Breznik Melitta

Melitta Breznik wurde im Jahre 1961 in steiermärkischen Kapfenberg (Österreich) geboren. Sie studierte Medizin und ist heute als Oberärztin an der Psychiatrischen Klinik Beverin, Cazis (Kt.Graubünden) tätig. 1995 erschien im Luchterhand-Verlag Brezniks beeindruckendes und viel beachtetes Erzähldebüt "Nachtdienst". Darin betätigt sich die Autorin als Chronistin des Lebens von Aussenseitern und Versehrten. In „Figuren“ (1999) doppelt sie nach und beschreibt in acht kurzen Erzählungen Menschen, die mit dem Leben nicht mehr zurechtkommen.

Links
www.srf.ch/sendungen/reflexe/melitta-breznik-ueber-ihren-neuen-roman

Opere:
  • Nachtdienst. Eine Erzählung. München: Luchterhand-Literaturverlag, 1995
  • Figuren. Erzählungen. München: Luchterhand-Literaturverlag, 1999
  • Das Umstellformat. München: Luchterhand-Literaturverlag, 2002
  • Der Sommer hat lange auf sich warten lassen. Roman. München: Luchterhand, 2013

Premi:
  • Literaturpreis des Landes Steiermark (2001)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2011)

Parte di testo da "Das Haus in Figuren" [S. 14-15 ]

Im Arbeitszimmer fand ich Bauskizzen, notdürftig mit Klebestreifen an der Wand fixiert, teils hingen sie herab, ringelten sich an ihren freien Enden ein, dort wo sie sich gelöst hatten. Gerade hier hatte er früher auf Ordnung geachtet, und trotzdem waren im ganzen Raum unzählige Gegenstände hingestreut, hingeworfen, wie es schien, aus Wut oder Nachlässigkeit, ich sehe ihn vor mir, wie er eine vom Tisch gefallene Zeitschrift einfach liegenlässt, er war zu rasch aufgestanden, musste zum Telephon oder eilig das Haus verlassen, jede Bewegung ungebremst, über das Ziel hinaus, ein Glas zerschellte, die übliche Begleiterscheinung, wenn er das Geschirr abwusch, ich hatte mich erst nach und nach daran gewöhnt, hatte nicht mehr fluchtartig die Küche verlassen müssen, die kaputten Gläser waren ein notwendiges Übel, ein Opfer, ich nahm es mit der Zeit nicht mehr persönlich, irgendwann gab man einfach auf, zerbrach sich den Kopf nicht mehr, ob dieser Krach nun etwas zu bedeuten hatte oder nicht. Meist begann er im unerwartetsten Moment zu reden, wenn ich mich gerade hinter die Zeitung oder ein Buch verkrochen hatte oder wir mit den anderen aus dem oberen Stock bei einem Kartenspiel am Küchentisch sassen. Er redete dann über Dinge, die er schon seit einiger Zeit mit sich herumgetragen haben musste, und diese Anfänge taten weh, ich muss euch etwas sagen, muss mit euch reden, ich habe mir etwas überlegt, er sagte, der Heizölvorrat schmelze zu schnell, oder der gemeinsame Hausgang werde nicht oft genug geputzt, und jedes Wort blieb an der Oberfläche, ritzte aber schmerzhaft die Haut, niemand wusste genau zu sagen, worum es ihm eigentlich ging, nur spürte man, dass es nicht das war, worüber er gerade sprach.

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