Mettler Michel

Michel Mettler wurde im Mai 1966 in Aarau geboren. Er lebt und arbeitet als Autor, Dramaturg und Musiker in Brugg. Von 1999-2001 war er künstlerischer Leiter des Kunstlabors forum:claque in Baden. Kürzere Texte von Michel Mettler erschienen u.a. in „du“, „NZZ“, „NZZ am Sonntag“, „Weltwoche“, „Tages-Anzeiger-Magazin“ und in Sammelbänden der Verlage S. Fischer, Wagenbach und Nagel & Kimche. Seine Texte beeindrucken vor allem als Sprechdarbietungen. Seit 2003 ist er mit befreundeten Musikern und Autoren, die sich die „Vier Maultrommeln“ nennen, unterwegs. Im Jahre 2006 publizierte er seinen ersten Roman unter dem Titel „Die Spange“, der auf grosses Echo stiess. Seither konzentriert sich der Autor aufs Schreiben.

Links
www.nzz.ch/articleDPE8N-1.22700
www.srf.ch/player/radio/drs2aktuell/audio/autor-michel-mettler-sucht-die-oeffentlichkeit?id=56f37136-f9dc-4f9e-ba97-e906e42568a1

Opere:
  • Die Spange. Roman. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2006
  • Der geschenkte Berg. Basel: Schwabe, 2007

Premi:
  • Förderpreis Kanton Aargau 1990, 1992, 1998
  • Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung 2006

Parte di testo da Die Spange [S. 12f]

Nach zwei Stunden verliess der Mann den Raum, um nebenan seine Befunde zu Papier zu bringen und mit Berg und Masoni zu besprechen. Bevor jedoch weitere Sondierungen im Mund selbst erfolgen würden, sollte auch ich über das Ausmass der Entdeckung informiert werden, soweit es meine Fachkenntnis zuliess. Als mein Vertrauensarzt übernahm Dr. Berg diese Aufgabe. Er raffte Papier, Schreibzeug und etwas Proviant zusammen und zog sich mit mir in den Ruheraum zurück. Dort versuchte er mit Hilfe von Skizzen und kleinen papierenen Bastelarbeiten, mir alles zu verdeutlichen, was bisher gesichert war.
Sie wissen es bereits, sagte er: Wir haben etwas Unterwartetes in Ihrem Mund gefunden – etwas, das Sie womöglich schockiert. Darüber sollten wir jetzt sprechen.
Er stand neben einem sehr dunklen Teak-Schreibtisch und zeigte alle mir bekannten Merkmale schwerer Beunruhigung.
Etwas Unerwartetes?
Mehr als das.
Vor meinem inneren Auge tummelten sich Tumore, Polypen und Abszesse im härtesten Goya-Stil. Ich sah meinen Teaksarg gravitätisch in den Kremationsschacht einfahren.
Keine Angst, sagte Dr. Berg, die Funde sind weniger für Sie beunruhigend als für uns, die Wissenschaft.
Können Sie das vielleicht erläutern?

Zurück