Nizon Paul

Paul Nizon wurde am 19.12.1929 in Bern geboren, wo er als Sohn eines russischen Emigranten und einer Bernerin aufwuchs. Er studierte Kunstgeschichte in Bern und München. 1957 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Vincent van Gogh. Es folgte eine Anstellung als Museumsassistent in Bern. 1961 war Nizon leitender Kunstkritiker der "Neuen Zürcher Zeitung". Ein Jahr darauf zog er sich ins freie Schriftstellerleben zurück. 1984 war Nizon Gastdozent am Lehrstuhl Poetik der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M., 1987 "Writer in Residence" an der Washington-Universität in St. Louis/Missouri (USA). Seit 1977 wohnt Paul Nizon in Paris. Sein Werk gilt der Lebenssuche. In "Canto" (1963) stellt Nizon der in der Geburtsstadt Bern vorherrschenden verkümmerten bürgerlichen Lebensform das enthusiastisch besungene Rom entgegen. "Im Hause enden die Geschichten" (1971) vollzieht die Absage an die Bürgerlichkeit in gestisch-statischer Sprache. "Stolz" (1975), Nizons lange Zeit erfolgreichste Erzählung, handelt von einem geistigen und seelischen Zersetzungsprozess und die mit künstlerischem Engagement verbundene Gefahr des Selbstverlusts. In "Das Jahr der Liebe" (1981) gewinnt der Ich-Erzähler sein Selbstvertrauen zurück. Der Roman verbindet die Problematik der Liebe und der Künstlerexistenz und feiert die alle Herrlichkeiten des Lebens offenbarenden Frauen, die käufliche Liebe und die Weltstadt Paris. Zuletzt ist Nizon mit dem Tagebuch "Die Innenseite des Mantels" (1995) und mit dem Roman "Hund. Beichte am Mittag" (1998) hervorgetreten.

Links
www.videoportal.sf.tv/video?id=6e18453f-1bfe-4e3e-89af-037c0b5f3ab7
www.welt.de/kultur/literarischewelt/article124316881/Die-Liebesvergiftung-ist-noch-lange-nicht-auskuriert.html
www.youtube.com/watch?v=FwCBAu2zj3Y
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/der-kartograf-von-paris-1.18653721

Opere:
  • Die gleitenden Plätze. Bern: Scherz, 1959. Leicht überarbeitete Neuausgabe: Nachwort von Paul Nizon. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1990
  • Canto. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1963
  • Diskurs in der Enge. Aufsätze zur Schweizer Kunst. Bern: Kandelaber, 1970
  • Im Hause enden die Geschichten. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1971
  • Untertauchen. Protokoll einer Reise. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1972
  • Stolz. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1975
  • Das Jahr der Liebe. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1981
  • Aber wo ist das Leben. Ein Lesebuch. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1983
  • Am Schreiben gehen. Frankfurter Vorlesungen. Frankfurt/M.: Suhrkam, 1985
  • Im Bauch des Wals. Caprichos. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1989
  • Diskurs in der Enge / Verweigerers Steckbrief. Schweizer Passagen. Hrsg. von Peter Henning. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1990
  • Über den Tag und durch die Jahre. Essays Nachrichten Depeschen. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1991
  • Die Innenseite des Mantels. Journal. Auswahl und Zusammenstellung unter Mitwirkung von Maria Gazzetti. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1995
  • Hund. Beichte am Mittag. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
  • Taubenfrass. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1999
  • Gesammelte Werke (7Bde.). Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1999
  • Die Erstausgabe der Gefühle. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2002
  • Abschied von Europa. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2003
  • Die Zettel des Kuriers. Journal 1990/1999. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2008
  • Goya. Frankfurt: Insel, 2011
  • Ein Schreibtisch in Montparnasse. Göttingen: Wallstein, 2011
  • Urkundenfälschung. Journal 2000-2010. Berlin: Suhrkamp, 2012

Premi:
  • Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1972)
  • Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen (1975)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1982)
  • Deutscher Kritikerpreis für Literatur (1982)
  • Grosser Literaturpreis der Stadt Bern (1984)
  • Ernennung zum Chevalier des französischen Ordens "des arts et des lettres" (1988)
  • Preis des Senders "France Culture" für ausländische Literatur (1988)
  • Torcello-Preis der Peter Suhrkamp-Stiftung (1989)
  • Marie Luise Kaschnitz-Preis (1990)
  • Grosser Literaturpreis der Stadt Zürich (1992)
  • Stadtschreiber von Bergen-Enkheim (1993)
  • Grosser Literaturpreis des Kantons Bern (1994)
  • Erich-Fried-Preis (1996)
  • Buchpreis des Kantons Bern (2003)
  • Buchpreis des Kantons Bern (2006)
  • Kranichsteiner Literaturpreis (2007)
  • Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur (2010)
  • Grand Prix Literatur (2014)
  • Mehrere Auszeichnungen durch die Städte und Kantone Bern und Zürich.
  • Diverse Werkjahre der Pro Helvetia.

Parte di testo da "Die gleitenden Plätze" [S. 38-39]

Eine Hand legte sich mir auf die Schulter. »Was soll das Ganze?« Ich sah in die strengen Augen eines Schutzmannes, die Strenge lockerte sich etwas durch Lichter erwachender Vorsicht. »Nichts weiter«, sagte ich, »ich suche etwas klarzustellen.« Der Ausdruck der Vorsicht in seinen Augen verstärkte sich. »Ich deklamiere«, sagte ich also. Sein Blick schnellte um Grade gegen Erbostheit vor. Dann kam er gleichsam nochmals zum Tatort zurück: "Sie deklamieren? Was deklamieren Sie denn?" Er sagte es beinah liebenswürdig.
»Sehen Sie«, sagte ich, »ich mache da eben ein Gedicht und sage es laut vor mich hin, damit ich hören kann, wie es klingt, ich bin nämlich Dichter.«» Können sie sich ausweisen?« sagte er nun knapp. »Ich kann es«. Er studiert meine Papiere. Den Kopf hat er in brummiger Pose aus den schwarzumhangenen Schultern vorgereckt. Er blättert umständlich in den Seiten.

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