Reich Richard

Richard Reich wurde am 5. Dezember 1961 in Erlenbach (Kt. Bern) geboren und ist in Maur (ZH) aufgewachsen. Er besuchte die Mittel- und Fussballschule in Zürich. Nach abgebrochenen Studien in Schauspiel und Geschichte in Wien und Zürich wandte Reich sich dem Journalismus zu. Er arbeitete während dreizehn Jahren als Sport- und Kulturjournalist bei der NZZ, später beim „Facts“ und dem Tages-Anzeiger Magazin. Bekannt wurde er durch seine humoristischen Sportkolumnen in der Neuen Zürcher Zeitung. Die meisten Texte in seinem Erstling „Ovoland“ sind vorher schon im „Sportplatz“, so der Name der Kolumne, erschienen. Richard Reich war 1999 Gründer und erster Leiter des Zürcher Literaturhauses. Seit Sommer 2002 arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. "Das Gartencenter", im Jahr 2003 erschienen, ist Reichs erster längerer Prosatext. Zusammen mit Gerda Wurzenberger hat Richard Reich das Projekt "Schulhausroman" lanciert, in dem Oberstufenklassen zusammen mit Autor/innen einen Roman verfassen.

Links
www.provinz.ch/
www.videoportal.sf.tv/video?id=effeeb85-1557-49ee-b29a-ffa00daa5077
www.schulhausroman.ch

Opere:
  • Ovoland. Nachrichten aus einer untergehenden Schweiz. Zürich: Kein & Aber, 2001
  • Das Gartencenter. Zürich: Kein & Aber, 2003
  • Ovoland 2. Das Leben ist eine Turnhalle. Zürich: Kein & Aber, 2004
  • Codewort Laudinella. Hotelgeschichten und Heiratssachen. Zürich: Kein & Aber, 2007

Premi:
  • Zürcher Journalistenpreis (2002)

Parte di testo da "Elf Fremde müsst ihr sein in Ovoland" [S. 94]

„Wer bist denn du?“ sagte in der 17. Spielminute der Innenverteidiger zum Aussenverteidiger. „Ich bin der neue linke Aussenverteidiger“, sagte der Aussenverteidiger zum Innenverteidiger. „Aha, dann musst du dieser Schotte sein“, sagte der Innenverteidiger. „Nein, ich bin der Slowake“, korrigierte der Aussenverteidiger. „So, so, der Slowake“, murmelte der Innenverteidiger, „das ist mir neu.“
Stirnrunzelnd grätschte er einem heranstürmenden Gegner in die Beine. Obwohl er dabei durchaus auch teilweise den Ball traf, vergass er, beim Schiedsrichter gegen die gelbe Karte zu protestieren, so gedankenversunken war er.
„Wie bist du denn hierher geraten?“ fragte der Innenverteidiger den neuen Aussenverteidiger in der 24. Minute bei einem Einwurf an der linken Seitenlinie. „Ganz einfach“, antwortete der Aussenverteidiger, „mein Agent wollte mich zu einem drittklassigen Klub in Italien vermitteln, doch weil dieser dem gleichen Pharmakonzern gehört wie der belgische Spitzenverein, bei dem ich unter Vertrag stehe, aber nicht zum Einsatz komme, war es EU-kartellrechtlich gesehen besser, mich für fünf Wochen in die Schweiz zu verleihen.“
Kopfschüttelnd warf der Innenverteidiger den Ball genau in zwei gegnerische Füsse, erkämpfte ihn sich aber sogleich zurück und setzte zu einem seiner berühmten Steilpässe in Richtung des rechten Flügelstürmers an, als ihm einfiel, dass dieser ja letzte Woche nach Deutschland verkauft worden war. Verwirrt spielte er den Ball unter dem Gejohle der Zuschauer zum Torhüter zurück.

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