Heimann Alexander

Alexander Heimann wurde am 27.6.1937 in Ferenberg geboren. Er absolvierte die Berner Buchhändlerschule und übte seinen Beruf in London, Paris und Bern aus. Heimann lebte bis zu seinem Tod am 29.5.2003 als freier Schriftsteller in Bern. Bereits mit seinem ersten Roman „Lisi“ (1980) gelang Heimann der Durchbruch. Die Verfilmung des Buches spricht für den Erfolg des Krimiautors. Dass Alexander Heimann einer der wichtigsten Schriftsteller seines Genre war, davon legt auch die zweifache Verleihung des Deutschen Krimipreises Zeugnis ab. Doch fixierte er sich nicht auf ein Gebiet: So stammen auch Erzählungen, Hörspiele und Texte zu Sachbüchern aus seiner Feder.

Opere:
  • Lisi. Roman. Bern: Erpf, 1980
  • Die Glätterin. Roman. Bern: Edition Erpf, 1982
  • Bellevue. Roman. Bern: Erpf, 1984
  • Nachtquartier. Roman. Kreuzlingen: Edition Erpf bei Neptun, 1987
  • Honolulu. Roman. Muri bei Bern: Cosmos, 1990
  • Wolfszeit. Roman. Muri bei Bern: Cosmos, 1993
  • Dezemberföhn. Kriminalroman. Muri bei Bern: Cosmos, 1996
  • Muttertag. Kriminalroman. Muri bei Bern: Cosmos, 2001

Premi:
  • Deutscher Krimipreis (1997/2002)

Parte di testo da "Muttertag" [S. 11-12]

Doch am unteren Ende des Bades tat sich die Landschaft wieder auf, wurde gegenwärtig sozusagen. Obschon Kammermann jetzt hätte aufatmen können, plagte ihn weiterhin ein ungutes und bedrückendes Gefühl. Er hörte nun bereits das Rauschen des nahen Wehrs, das sich hinter vom Wasser aufsteigenden Dunstschwaden verbarg und eine Art Abschluss darzustellen schien, ein grau verhangenes Tor, hinter dam gar nichts oder auch eine schicksalsschwere Überraschung auf ihn warten mochte.
Fürs Erste bestand die Überraschung darin, dass die Sonne erneut zum Vorschein kam und die Nebelhexen langsam zum Rückzug zwang. Kammermann hob den Kopf, die blauen Löcher über ihm weiteten sich und auf seinem Rücken nahm er sogar einen Hauch von Wärme wahr; unvermittelt fühlte er sich besser. Er würde weitermarschieren, bis hinunter nach Worblaufen oder gar nach Bremgarten und von dort aus den Bus in die Stadt zurück nehmen. Auch einem Kaffee fertig in der Reichenbachbeiz würde nichts im Wege stehen.
Gerade als er das Wehr erreichte, erschien vor ihm eine grauhaarige Frau mit einem Kinderwagen. Das war an sich nichts Besonderes, doch der alte Kriminalist Kammermann witterte sogleich, dass da irgendetwas nicht stimmen konnte. Erstens war das Sportwägelchen leer und von einem Kind weit und breit nichts zu sehen. Zweitens machte die Frau einen verwirrten und aufgelösten Eindruck. Sie fing denn auch an zu schreien und herumzufuchteln, noch bevor sie richtig herangekommen war.

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