Franzetti Dante Andrea

Dante Andrea Franzetti (1959-2015) wuchs zweisprachig in Zürich auf und studierte Germanistik, italienische Literatur und Soziologie. Zuerst unterrichtete Franzetti Italienisch, wechselte aber dann zum Journalismus. Er war als Radiomitarbeiter in Zürich und Lugano tätig. Von 1994 bis 1998 arbeitete er als Italienkorrespondent für den "Tages-Anzeiger". Im Jahre 1985 erschien Franzettis erstes Werk: die Erzählung "Der Grossvater". Diese versucht auf drei Ebenen (Erinnerungen, Bruchstücke / Stationen, Episoden / Träume, Visionen) die Gestalt des italienischen Grossvaters des Erzählers und damit die Wurzeln seiner Herkunft heraufzubeschwören. Im Roman "Cosimo und Hamlet" (1987) rücken dann - auf die Geschichte einer Bruderbeziehung projiziert - die Erfahrungen des Autors in den Mittelpunkt: die Unsicherheit seiner nationalen Identität in den Augen der anderen ebenso wie das besondere Verhältnis zur deutschen Sprache, das deren gängige Begrifflichkeit in Frage stellen lässt. Der letzte Roman "Zurück nach Rom" (2012) porträtierte eine widersprüchliche Stadt und wurde mit dem Schillerpreis der Kantonalbank Zürich ausgezeichnet. Auf dem Blog "Interessen.org" kommentierte Dante Andrea Franzetti mit Freunden das Zeitgeschehen, Bücher sowie interkulturelle Fragen. Am 4. November 2015 starb er nach einer Herzoperation.

Links
www.srf.ch/kultur/literatur/der-schriftsteller-und-journalist-dante-andrea-franzetti-ist-tot
www.nzz.ch/feuilleton/lebensmosaik-1.18642304

Opere:
  • Der Grossvater. Erzählung. Zürich: Nagel & Kimche, 1985
  • Cosimo und Hamlet. Zürich: Nagel & Kimche, 1987
  • Die Versammlung der Engel im Hotel Excelsior. Zürich: Nagel & Kimche, 1990
  • Das Funkhaus. München / Zürich: Piper, 1993
  • Die Sardinennacht. Zwanzig harte Schnitte aus dem Zeitalter Berlusconi. Zürich / Baden-Baden: Elster, 1996
  • Liebeslügen. Zürich: Nagel & Kimche, 1996
  • Curriculum eines Grabräubers. Erzählungen. Zürich: Nagel & Kimche, 2000
  • Mit den Frauen. Innsbruck: Haymon, 2008
  • Der Mann ohne Bein. Geschichten im Dialog entwickelt mit Clown Pic. Basel: Lenos, 2011
  • Roger Rightwing köppelt das feingeistige Tischgespräch. Basel: Lenos, 2012
  • Zurück nach Rom. Basel: Lenos, 2012
  • Richtig im Kopf. Kriminalnovelle. Basel: Lenos, 2014

Premi:
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich (1983)
  • Stipendium Ingeborg-Bachmann-Preis (1985)
  • Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin Preis der Stadt Bad Homburg (1985)
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich (1986)
  • Förderpreis zum Marburger Literaturpreis (1986)
  • Ernst-Willner-Stipendium (1987)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1987)
  • Werkjahr der Stiftung Pro Helvetia (1990)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1990)
  • Conrad-Ferdinand- Meyer-Preis (1991)
  • Adalbert-von-Chamisso-Preis (1993)
  • Buchpreis des Kantons Zürich (1996)
  • Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank (2013)

Parte di testo da "Ariologium de muricio" in "Curriculum eines Grabräubers" [S. 143]

Ich schlage die Glocke. Ich gebe der Zeit ein Mass. Ich allein und wir alle zusammen, von Generation zu Generation - von den Zeiten der Pest bis zu denen der Plünderung; von den Zeiten des Krieges bis zu den belanglosen, dahinflatternden Jahren, von denen keine Spur bleibt. Ich stehe immer hier oben, auf meinem Turm, immer gegenwärtig, und blicke gleichgültig auf den Platz unter mir, auf den grossen Domplatz, der einst eine Baustelle war, eine Ansammlung von Gerüsten, Bretterbuden und Werkstätten.

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