Ehrmann Marianne

Marianne Ehrmann, geborene Brentano, erblickte am 25.11.1755 im sanktgallischen Rapperswil das Licht der Welt. Sie wuchs in einer Kaufmannsfamilie auf, die zunächst finanziell gut gestellt war. Nach dem Tod der Mutter 1770 zog die Familie nach Wurzach in Südschwaben. Fünf Jahre darauf starb auch der Vater und Ehrmann zog zu ihrem Onkel Dominikus von Brentano nach Kempten, der sie unterstützte. Dort arbeitete sie bei verschiedenen Familien als Gouvernante, ehe sie 1777 einen Offizier heiratete. Die Ehe wurde jedoch bereits zwei Jahre später geschieden und die Autorin begab sich nach Wien um eine neue Stelle anzutreten. Dort angekommen schloss sie sich einer Schauspieltruppe an und war unter dem Namen Sternheim für die folgenden fünf Jahren auf verschiedenen Bühnen zu sehen. 1784 wurde Ehrmann erstmals auch literarisch tätig und erreichte mit ihren ersten zwei Werken ein grosses Publikum. Zwei Jahre später heiratete sie heimlich Theophil Ehrmann, den sie in bei einem Aufenthalt mit der Schauspieltruppe in Strassburg kennen gelernt hatte. Ehrmann arbeitete an der Zeitschrift ihres Mannes mit, ehe sie ab 1790 eine eigene Monatsschrift, „Amaliens Erholungsstunden“, herausgab. Diese richtete sich als erst ihrer Art explizit an ein weibliches Publikum, welches gebildet unterhalten und belehrt werden sollte. Inhaltlicher Schwerpunkt war die Auseinandersetzung von Frauen mit Staat und Gesetz, womit sich Marianne Ehrmann mit satirischem Witz aktiv an der zeitgenössischen Debatte um die bürgerlichen Rechte der Frau beteiligte. Trotz grossem Erfolg kam es zu Differenzen mit dem Verleger, worauf die Publizistin bei Orell, Gessner und Füssli in Zürich mit „Die Einsiedlerinn aus den Alpen“ ab 1793 einen zweiten Versuch startete, den sie aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Die „Einsiedlerinn“ war zugleich die erste Frauenzeitschrift der Schweiz, die von einer Frau in Eigenverantwortung herausgegeben wurde. Am 14. August 1795 starb Marianne Ehrmann an einer Lungenentzündung in Stuttgart.

Opere:
  • Müssige Stunden eines Frauenzimmers. Verfasst von Nan. St**. Frankfurt und Leipzig: 1784
  • Philosophie eines Weibs. Von einer Beobachterin. Kempten: 1784
  • Leichtsinn und gutes Herz oder Die Folgen der Erziehung, ein Original-Schauspiel in fünf Aufzügen von Maria Anna Antonia Sternheim der Verfasserin der Philosophie eines Weibs. Strassburg: Heitz, 1786
  • Graf Bilding. Eine Geschichte aus dem mittleren Zeitalter. Dialogisirt von der Frau Verfasserin der Philosophie eines Weibs. Isny: Typographische Gesellschaft, 1788
  • Amalie, eine wahre Geschichte in Briefen. Von der Verfasserin der Philosophie eines Weibes. 2Bde. Bern: Hortin, 1788
  • Nina`s Briefe an ihren Geliebten. Von der Verfasserinn der Geschichte Amaliens. o.O. 1788
  • Kleine Fragmente für Denkerinnen. Von der Frau Verfasserinn der Philosophie eines Weibs. Isny: 1789
  • Amaliens Erholungsstunden. Teutschlands Töchtern geweiht. 4 Bde. Stuttgart: Cotta, 1790-92
  • Die Einsiedlerinn aus den Alpen. 4 Bde. Zürich: Orell, Gessner, Füssli & Co., 1793-94
  • Erzählungen. Heidelberg: Pfähler, 1795
  • Amaliens Feierstunden. Auswahl der hinterlassenen moralischen Schriften von Marianne Ehrmann. Erstes Bändchen: Amaliens Schreibtafel. Hamburg: Mutzenbechersche Buchhandlung, 1796
  • Antonie von Warnstein. Eine Geschichte aus unserem Zeitalter. 2 Theile. Hamburg: Mutzenbechersche Buchhandlung, 1798

Parte di testo da "Amalie, eine wahre Geschichte in Briefen" [Zweiter Band, S. 15]

Sie ist vollbracht, die Trennung, meine Fanny, die meinem Herzen doch noch so viel Mühe kostete! – Mich dünkt, es ist für eine gute Seele leichter, sich martern zu lassen, als jemand zu kränken. Mein Herz bleibt mir ein ewiges Räthsel! – Wenn alle Weiberherzen so viel Schwachheit besizzen, dann wundere ich mich nicht mehr über die vielen gutherzigen Fehler, die unserm Geschlechte so häufig ankleben. Kannst du es begreifen, meine Freundin? Ich habe bei seinem Abschiede noch Thränen der äussersten Wehmuth vergossen. Er schien mir jetzt ein hingeworfenes Opfer, das auf dem schlüpferigen Pfade des Lasters ohne Freunde dem Abgrunde zustrauchelt! – Der Friede wurde geschlossen, die Werbungen eingeschränkt, und er musste zu seinem Regimente zurük. – Mein Oheim verliess den Armseligen mit einer empfindsamen Bitterkeit, die seinem so sehr beleidigten männlichen Karakter leicht zu vergeben ist.

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