit beiden Füssen im Leben draussen zu stehen.

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