Mettler Clemens

Clemens Mettler wurde am 1. September 1936 in Ibach (Kanton Schwyz) geboren. Er besuchte das Gymnasium und machte die Matura in der Stiftsschule. Anschliessend absolvierte Mettler die Ausbildung zum Zeichenlehrer, die er mit dem Diplom 1960 beendete. Grosse Anerkennung fand der Autor mit seinem ersten Roman „Der Glasberg“ (1968), in welchem er sich als Vorläufer der experimentellen Prosa der Siebziger Jahre zeigte. 1993 erschien Mettlers „Findelbuch“, welches gemeinhin als sein Opus magnum gilt. In den letzten Jahren ist der Autor mit einer feinfühligen, autobiographischen Kindheitsgeschichte an die Öffentlichkeit getreten. Clemens Mettler lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Zürich.

Links
www.zeit.de/1985/14/der-letzte-der-mansarden-dichter

Opere:
  • Silvester. Kurzerzählung. Zürich: Verlag um die Ecke, 1967
  • Die Sonde. Kurzerzählung. Zürich: Verlag um die Ecke, 1968
  • Der Glasberg. Roman. Einsiedeln: Benziger, 1968
  • Greller früher Mittagsbrand. Kindheitsgeschichten. Einsiedeln: Benziger, 1971
  • Der Nachtrager. Stans: Dabra-Verlag, 1972
  • Kehrdruck und andere Geschichten. Erzählungen. Einsiedeln: Benziger, 1974
  • Gleich einem Standbild, so unbewegt. Erzählungen. Zürich: Ammann, 1982
  • Findelbuch. Eine Textcollage. Zürich: Ammann, 1993
  • Symmetrie oder Wie ich zu zwei Kommuniongespanen kam. Erzählung. Zürich: Edition Howeg, 1998

Premi:
  • Förderpreis zum Bremer Literaturpreis (1983)
  • Gastpreis der Literaturförderung Kanton und Stadt Luzern (1985)
  • Anerkennungspreis Kt.Schwyz (1986)
  • Werkjahr der Literaturkommission der Stadt Zürich (1998)

Parte di testo da Der Glasberg [S. 79-80]

Am Eingang des Holzstegs hattest du gefragt: Sie besuchen eine Schule? Mit dir schon etwas vorgedrungen auf dem gelben Holz, auf dem deine Schritte dumpf klopften, ihre Absatzstifte dunkel knallten noch durch den Lärm, durchs Tucken der anderen Schuhe, hatte sie geantwortet leicht zu deinem rechten Ohr her- und herabgeneigt – etwas grösser wie sie war – und richtig schreiend: Ja. Auf deine dann blitzschnell erfolgte nächste Sonde: was für eine Schule? (geschrien) blieb und blieb und blieb ihre Antwort nun aus, immer weiter aus, während ihr da gingt auf dem gelben grau stapfengescheckten Plankenholz. Zartflaumig aufgerauhtes Holz, sozusagen mädchenblütefrisch aus der Sägerei, die Handläufe der Geländer waren allerdings glattgehobelt, die Kanten abgerundet. – Es war gewiss nicht mehr gerade leicht, im Lärm mit der Stimme durchzudringen, auch wenn man nah beisammen ging. Immerhin hätte sie ja nur ein einziges Wort zu schreien, HAUSHALTFORTBILDUNGSSCHULE etwa oder JUVENTUS, dachtest du. JUVENTUS wäre nicht schlecht, viel zu jung, wie sie wieder sein wird für mich... Immerhin, da gehst du neben mir. Vielleicht knobelt sie an der Antwort herum. So lang und so weit hast du wahrhaftig noch keine verfolgt. Unabhängbar, unabschreckbar, so hartnäckig hast du noch nie geredet.

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