Karpf Urs

Urs Karpf wurde am 9. 11.1938 in Zürich geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Chemielaboranten. 1960-1971 war Karpf Landarbeiter und Arbeiter in der Stahlindustrie in Schweden. In den Siebziger Jahren arbeitete er als Projektleiter in der schweizerischen Aluminium- und Uhrenindustrie. Seit 1980 ist Karpf freier Schriftsteller. Er lebt in Biel.

Links
www.bielertagblatt.ch/nachrichten/vermischtes/180-minuten-mit-dem-herrn-der-stunden

Opere:
  • Der Technokrat. Gümligen: Zytglogge, 1977
  • Die Nacht des grossen Kometen. Gümligen: Zytglogge, 1978
  • Die Versteinerung. Zürich: Limmat, 1981
  • Ate. Zürich: Limmat, 1985
  • Alles hat seine Stunde. Gümligen: Zytglogge, 1993
  • Die Reise nach Nürtingen und andere phantastische Erzählungen. Gümligen: Zytglogge, 1996

Premi:
  • Int. Mölle-Literaturpreis Schweden (1977)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1977)
  • Förderungspreis des Kantons Bern (1977)
  • Buchpreis des Kantons Bern (1982)
  • Studienpreis der Stadt Minden/BRD (1983)
  • Literaturpreis der Stadt Boppard (1991)
  • Buchpreis des Kantons Bern (1993)

Parte di testo da "Alles hat seine Stunde" [S. 12-13]

Zwei Tage später starben die beiden Kinder, eines am Morgen, das andere am Nachmittag. Therese hatte ihre Tränen längst ausgeweint. Roth ging in die Kammer, wo die Kinder lagen, und schaute in ihre abgezehrten Gesichter. Dann ging er schweigend in den Stall. Fleck, die Kuh, blickte ihn aus ihren grossen Augen ruhig an.
Du hast schuld, du elendes Mistvieh, sagte Roth schwerfällig. Du hast die Kinder umgebracht, hat der Doktor gesagt. Du, mit deiner schlechten Milch.
Er nahm einen daumendicken Stecken aus einer Ecke und wog ihn zuerst leicht und fast spielerisch in der Hand. Dann liess er ihn auf die Kuh niedersausen. Fleck schlug verstört aus, was Roth vollends in Rage brachte. Er drosch besinnungslos auf das Tier ein: auf den Bauch, die Beine, den Kopf. Die Kuh brüllte vor Schmerzen wild auf. Als ihr nach dem dritten oder vierten Schlag auf den Kopf das rechte Auge aus der blutigen Höhle hing, hörte Abraham erschöpft auf. Der Zorn wich endlich von ihm. Er starrte entsetzt auf Fleck. Schluchzen brach aus ihm heraus. Er warf den blutbeschmierten Knüppel ins Stroh und schlurfte aus dem Stall. Langsam ging er in die Küche und liess sich auf die Bank fallen.
Der Hunger und das Elend machen den Menschen zum Vieh, sagte er leise.

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