Marti Kurt

Kurt Marti wurde am 31.1.1921 in Bern geboren. Nach der Matura studierte er evangelische Theologie in Bern und Basel. Im Dienste des ökumenischen Rates der Kirchen verbrachte er ein Jahr in Paris. Von 1963 bis 1983 war Marti Pfarrer an der Nydeggkirche in Bern. Er ist Mitbegründer der "Erklärung von Bern" für mehr Solidarität mit der Dritten Welt und Mitbegründer der "Schriftsteller-Gruppe Olten". Marti lebte in Bern, wo er am 11. Februar hochbetagt im Alter von 96 Jahren starb. Sein Werk ist undenkbar ohne die Impulse des christlichen Glaubens und utopischer Vorstellungen. Dennoch - oder deswegen? - geriet Marti, als amtierender Pfarrer, in der Zeit des Kalten Krieges in den Verdacht, ein Kommunist und Subversiver zu sein. Der Beruf, den Marti kontinuierlich ausübte, hat ihn im Schreiben nicht gehemmt, sondern bereichert und angeregt, gerade durch die dauernde Spannung zwischen der kirchlichen und der literarischen Sprache. Vor allem seine Kurzgeschichten ("Dorfgeschichten", 1960; "Bürgerliche Geschichten", 1981; "Nachtgeschichten", 1987) sind ohne den Erfahrungshintergrund des Pfarrers nicht denkbar. Marti hat sich von Anfang an nicht auf eine Form beschränkt. Seine zahlreichen Gedichtbände ("republikanische gedichte", 1959; "abendland", 1980) und philosophischen Betrachtungen ("Im Sternzeichen des Esels", 1995/Prediger Salomo. Weisheiten inmitten der Globalisierung, 2016) zeugen davon.

Links
ead.nb.admin.ch/html/martikurt.html
www.srf.ch/player/radio/perspektiven/audio/kurt-marti-worte-die-bleiben?id=3f6ebc7b-7dc1-4c2f-ba1b-485dea075f72
www.bernerzeitung.ch/region/bern/Ich-lasse-mich-nicht-mehr-aktivieren-und-praesentieren/story/11870899

Opere:
  • republikanische gedichte. St. Gallen: Tschudy, 1959. Erweiterte Neuausgabe: Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1971
  • Dorfgeschichten. Gütersloh: Mohn, 1960. Erweiterte Neuausgabe unter dem Titel: Wohnen zeitaus. Geschichten zwischen Dorf und Stadt: Zürich, Flamberg, 1965 Veränderte Taschenbuchausgabe unter dem Titel: Dorfgeschichten: Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1983
  • leichenreden. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1969
  • Paraburi. Eine Sprachtraube. Bern: Zytglogge, 1972
  • Dialog Christ-Marxist. Zusammen mit Konrad Farner. Zürich: Verlagsgenossenschaft, 1972
  • Zum Beispiel: Bern 1972. Ein politisches Tagebuch. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1973
  • Die Riesin. Ein Bericht. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1975
  • Zärtlichkeit und Schmerz. Notizen. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1979
  • abendland. gedichte. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1980
  • Bürgerliche Geschichten. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1981
  • Für eine Welt ohne Angst. Berichte, Geschichten, Gedichte. Hannover: Lutherisches Verlagshaus, 1981
  • Schon wieder heute. Ausgewählte Gedichte 1959-1980. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1982
  • Ruhe und Ordnung. Aufzeichnungen, Abschweifungen 1980-1983. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1984
  • Lachen Weinen Lieben. Ermutigungen zum Leben. Stuttgart: Radius, 1985
  • Tagebuch mit Bäumen. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1985
  • Nachtgeschichten. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1987
  • Der Vorsprung Leben. Ausgewählte Gedichte 1959-1987. Frankfurt/M.: Luchterhand, 1989
  • Högerland. Ein Fussgängerbuch. Frankfurt/M.: Luchterhand, 1990
  • Da geht dasein. Gedichte. Hamburg: Luchterhand, 1993
  • Im Sternzeichen des Esels. Sätze, Sprünge, Spiralen. Zürich: Nagel & Kimche, 1995
  • Wen meinte der Mann? .Ditzingen: Ph.Reclam, 1998
  • Im Innern des Landes. Erzählgedichte. Zürich: Nagel & Kimche, 1999
  • Der Traum geboren zu sein. Ausgewählte Gedichte. Zürich: Nagel & Kimche, 2003
  • zoé zebra. neue gedichte. Zürich: Nagel&Kimche, 2004
  • Ein Topf voll Zeit. 1928-1948. Zürich: Nagel & Kimche, 2008
  • Notizen und Details. Kolumnen 1964-2007. Zürich: Theologischer Verlag, 2010
  • Der cherubinische Velofahrer und andere Belustigungen. Zürich: Jordan-Verlag, 2010
  • Prediger Salomo. Weisheiten inmitten der Globalisierung. Stuttgart: Radius, 2016

Premi:
  • Lyrik-Preis Radio Basel (1957)
  • Ehrengabe des Kantons Bern (1959 / 1962 / 1970 / 1975)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1967 / 1986)
  • Literaturpreis der Stadt Bern (1967)
  • Grosser Literaturpreis des Kantons Bern (1972)
  • Johann Peter Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg (1972)
  • Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universität Bern (1977)
  • Grosser Literaturpreis der Stadt Bern (1981)
  • Buchpreis des deutschen Verbandes evangelischer Büchereien (1982)
  • Buchpreis der Stadt Bern (1990)
  • Buch des Jahres "Im Sternzeichen des Esels" (1995)
  • Tucholsky Preis für literarische Publizistik (1997)
  • Berner Buchpreis (2005)
  • Literaturpreis des Kantons Bern (2010)
  • Preis der Schweizer Schillerstiftung (2011)

Parte di testo da "Im Sternzeichen des Esels" [S. 117 (Gärten)]

Der Herr des Gartens kam, begleitet von einem Gärtner. Die Gewächse verstummten. Kriechlinge stellten sich tot. Eine Amsel flatterte auf. Ameisen verzogen sich unter die Erde. Wie jeder Herr eines jeden Gartens wünschte auch dieser sich den seinen sauber geordnet und gepflegt, ohne ungeplant wucherndes Unkraut. Also wies er den Gärtner an, den Garten herzurichten und herauszuputzen. Nach den Wünschen des Gartens fragte er nicht. Ohnehin weiss man ja, dass Gärten stets nur den einzigen Wunsch haben, wieder Wildnis zu werden.

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