Inglin Meinrad

Meinrad Inglin wurde am 28. Juli 1893 in Schwyz geboren. Seine Kindheit und Jugend war geprägt durch schwere Schicksalsschläge: 1906 starb der Vater bei einem Bergunfall, 1910 erlag die Mutter einer schweren Krankheit. Inglin besuchte die Mittelschule in Schwyz, die er aber immer wieder unterbrach. In diesen Unterbrüchen begann er eine Uhrmacherlehre und arbeitete als Kellner. Er verliess die Schule ohne Matura, immatrikulierte sich aber dennoch 1913 an der Universität Neuenburg und studierte dort, sowie in Genf und Bern moderne Sprachen, deutsche Literatur, Journalistik und Psychologie. Unterbrochen wurde sein Studium durch den Ersten Weltkrieges, den er als Offizier miterlebte. Später musste Inglin seine universitäre Ausbildung ganz aufgeben, um seinen Lebensunterhalt sicher zu stellen. Er arbeitete als Volontär auf einer Redaktion in Bern und wurde anschliessend Zeitungsredaktor in Zürich. Nach einem Aufenthalt in Berlin war Meinrad Inglin ab 1923 in Schwyz sesshaft, wo er bis zu seinem Tod am 4.12.1971 als freier Schriftsteller lebte. Inglins wichtigstes und berühmtestes Buch ist die Aufarbeitung der Schweizer Geschichte der Jahre 1914 bis 1918 in Romanform. Der „Schweizerspiegel“ festigte in den Dreissiger Jahren den Rang Inglins als bedeutenden Epiker, den er sich mit dem kritischen Heimatroman „Die Welt in Ingoldau“ geschaffen hatte. Nach 1945 nahmen in Meinrad Inglins Werk konservative und traditionalistische Tendenzen überhand und er arbeitete auf Anraten des ihm befreundeten Germanisten E. Staiger mehrere seiner früheren Werke in einem klassizistischen Sinne um.

Links
www.meinradinglin.ch
www.srf.ch/kultur/im-fokus/der-archivar/meinrad-inglin-der-grosse-vergessene-an-den-jeder-denkt
www.nzz.ch/schwierige-liebe-1.4665744

Opere:
  • Die Welt in Ingoldau. Roman. Stuttgart: 1922
  • Wendel von Euw. Roman. Stuttgart: 1925
  • Über den Wassern. Erzählung. Zürich: 1925
  • Grand Hotel Excelsior. Roman. Zürich: 1928
  • Lob der Heimat. Essay. Horgen: 1928
  • Jugend eines Volkes. Erzählzyklus. Horw: 1933
  • Die graue March. Roman. Leipzig: 1935
  • Schweizerspiegel. Roman. Leipzig: 1938
  • Die Furggel. Novelle. 1943
  • Die Lawine und andere Erzählungen. Zürich: 1947 (darin: Der schwarze Tanner)
  • Werner Amberg. Roman. Zürich: 1949
  • Ehrenhafter Untergang. Zürich: 1952
  • Urwang. Roman. Zürich: 1954
  • Verhexte Welt. Geschichten und Märchen. Zürich: 1958 (darin: Begräbnis eines Schirmflickers)
  • Erlenbüel. Roman. 1965

Premi:
  • Grosser Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1948)
  • Ehrendoktorwürde der Universität Zürich (1948)

Parte di testo da "Die graue March" [S. 186]

Er liess sich müde nieder und hockte nun auch lange stumm und regungslos da, doch als das erschöpfte Rind sich legte, stand er wieder auf, um diese veränderte Lage zu einem neuen Versuch auszunützen. Abermals fettete er sich den rechten Unterarm ein, schob die Hinterbeine des Kälbchens zurück und begann im Mutterleib zu wühlen, während Anna sich über den Hals des gepeinigten Rindes legte, um es am Aufstehen zu hindern. Es war umsonst, das Kälbchen liess sich nicht drehen. Wiederum wandte das Rind den Kopf und schielte mit dem erwachten, schmerzlich fragenden Blick nach den Menschen zurück.

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