Moser Milena

Milena Moser wurde am 13. Juli 1963 in Zürich geboren. Nach der Diplommittelschule absolvierte sie eine Buchhändlerlehre und schrieb danach für Schweizer Rundfunkanstalten. Sie war Herausgeberin und Begründerin von "Sans Blague - Magazin für Schund und Sünde"(1987-1990). Moser lebt in San Francisco. Rasch populär wurde sie mit "Das Schlampenbuch" (1992), deren unterhaltsam heruntererzählte Geschichten für viele den Inbegriff des "neuesten Erzählerinnen-Sounds" darstellen. In ihren ersten Büchern werden regelmässig Männer ermordet. In "Blondinenträume" (1994) hört das Morden auf. Ein alleinstehender Mann mit zwei Kindern und ohne Ehefrau zieht in eine triste Wohnblocksiedlung am Stadtrand ein. Bei den anderen Mieterinnen handelt es sich meist um alleinstehende Frauen mit kleinen Kindern. Der Mann wird bald zum begehrten Objekt der Frauen, da er ihnen zuhört, über sie nachdenkt und sich für sie interessiert. Mosers Geschichten bieten statt literarischem Anspruch und Wehleidigkeit Witz und Mut zur Groteske. Ihre Texte sind voll unbekümmerter Stilbrüche, flapsiger Einwürfe, Schnoddrigkeiten und Banalitäten.

Links
www.milenamoser.com
www.art-tv.ch/453-0-literarisches-schreiben--milena-moser.html
www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Fuer-Frauen-faengt-mit-50-das-Leben-noch-einmal-richtig-an/story/19791554
www.srf.ch/sendungen/glanz-und-gloria/people/schweiz/milena-moser-ueber-beide-ohren-verliebt-nach-santa-fe

Opere:
  • Gebrochene Herzen. Zürich: Krösus, 1990
  • Die Putzfraueninsel. Zürich: Krösus, 1991
  • Das Schlampenbuch. Zürich: Krösus, 1992
  • Blondinenträume. Reinbek: Rowohlt, 1994
  • Mein Vater und andere Betrüger. Reinbek: Rowohlt, 1996
  • Das Faxenbuch. Reinbek: Rowohlt, 1996
  • Das Leben der Matrosen. Ein Zeitungsroman. Reinbek: Rowohlt, 1998
  • Artischockenherz. München: Blessing, 1999
  • Die Schlampenstories (enthält: "Gebrochene Herzen" und "Das Schlampenbuch"). Reinbek: Rowohlt, 1999
  • Bananenfüsse. München: Blessing, 2001
  • Sofa, Yoga, Mord. München: Blessing, 2003
  • Schlampenyoga oder Wo geht`s hier zur Erleuchtung?. München: Blessing, 2005
  • Stutenbiss. München: Blessing, 2007
  • Flowers in your hair. München: Blessing, 2008
  • Möchtegern. Zürich: Nagel & Kimche, 2010
  • Hosenlupf. Eine freche Kulturgeschichte des Schwingens. Zürich: Walde und Graf, 2010
  • High Noon im Mittelland. Die besten Kolumnen. Zürich: Nagel & Kimche, 2011
  • Montagsmenschen. Zürich: Nagel & Kimche, 2012
  • Das wahre Leben. Roman. Zürich: Nagel & Kimche, 2013
  • Das Glück sieht immer anders aus. Zürich: Nagel & Kimche, 2015
  • Gebrauchsanweisung für Zürich. München: Piper, 2015
  • Hinter diesen blauen Bergen. Roman. Zürich: Nagel & Kimche, 2017

Premi:
  • Werkbeiträge Pro Helvetia, Migros Genossenschaftsbund, Erziehungsdirektion des Kantons Zürich (alle 1991/93)

Parte di testo da "Gebrochene Herzen" [S. 7-8]

Ich habe einen Mann gefunden. Nicht, dass ich einen gesucht hätte. Ich habe ihn einfach gefunden, wie ich fast täglich etwas finde: Knöpfe, Münzen, verbogene Schlüssel, Spielfiguren, bekritzelte Papierschnipsel, Murmeln, bunte Scherben, zerzauste Dartpfeile, Federn, einmal sogar einen synthetischen Rubin, den ich im Dunkeln für ein Stück Glas gehalten hatte, und dann eben, eines Tages, diesen Mann.
Das war, so weit ich mich erinnere, an einem Sonntag. Es muss ein Sonntag gewesen sein, weil ich sonntags immer früh aufstehe, als einzige im Haus. Ich gehe zwar nicht in die Kirche, aber ich tue immerhin so. Ich ziehe mich ordentlich an: weisse Bluse mit gewaltigem Kragen, dunkler Rock, Strickjacke, und natürlich, wichtig! kleiner Hut und Handschuhe. Ich klemme mir meine grosse Tasche unter den Arm, die ich immer dabeihabe, um meine Funde darin zu verstauen, und verlasse das Haus wie eine ehrbare, ältliche Jungfer - was ich ja auch bin.
Oder etwa nicht?
An diesem Sonntag jedenfalls kam ich nicht weit. Ich wohne im Erdgeschoss, zu meiner Wohnung gehört ein winziger, staubiger Garten, um den ich mich aber nie kümmere, nicht einmal zum Schein. Der Schuh fiel mir sofort auf. Er lag unter einem struppigen Strauch direkt an der Hausmauer.
Ein Schuh, dachte ich, wie interessant! Einen Schuh habe ich noch nie gefunden!
Neugierig trat ich näher. Der Schuh sah nicht schlecht aus, schwarz und spitz, wie die Herrenschuhe früher aussahen, und sauber geputzt. Erst, als ich mich über meinen Fund beugte, sah ich, dass ein Fuss in dem Schuh steckte und überhaupt der ganze Besitzer dieses Schuhs und auch des Gegenstücks in meinem Garten lag.

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