Hesse Hermann

Hermann Hesse (Pseudonym: Emil Sinclair) wurde am 2. Juli 1877 im deutschen Calw (Schwarzwald) als Sohn eines baltischen Missionspredigers geboren. Er wurde pietistisch erzogen und besuchte das evangelisch-theologische Seminar Maulbronn, welchem er aber schon nach kurzer Zeit entfloh. Hesse versuchte sich erst als Mechaniker, dann als kaufmännischer Angestellter, ehe er ab 1895 eine Buchhändlerlehre in Tübingen absolvierte. Nach seiner Ausbildung arbeitete er mehrere Jahre als Buchhändler und Antiquar in Basel. 1904 entschloss er sich zur Existenz als freier Schriftsteller und lebte fortan mit seiner Familie am Bodensee. Hesse war Mitherausgeber der liberalen Zeitschrift „März“ (1907-1912). 1911 unternahm er Reisen durch Indien und Europa. Im Ersten Weltkrieg arbeitete Hesse, er hatte sich schon zu Kriegsbeginn von der Begeisterung der Intellektuellen und Schriftsteller für den Grosskonflikt distanziert, für die deutsche Kriegsgefangenenfürsorge und redigierte die „Deutsche Internierten Zeitung“. Nach der Auflösung der Familie und einer seelischen Krise zog Hermann Hesse 1919 in den Kanton Tessin, wo seine bedeutendsten Werke entstanden. Seit 1924 war er schweizerischer Staatsbürger. Hermann Hesse starb am 9. August 1962 in Montagnola. Neben seinem dichterischen Schaffen, für welches er 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, war Hesse auch als Maler tätig. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt und fanden besonders in den USA eine breite Resonanz. In den sechziger Jahren wurde Hesse wiederentdeckt: „Der Steppenwolf“ und „Siddhartha“ galten als Kultbücher für die Jugendbewegung jener Zeit. Bis heute ist seine Bedeutung für die deutsche Literatur umstritten, gelten doch seine Bücher vielen Kritikern als sentimental und unzureichend reflektiert.

Links
www.hessemontagnola.ch/index.php?node=2&lng=2&rif=1d1299fee6
www.hermann-hesse.de/
www.srf.ch/kultur/literatur/hermann-hesse-und-die-hippies

Opere:
  • Romantische Lieder. Lyrik. Dresden/Leipzig: 1899
  • Peter Camenzind. Roman. Berlin: 1904
  • Unterm Rad. Roman. Berlin: 1906
  • Gertrud. Roman. München: 1910
  • Unterwegs. Lyrik. München: 1911
  • Rosshalde. Roman. Berlin: 1914
  • Knulp. Drei Geschichten aus dem Leben Knulps. Berlin: 1915
  • Demian. Die Geschichte einer Jugend. Unter dem Namen Emil Sinclair. Berlin: 1919
  • Gedichte des Malers. Bern: 1920
  • Klingsors letzter Sommer. Novellen. Berlin: 1920
  • Siddhartha. Eine indische Dichtung. Erzählung. Berlin: 1922
  • Sinclairs Notizbuch. Zürich: 1923
  • Der Steppenwolf. Roman. Berlin: 1927
  • Krisis. Ein Stück Tagebuch. Lyrik. Berlin: 1928
  • Trost der Nacht. Lyrik. Berlin: 1929
  • Eine Bibliothek der Weltliteratur. Essay. Leipzig: 1929
  • Narziss und Goldmund. Geschichte einer Freundschaft. Roman. Berlin: 1930
  • Die Morgenlandfahrt. Erzählung. Berlin: 1932
  • Das Glasperlenspiel. Roman. 2 Bde. Zürich: 1943
  • Bericht an die Freunde. Letzte Gedichte. Olten: 1960

Premi:
  • Mitglied der Preussischen Akademie der Künste (1926-1931)
  • Nobelpreis für Literatur (1946)
  • Goethe-Preis der Stadt Frankfurt (1946)
  • Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1955)
  • Mitglied der Friedensklasse des Ordens pour le mérite (1955)

Parte di testo da "Das Glasperlenspiel" [S. 12-13]

Man erwarte also von uns nicht eine vollständige Geschichte und Theorie des Glasperlenspieles, auch würdigere und geschicktere Autoren als wir wären dazu heute nicht imstande. Diese Aufgabe bleibt späteren Zeiten vorbehalten, falls die Quellen sowie die geistigen Voraussetzungen dazu nicht vorher verloren gehen. Und ein Lehrbuch des Glasperlenspiels soll dieser unser Aufsatz ja noch weniger sein, ein solches wird auch niemals geschrieben werden. Man erlernt die Spielregeln dieses Spiels der Spiele nicht anders als auf dem üblichen, vorgeschriebenen Wege, welcher manche Jahre erfordert, und keiner der Eingeweihten könnte je ein Interesse daran haben, diese Spielregeln leichter erlernbar zu machen.
Diese Regeln, die Zeichensprache und Grammatik des Spieles, stellen eine Art von hochentwickelter Geheimsprache dar, an welcher mehrere Wissenschaften und Künste, namentlich aber die Mathematik und die Musik (beziehungsweise Musikwissenschaft) teilhaben und welche die Inhalte und Ergebnisse nahezu aller Wissenschaften auszudrücken und zueinander in Beziehung zu setzen imstande ist. Das Glasperlenspiel ist also ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unsrer Kultur, es spielt mit ihnen, wie etwa in den Blütezeiten der Künste ein Maler mit den Farben seiner Palette gespielt haben mag.

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