Ingold Felix Philipp

Felix Philipp Ingold wurde am 25.7.1942 in Basel geboren. Nach der Matura, studierte er Vergleichende Literaturwissenschaft, Slawistik und Kunstgeschichte in Basel und Paris. In den Jahren 1965 und 1969 folgten Forschungsaufenthalte in Moskau, Prag und Warschau. Seit 1971 ist Ingold Ordinarius für Kultur- und Sozialgeschichte Russlands an der Hochschule in St.Gallen (HSG). Zudem arbeitet er als Dozent an der ETH in Zürich, wo er auch lebt. Neben seiner eigenen schriftstellerischen Tätigkeit machte sich Ingold auch einen Namen als Übersetzer aus dem Russischen, Französischen und dem Tschechischen. Felix Philipp Ingolds Werk umfasst experimentelle Prosa und Lyrik, sowie essayistische und theoretische Texte. In seinem Schreiben geht es Ingold darum, die Sprache - die Wörter - von ihrem herkömmlichen Form- und Bedeutungszwang zu befreien. Wirklichkeit ist für ihn erst in der Versprachlichung fassbar. Dies zeigt sich in „Leben Lamberts“ (1980): Es herrscht hier ein paradoxer Umgang mit Sprache und Denken. In dem Ingold unbekümmert Grenzen überschreitet, verweigert sich der Text dem herkömmlichen Literaturverständnis. Der Autor lässt der Sprache freien Lauf.

Links
www.lyriktext.de/
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/schreiben-als-lebenselixier-1.18407573

Opere:
  • Schwarz auf Schnee. 58 Gedichte. Zürich: Arche, 1967
  • Spleen und überhaupt. 50 Gedichte. Bern: Kandelaber, 1969Literatur und Aviatik. Europäische Flugdichtung 1909-1927. Mit einem Exkurs über die Flugidee in der modernen Malerei und Architektur. Basel: Birkhäuser, 1978
  • Leben Lamberts. Prosa. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1980
  • Dostojewskij und das Judentum. Frankfurt/M.: Insel, 1981
  • Unzeit. Gedichte. Stuttgart: Klett-Cotta, 1981
  • Fremdsprache. Gedichte aus dem Deutschen. Berlin: Rainer, 1984
  • Haupts Werk. Das Leben. München: C.Hanser, 1984
  • Schriebsal. Fotobilder von Alex Silber. Zürich: Howeg, 1985
  • Mit anderen Worten. München: C.Hanser, 1986
  • Das Buch der Sprüche. Ein Idiotikon. Berlin: Rainer, 1987
  • Letzte Liebe. Der Himmel leer, man könnte meinen er sei blau. München: C.Hanser, 1987
  • Und das soll ein Gedicht sein. Zürich: Howeg, 1987
  • Das Buch im Buch. Berlin: Merve, 1988
  • Echtzeit. Gedichte. München: C.Hanser, 1989
  • Der Autor im Text. Wabern bei Bern: Benteli, 1990
  • Ewiges Leben. Erzählung. München: C.Hanser, 1991
  • Der Autor am Werk. Versuche über literarische Kreativität. München: C.Hanser, 1992
  • Autorschaft und Management. Eine poetologische Skizze. Graz: Droschl, 1993 (Erstdruck unter dem Titel „Schöpfertum und Führungskraft“ in: „Der literarische homo oeconomicus. Hrsg. von Werner Wunderlich. Bern: P.Haupt, 1989)
  • Restnatur. Späte Gedichte. Münster: Kleinheinrich, 1994
  • Freie Hand. Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder. München: C.Hanser, 1996
  • Unter sich. Korrespondenzen, Differenzen. Mit Bruno Steiger. Graz: Droschl, 1996
  • Zeichensatz. Gedichte zu Schildern. Münster: Kleinheinrich, 1997
  • Nach der Stimme. Ein Gedicht in dreizehn Sätzen. Stuttgart: J.Legueil, 1998
  • Auf den Tag genaue Gedichte. Graz: Droschl, 2000
  • Alias oder Das wahre Leben. Berlin: Matthes & Seitz, 2011
  • Leben & Werk. Berlin: Matthes & Seitz, 2014
  • Nee die Ideen. Pataphysische Fermaten. Berlin: Matthes & Seitz, 2014
  • Direkte Rede. Wien: Passagen, 2016
  • Das russische Duell. Konstanz University Press, 2016
  • Fortschrift. Ein Gedicht in 15 Würfen. Klagenfurt: Ritter, 2016

Premi:
  • Petrarca-Preis für Übersetzung von Edmond Jabès „Von Buch zu Buch“ (1989)
  • Riehemer Kulturpreis, Basel (1992)
  • Grosser Literaturpreis des Kantons Bern (1998)
  • "manuskripte"-Preis (2001)
  • Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung (2005)
  • Basler Lyrikpreis (2009)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (2012)
  • diverse Ehrengaben Stadt und Kanton Zürich.

Parte di testo da "Echtzeit" [S. 101]

Nachts

Das Nichts ist ungeheuer
weiss und
winzig eine schwarze
warze mitten
in der Null. Lunar
die letzte Zahl mit Katastrophengelb
rasch übermalt. Mal
trüber mal die Schar die vor dem Himmel
hängt. O Gott
kennt jeder der die Zeit
gefreit hat Ewigkeit. Vor lauter
Vögeln feiern wir das
lebende
Fossil. Und unsre Wenigkeit wie
nichts verenden.

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