Micieli Francesco

Francesco Micieli wurde am 21. Februar 1956 in Santa Sofia d'Epio (Italien) geboren. Seit 1965 lebt er in der Schweiz. Er studierte Romanistik und Germanistik an den Universitäten Bern, Cosenza und Florenz. Anschliessend war er als Schauspieler, Autor und Regisseur am Protheater Solothurn und am Theater am Scharfenegge Burgdorf tätig. Micieli hatte von 1992 bis 1999 einen Lehrauftrag an der Schule für Gestaltung Bern/Biel. Er präsidiert die deutschsprachige Literaturkommission des Kantons Bern. Fancesco Micieli lebt heute als freier Schriftsteller in Bern. Micielis Sätze sind schmucklos, nach einfachstem Muster gebaut - und gerade in dieser Einfachheit öffnen sie sich für das Unnennbare, dem sie Ausdruck geben sollen. In "Das Lachen der Schafe" (1989) stellt er den Zusammenprall gegensätzlicher Welten, archaischer Erinnerungen und technisierter Gegenwart dar. Dies geschieht in "Ich weiss nur, dass mein Vater grosse Hände hat" (1985) auch aus der Sicht des Kindes.

Links
www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=11713&ausgabe=200804
www.srf.ch/player/radio/drs2aktuell/audio/francesco-micieli-schlaflos-in-luetzelflueh?id=f7c231a4-e778-4278-9d39-df5e41d61d3b

Opere:
  • Ich weiss nur, dass mein Vater grosse Hände hat. Tagebuch eines Kindes. Bern: K. Salchli, 1986
  • Das Lachen der Schafe. Bern: K. Salchli, 1989
  • Meine italienische Reise. Bern: Zytglogge, 1996
  • Blues-Himmel. Ein Album. Bern: Zytglogge, 2000
  • Liebe im Klimawechsel. Ein Protokoll. Oberhofen: Zytglogge, 2010
  • Schwazzenbach. Schlaflos in Lützelflüh. Erzählung. Oberhofen: Zytglogge, 2012
  • Der Agent der kleinen Dinge. Oberhofen: Zytglogge, 2014
  • Der lachende Zahn meiner Grossmutter. Dresdner Poetikvorlesungen. Dresden: w.e.b., 2015
  • Hundert Tage mit meiner Grossmutter. Erzählung. Basel: Zytglogge, 2016

Premi:
  • Werkbeitrag der Stadt Burgdorf (1981)
  • Förderpreis des Kantons Bern (1987)
  • Buchpreis der Stadt Bern (1989)
  • Werkpreis des Kantons Solothurn (1990)
  • Preis der Lesenden "Kristal Vilenica 93", Slowenien (1993)
  • Buch der Schweiz.Schillerstiftung (1996)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1997)
  • Förderpreis zum Adalbert-von-Chamisso-Preis (2002)

Parte di testo da "Meine italienische Reise" [S. 51]

Landschaften auf dieser Reise. Ich hatte nie eine besondere Beziehung zu Landschaften.
Wenn ich in meine Kindheit zurückgehe, sehe ich Gassen, Häuser, Hände, Gesichter, den Zahn meiner Grossmutter, die Lichter in der Ferne der Nacht. Lichter, die mich träumen liessen, von Wärme, von Reichtum, von Nahrung im Überfluss.
Ich frage den Vater nach seine Landschaften. Die Frage erstaunt ihn. Sie ist ihm ungewohnt. Sie gehört nicht zu unseren Gesprächen.
Am Fenster rollt sich die Po-Ebene auf, grosszügig geplant. Kalabrien und das Emmental wurden aus Platzmangel entworfen.
Ich frage mich, sagt der Vater, was gewesen wäre, wenn wir nach Argentinien ausgewandert wären, damals mit deiner Tante Rosaria. Ich wäre nicht mehr Fabrikarbeiter, und du hättest mehr geschrieben und weltweit verkauft.

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