Boesch Hans

Hans Boesch wurde 13. März 1926 im sanktgallischen Frümsen-Sennwald geboren. Er studierte Tiefbautechnik und arbeitete am Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung der ETH Zürich auf dem Gebiet der Verkehrsplanung. Mit zwanzig begann Hans Boesch Gedichte zu schreiben, drei Jahre später erschien sein erstes Buch. In der Folge veröffentlichte er Romane, Satiren und Essays. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen "Das Gerüst" (1960), "Die Fliegenfalle" (1968), "Der Kiosk" (1978) und die Trilogie "Der Sog" (1988), "Der Bann" (1996), "Der Kreis"(1998), ein Werk, das durch die Lebensgeschichten seiner Romanfiguren unser Jahrhundert widerspiegelt. Hans Boesch starb nach langer Krankheit am 24.6.2003 in Stäfa.

Opere:
  • Oleander. Der Jüngling. Lyrik. St.Gallen: Tschudy, 1951
  • Pan. Lyrik. Sins: Borgis, 1955
  • Der junge Os. Zürich: Speer, 1957
  • Das Gerüst. Olten: Walter, 1960
  • Die Fliegenfalle. Zürich: Artemis, 1968
  • Ein David. Gedichte. Zürich: Artemis, 1970
  • Der Mensch im Stadtverkehr. Bebildertes Essay. Zürich: Artemis, 1975
  • Der Kiosk. Zürich: Artemis, 1978
  • Unternehmen Normkopf. Satiren. Zürich: Artemis, 1985
  • Der Sog. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1988
  • Der Bann. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1996
  • Der Kreis. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1998
  • Die sinnliche Stadt. Essays zur modernen Urbanistik. Zürich: Nagel & Kimche, 2001
  • Schweben. Zürich: Nagel & Kimche, 2003
  • Samurai. Zürich: Nagel & Kimche, 2005

Premi:
  • Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1954)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1962 / 1975)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1969 / 1988 / 1998)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1970 / 1978 / 1998)
  • Werkjahr des Kantons Zürich (1971)
  • Literaturpreis des Kantons Aargau (1983)
  • Bodensee-Literaturpreis (1989)
  • Jaeckle-Treadwell-Preis für das literarische Gesamtwerk (1996)
  • Buchpreis der Stadt Zürich (1996)
  • Joseph-Breitbach-Preis für Literatur, für das Gesamtwerk verliehen von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz (1998)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1998)
  • "Buch der Schweiz. Schillerstiftung" (1998)

Parte di testo da "Der Sog" [S. 29-30]

Simon hielt das Gesicht auf die Bank gedrückt und weinte leise. Neben ihm sass Vater und hustete und lachte. Die kleine Flöte hielt er noch immer in der Hand. Er strich sich übers Gesicht. "So ein Blödsinn", sagte er, "so ein Blödsinn!" Dann sah er auf Simon. Er stockte. "Du weinst? Mein Gott! Der Bub weint! Komm her zu Vater!" Er stand auf vom Stuhl, nahm Simon und zog ihn zu sich her. "Nicht weinen, Simmeli! Ich weiss, Vater soll nicht lachen." Er suchte sein Taschentuch hervor und tupfte Simon übers Gesicht. Er hob den Bub vom Boden und setze ihn sich aufs Knie. "Mutter kommt wieder. Jaja, aber sicher! Bestimmt!" Er drückte Simons Kopf gegen sich und wiegte den Bub langsam hin und her. "Doch doch. Natürlich kommt sie." Und nach einer Weile, als Simon den Kopf schüttelte, sagte er, Mutter sei hinaufgegangen zu Mock ins Dorf, zur grossen Scheune, um die Milch zu holen. Zu Mock, der Gemeindeammann ist und dem die Häuser gehören am Berg, und dem auch dieses Haus gehört, in dem der Bannwart wohnt, Vater und Mutter und Simon. Wie jeden Abend hole Mutter die Milch, sagte Vater. "Du wirst sehen, mit der Frau des Notars, mit Sina kommt sie zurück und bringt die Milch." Vater hielt Simon die noch warme, noch feuchte Flöte vor den Mund. Aber es gelang Simon nicht, den Mund so zu formen, dass er einen guten und gleichmässigen Strahl Luft über die Flöte hin hätte blasen können. Er versuchte zwar zu lachen, aber noch immer war das Schluchzen stärker. "Dummer Bub", sagte Vater leise. "Mein lieber dummer Bub." Er spielte Simon die Triller vor. Er liess Simon die Grifflöcher der Flöte zudecken und wieder freigeben, während er, Vater, blies. Zusammen sassen sie unter der Lampe und spielten Flöte.

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