Kübler Arnold

Arnold Kübler wurde am 2. August 1890 als jüngster Sohn eines Bauern und Gastwirts in Wiesendangen (Kt.ZH) geboren. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium in Winterthur und studierte anschliessend Geologie in Zürich. Kübler ging bald auf Reisen und entschloss sich das Studium aufzugeben umeine Bildhauerausbildung zu machen. Er brach die Lehre ab und arbeitete nach dem Ersten Weltkrieg als Schauspieler in Dresden und Berlin, wo er von 1921-1926 lebte. Auch diese Laufbahn war jäh zu Ende als eine Operation entstellende Narben im Gesicht hinterliess. Auf die bitteren Lehr- und Wanderjahre folgte jedoch deutliche Kontinuität des Schaffens und Anerkennung der Arbeit. Bereits 1922 hatte Kübler mit dem in Potsdam uraufgeführten Stück „Schuster Aiolos“ einen ersten literarischen Erfolg feiern können. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er zum Chefredaktor der „Zürcher Illustrierten“ berufen, die er zu einer angesehenen literarisch-künstlerischen Zeitschrift ausbaute. 1941 übernahm Arnold Kübler die Leitung der neugegründeten Kulturzeitschrift „du“, die er während 16 Jahren führte. Er betätigte sich in seinen Positionen als Kulturvermittler und Impulsgeber, vernachlässigte aber seine eigenen künstlerischen Ausdrucksformen nicht: In den Sechziger Jahren trat er mit grossem Erfolg als Einmannkabarett wieder auf die Schauspielbühne. Daneben war Kübler zeichnerisch und auch literarisch tätig. Diese beiden Formen kombinierte er vor allem in seinen Alterswerken, wie zum Beispiel im Werkstattbuch „Zeichne, Antonio!“ (1966) oder in „Paris- Bâle à pied« (1967). Im Zentrum seines Werks steht jedoch die Darstellung seines eigenen Lebenswegs, an der er bis zu seinem Tod arbeitete und die unvollendet blieb. Auf über 2100 Seiten schilderte Kübler in seinen Öppi-Romanen autobiographische Begebenheiten. Arnold Kübler starb am 27.12.1983 in Zürich.

Links
www.srf.ch/kultur/literatur/arnold-kuebler-und-sein-schweizer-don-quichote
www.nzz.ch/article903VQ-1.305005
www.woz.ch/artikel/rss/16057.html

Opere:
  • Schuster Aiolos. Komödie in drei Akten. Zürich: Morgarten, 1948
  • Der verhinderte Schauspieler. Autobiographischer Roman. Leipzig: 1934
  • Das Herz, die Ecke, der Esel und andere Geschichten. Zürich: Morgarten, 1939
  • Öppi von Wasenwachs. Der Bub ohne Mutter. Zürich: 1943, 2. veränd. Aufl. 1965
  • Öppi, der Student. Zürich: 1947
  • Mitenand, gägenenand, durenand. Ein Bildbuch vom Umgang mit dem Nächsten in der Schweiz. Zürich: Ex Libris, 1950
  • Öppi und Eva. Zürich: 1951, 1969
  • Velodyssee. Zürich: 1955
  • In Alfred Huggenbergers Land. Eine Winterreise mit Zeichnungen des Verfassers. Zürich: 1958
  • Zürich. Erlebt, gezeichnet, erläutert. Zürich: Artemis, 1960
  • 48 heitere Geschichten. Zürich: Ex Libris, 1961
  • Stätten und Städte. Erlebt, gezeichnet, erläutert. Zürich: 1963
  • Öppi der Narr. Zürich: Ex Libris, 1964 (umgearbeitete Version von „Der verhinderte Schauspieler“)
  • Zeichne, Antonio! Werkstattbuch. Zürich: 1966
  • Babette, herzlichen Gruss. Vorwiegend wahre Berichte und Zeichnungen. Zürich: Ex Libris, 1967
  • Paris - Bâle à pied. Zürich: 1967. 1970
  • Sage & schreibe! Humoristisch-kabarettistisch-autobiographischer Beitrag zur Kulturgeschichte der Stadt Zürich. Zürich: Artemis 1969
  • Israel, ein Augenschein. Bericht und Zeichnungen. Zürich: 1970
  • Verweile doch. Meist heitere Berichte mit Zeichnungen. Zürich: Artemis, 1974

Premi:
  • Ehrenbürger von Wiesendangen
  • Literaturpreis der Stadt Zürich (1963)

Parte di testo da "Öppi von Wasenwachs" [S. 23-24]

Täglich ging er nun frühmorgens vorbei am Schulhaus in Wasenwachs zur Bahn und fuhr nach Wittudaderdur. Heraus aus der Luft, die ihm vertraut gewesen ! Fort aus dem Dunstkreis des Hofes in eine fremde Welt! In eine nahe, fremde Welt! Vier Steingestalten standen auf dem Säulenvorbau des Gymnasiums Sie hielten Schriftrollen in der Hand, Tag und Nacht, und legten sie nie weg. Mächtig erhob sich hinter ihnen das Gebäude mit den vielen Fenstern. In den Gängen roch es zuerst nach Bodenwichse, später nach Staub. Viele Buben trugen weisse Krägelchen und kurze Pluderhosen, welche Öppi bis anhin verachtet hatte. Er aber verfügte über ein Paar gut genagelte Schuhe und legte in den Gängen ein lautes Auftreten an den Tag. Seine dicke Joppe mit den Quertaschen vorn auf der Brust hätte jedes Holzfällers Neid erregen können. Als Nachzügler war er also Schüler der zweiten Klase geworden. Die Zweitklässler lebten im Zimmer Eins, zu ebener Erde und zur Linken des grossen dreitorigen Eingangs, durch den man das Haus betrat.

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