Capus Alex

Alex Capus wurde am 23. Juli 1961 in Montagne-au-Perche (Frankreich) als Sohn einer Schweizerin und eines Franzosen geboren. Die ersten fünf Lebensjahre verbrachte er in Paris. Danach kam er mit seiner Mutter nach Olten. Er studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und begann für Regionalzeitungen zu schreiben. Später arbeitete er als Korrespondent der Schweizer Depeschenagentur. Heute lebt Alex Capus als freier Schriftsteller abwechselnd in der Schweiz und in Italien. Nach der Entdeckung des Autors durch den Diogenes-Verlag; Capus hatte seinen ersten Geschichtenband noch im Eigenverlag herausgegeben; fand dieser mit dem Debütroman "Munzinger Pascha" (1997) schnell eine grosse Öffentlichkeit. Der schnörkellose, klare Schreibstil und die ironische Gesellschaftskritik, bisweilen auch trockener, böser Witz (Hansjörg Schertenleib), liess das Literaturpublikum aufhorchen. Capus über das Schreiben: "Ich hasse das Verkitschen, die Firlefanz-Schriftstellerei." Der Roman wurde ein Bestseller und von der Kritik mit freundlichen Worten bedacht. Auch in "Eigermönchundjungfrau" (1998) bleibt Capus seinem Stil treu. Es ist die Prise Selbstironie und die einfache Form, welche die Geschichten lobens- und durchaus auch liebenswert macht.

Links
www.alexcapus.de
www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/alex-capus-das-leben-ist-gut

Opere:
  • Diese verfluchte Schwerkraft. Geschichten. Olten: Editions des copains, 1994
  • Munzinger Pascha. Roman. Zürich: Diogenes, 1997
  • Eigermönchundjungfrau. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe von "Diese verfluchte Schwerkraft". Zürich: Diogenes, 1998
  • Mein Studium ferner Welten. Roman in 14 Geschichten. Salzburg: Residenz, 2001
  • Fast ein bisschen Frühling. Salzburg: Residenz, 2002
  • Glaubst du, dass es Liebe war? Salzburg: Residenz, 2003
  • 13 wahre Geschichten. Wien: F. Deuticke, 2004
  • Reisen im Licht der Sterne. München: Albrecht Knaus, 2005
  • Patriarchen. 10 Porträts. München: Albrecht Knaus, 2006
  • Eine Frage der Zeit. München: Knaus, 2007
  • Himmelsstürmer. Zwölf Porträts. München: Knaus, 2008
  • Der König von Olten. Olten: Knapp, 2009
  • Léon und Louise. München: Hanser, 2011
  • Skidoo. Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens. München: Hanser, 2012
  • Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer. München: Hanser, 2013
  • Mein Nachbar Urs. Geschichten aus der Kleinstadt. München: Hanser, 2014
  • Seiltänzer. Drei Porträts. München: Hanser, 2015
  • Das Leben ist gut. Roman. München: Hanser, 2016

Premi:
  • Literaturpreis Regiobank Solothurn (1995)
  • Werkjahr des Kantons Solothurn (1996)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1998)
  • Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI (1998)
  • Publikumspreis des Westschweizer Radio und Fernsehens RTS (2012)

Parte di testo da "Mein Studium ferner Welten" [S. 175-176]

Suleika Lopez'kleiner Zeh

In jenem Frühling verliebte sich Max Mohn endlich wieder, und zwar in eine Italienerin namens Lucia Barbieri, und sie sich in ihn. Sie hatte kurzes, dichtes Haar wie Katzenfell und schwarze Augen, und sie bewegte sich wie eine Eidechse: entweder blitzschnell oder gar nicht. Sie war Pathologin am Städtischen Krankenhaus; in dessen Fluren waren sie mehrmals aneinandergeraten während der langen Monate, in denen Max' Grossvater das Sterben verweigerte. An einem Montag morgen kurz vor halb neun Uhr waren sie zusammen Aufzug gefahren, vom Erdgeschoss in die neunte Etage, was achtundvierzig Sekunden dauerte. In dieser Zeit hatten Max und Lucia ihre Ansichten über Leben, Tod und Krankheit ausgetauscht, und Max hatte sie zum Lachen gebracht mit seinem Verdacht, dass Aids eine raffiniert eingefädelte Fiktion der katholischen Kirche sei - dass dieses Virus sich seine Opfer auf zu verdammt katholische Art aussuche, um überhaupt real zu sein. Dann war der Grossvater endlich doch noch gestorben, und Max war noch einmal ins Krankenhaus gegangen und hatte Lucia zum Essen ins beste Restaurant im Städtchen eingeladen. An jenem Abend hatten sie nach Mitternacht noch ein Glas in seiner Wohnung getrunken; dann hatte erst er sie nach Hause begleitet und dann sie ihn. Am Wochenende darauf hatte Lucia Max nach Madrid entführt. Wieder zu Hause, hatte er sie eine halbe Nacht lang durchs Labyrinth der städtischen Kanalisation geführt; und am ersten warmen Frühlingstag hatte sie ihm auf dem Fluss eine Einführung ins Kajakfahren gegeben. Den Alltag bewältigten sie von Anfang an wie ein gut eingespieltes Ehepaar. Zum Frühstück lasen sie gemeinsam Zeitung und machten sich lustig über Grass, Gates und Gore. An arbeitsfreien Tagen, wenn Max' Sohn in der Schule war, bummelten sie morgens über Flohmärkte, ohne je etwas zu kaufen. Nachmittags fuhren sie auf Fahrrädern über die Heide oder spazierten den Fluss entlang. Abends, wenn der Kleine schlief, tranken sie Rotwein in lärmigen Bars. Und die Nächte verbrachten sie stets bei ihm.

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