Engel-Egli Regula

Regula Engel-Egli wurde am 5. März 1761 in Fluntern (heute zu Zürich) geboren. Ihr Vater, ein ehemaliger Offizier in der preussischen Armee trennte sich drei Jahre nach der Geburt der Tochter von seiner Frau. 1778 heiratete sie Florian Engel, einen Bündner Söldner-Offizier bei einem Schweizer Regiment in der napoleonischen Armee. Während mehr als zwanzig Jahren begleitete Regula Engel ihren Mann auf seinen Zügen durch ganz Europa. Sie wurde in dieser Zeit Mutter von 21 Kindern und kämpfte oft auch selbst in Uniform auf den Schlachtfeldern. In der Schlacht von Waterloo 1815 fielen ihr Mann und zwei Söhne. Regula Engel überlebte nur schwer verwundet. Nach der Rückkehr in die Schweiz war sie in finanzieller Bedrängnis und abhängig von Verwandten und Bekannten. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren veröffentlichte sie 1821 ihre Memoiren. Diese verkaufen sich gut und schon bald wird eine zweite Auflage gedruckt. 1827 verfasst die Autorin einen zweiten Teil der im Jahr darauf erscheint. Trotz der guten Verkaufszahlen fristete sie einen Lebensabend mit Geldsorgen. Engel-Egli starb am 25.6.1853 im hohen Alter von 92 Jahren völlig verarmt in einem Zürcher Spital. „Die Lebensbeschreibung“ ist eine der originellsten weiblichen Autobiografien des 19. Jahrhunderts. Engel-Egli liefert den Lebensbericht einer vitalen, tüchtigen und mutigen Frau, die sich nicht scheut Betrachtungen zur Napoleonischen Armee und zur Situation der Schweiz anzustellen.

Links
www.zeit.de/1977/43/die-frau-oberst

Opere:
  • Lebensbeschreibung der Wittwe des Obrist Florian Engel von Langwies, in Bündten, geborener Egli von Fluntern, bey Zürich, Enthaltend die Geschichte ihres Herkommens, Jugendschicksale, Verheurathung und weitläufige Reisen im Gefolge der französischen Armeen durch ganz Frankreich, die Niederlande, Italien, Spanien, Portugall, die Oesterreichischen und Preussischen Staaten, Deutschland und besonders auch der Expedition in Egypten und einer späteren Reise nach Amerika. Von ihr selbst beschrieben, und von einem älteren Verwandten revidiert und mit Anmerkungen begleitet. 1821
  • Auch unter dem Titel: Die schweizerische Amazone. St.Gallen 1825
  • Zweiter Teil. 1828

Parte di testo da "Lebensbeschreibung" [S. 110]

Da ich jetzt von meiner grossen Reise auf dem Continent Nord-Amerika`s zu erzählen beginne, muss ich meine Leser zum voraus erinnnern, dass ich weder als Naturforscher, noch als Staatsmann oder merkantilischer Spekulant reise, man auch von mir keine gelehrten Abhandlungen über dergleichen Materien erwarten soll, die über meine Beurtheilungskraft gehen und von denen ich, wenn ich davon reden wollte, vielleicht ganz unrichtige Ansichten geben könnte, woraus sich zwar viele Schriftsteller nichts machen sollen, die sich selbst gross dünken, wenn sie nur der Welt ihre hochweise Meinung haben auftischen können. Was ich indessen von den Sitten und der Lebensart der Einwohner dieser Länder beobachtet habe, das will ich in meiner Einfalt, wie ich`s gesehen, mittheilen und will also gleich bei den zwei Städten Neuyork und Philadelphia den Anfang machen, aus denen ich so eben kommen und von welchen ich fast sagen dürfte: c`est tout comme chez nous, es ist alles wie bei uns. Europäische Lebensart, aber durchaus mehr Luxus, in Folge grösseren Verdienstes, vornemlich bei der dienenden Klasse, die man in grosser Zahl hält und wenn es nicht gekaufte Neger sind, gut belohnet. Bei den Weissen ist es wie in Paris und an andern Orten: wenn die Frau heute einen neumodigen Hut aufsetzt, so trägt die Kammerjungfer morgen einen köstlichern; lässt jene ihre Roben mit zwei Reihen Spitzen besetzen, so müssen bey dieser vier Reihen seyn u.s.w.

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