Kaiser Ingeborg

Ingeborg Kaiser wurde am 7. August 1935 in Neuburg an der Donau (Süddeutschland) geboren, wo sie auch aufgewachsen ist. Nach der Matura absolvierte sie ein Volontariat in einer Buchhandlung und war anschliessend als Programmiererin tätig. Nach ihrer Heirat siedelte Kaiser nach Basel über, wo die Publizistin noch heute lebt und arbeitet. Seit 1969 veröffentlicht Ingeborg Kaiser ihre literarischen Werke aus den Bereichen Lyrik, Roman, Drama und Erzählung. Besondere Beachtung erhielt die Autorin für das Engagement als Hausautorin am Stadttheater Chur in der Theatersaison 1984/85. Ingeborg Kaisers Schaffen ist geprägt von einem zeitkritischen, feministischen Ansatz mit dem sie Rollenklischees und aufgezwungene Verhaltensformen der Frau analysiert und offen legt.

Links
www.ingeborgkaiser.com
ead.nb.admin.ch/html/kaiser_ingeborg.html

Opere:
  • Endstation. Einakter. Drehpunkt Nr.57. Basel, 1973
  • Staubsaugergeschichten. Erzählungen. Zürich: GS, 1975
  • Die Ermittlung über Bork. Roman. Aarau: Sauerländer, 1978
  • Basler Texte. Nr.8. Erzählungen. Basel: Pharos, 1978
  • Verlustanzeigen. Erzählungen. Aarau: Sauerländer, 1982
  • Die Puppenfrau. Roman. Zürich: orte, 1982
  • Freitagabend I. Drama. Stadttheater. Chur, 1983
  • Manchmal fahren Züge. Gedichte. Zürich: orte, 1983
  • Ein Denkmal wird zertrümmert. Erzählungen. Basel: GS, 1984
  • Freitagabend II. Drama. Stadttheater. Chur, 1985
  • Eulenweg. Notizen einer Hausautorin am südlichsten Theater der Deutschschweiz. Chur: Gasser, 1986
  • In Steinschuhen tanzen. Drama. Zytglogge-Theater. Bern, 1988
  • Möblierte Zeit. Tagebuch und Erzählungen. Basel: Janus, 1992
  • Heimliches Laster. Lyrik. Bern: eFeF, 1992
  • Regenbogenwahn. Novelle. Bern: eFeF, 1995
  • Mord der Angst. Roman. Bern: eFeF, 1996
  • Den Fluss überfliegen. Erzählung. Bern: eFeF, 1998
  • Zeittasten. Gedichte. Zelg-Wolfhalden: orte, 2002
  • Róza und die Wölfe. Biografische Recherchen zu Rosa Luxemburg. Roman. Basel: Janus, 2002
  • Matou. Gedichte. Riehen: OSL, 2008
  • gegen abend oder später. Lyrik und Prosa. Basel: OSL, 2010
  • Alvas Gesichter. Roman. Basel: OSL, 2012
  • Ich war, ich bin, ich werde sein. Books on Demand, 2015
  • vom schweigen sprechen. Books on Demand, 2015
  • Ich fürchte mich jetzt vor gar nichts mehr. Books on demand, 2015
  • Wegtanzen. Books on Demand, 2016

Premi:
  • Deutscher Kurzgeschichtenpreis der Stadt Arnsberg (1983)
  • 1. Preis der Gesellschaft Schweiz. Dramatiker (1983)
  • Förderpreis des Bundesamtes für Kulturpflege Bern (1984)
  • Werkbeiträge Baselland (1992 / 1996 / 1998 / 2000)
  • Werkbeiträge Basel-Stadt (1992 / 1996 / 2000)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1998)
  • 2. Preis der Arena, Riehen (1998)
  • Pro Litteris-Förderpreis (2012)

Parte di testo da "Róza und die Wölfe"

Warschau
Die Stadt, in der die siebenköpfige Familie Luksenburg eine Wohnung nahm und die kleine Róza ihre Kinder- und Schuljahre verbringen würde, gibt es nicht mehr. Die unzähligen Schritte durch das Rundbogentor lange verhallt, das Lärmen, Klopfen, Hämmern der Hinterhausbewohner, ärmlicher Gewerbetreibender, die unter der Zarenherrschaft Alexander III. ein karges Leben führten. Auch der lange Antoni, der frühmorgens, Sommer wie Winter im kurzen Schafspelz, an der Pumpe des grossen Hofes stand, Gesicht und Hände auf den Besenstil stützte, ungewaschen und grübelnd, ist ein Bild von gestern. Und das kleine Mädchen, das in der Morgenstille ans Fenster schlich, nach dem Leben Ausschau hielt, obwohl es streng verboten gewesen sei, vor dem Vater aufzustehen. Und unvermittelt das laute befreiende Gähnen Antonis, der sich mit dem nassen Besen an die Arbeit machte, beinah spielerisch die Pflastersteine säuberte.

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