Blatter Silvio

Silvio Blatter wurde am 25.1.1946 in Bremgarten geboren. Nach dem Lehrerseminar in Wettingen unterrichtete er sechs Jahre lang in Aarau. 1970 arbeitete er als Maschinenarbeiter in der Metallindustrie, 1974 als Maschinenarbeiter in der Kunststoffindustrie. Dazwischen begann er ein Germanistikstudium, welches er nicht beendete. Anschliessend liess er sich zum Funkregisseur bei Radio Zürich ausbilden. Es folgten Aufenthalte in Amsterdam und Nordfriesland. Seit 1976 ist Blatter freier Schriftsteller. Er lebt heute in Zürich und München. In seinen früheren Werken wie "Schaltfehler" (1972) oder "Genormte Tage, verschüttete Zeit" (1976) greift Blatter seine Erfahrungen aus der Fabrikwelt mit ihrer Entfremdung von der Arbeit und vom Leben auf. Im Zentrum von Blatters literarischem Schaffen steht jedoch die grosse epische Trilogie mit den Romanen "Zunehmendes Heimweh" (1978), "Kein schöner Land" (1983) und "Das sanfte Gesetz" (1988). Der Autor entwirft darin ein differenziertes Zeit- und Sittengemälde der Landschaft und Menschen des Freiamtes und ihrer zerbrechlichen Welt.

Opere:
  • Brände kommen unerwartet. Zürich: Regenbogen-Verlag, 1968
  • Eine Wohnung im Erdgeschoss. Prosa. Aarau: Sauerländer, 1970
  • Schaltfehler. Erzählungen. Zürich: Flamberg, 1972
  • Nur der König trägt Bart. Erzählungen. Zürich: Schweizer Buchhändler- und Verlegerverein, 1973
  • Mary Long. Zürich: Flamberg, 1973
  • Flucht und Tod des Daniel Zoff - vorläufiges Protokoll eines ländlichen Tages. Aarau: Sauerländer, 1974
  • Genormte Tage, verschüttete Zeit. Eine Erzählung. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1976
  • Zunehmendes Heimweh. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1978
  • Love me Tender. Erzählung. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1980.
  • Kein schöner Land. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1980
  • Die Schneefalle. Zürich: Benziger, 1981
  • Wassermann. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1986
  • Das sanfte Gesetz. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1988
  • Das blaue Haus. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1990
  • Avenue America. Frankfurt/M.: Insel, 1992
  • Zunehmendes Heimweh. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
  • Die Glückszahl. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 2001
  • Zwölf Sekunden Stille. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 2004
  • Eine unerledigte Geschichte. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 2006
  • Zwei Affen. Köln: DuMont, 2008
  • Vier Tage im August. Roman. München: Langen Müller, 2013
  • Wir zählen unsere Tage nicht. Roman. München/Zürich: Piper, 2015

Premi:
  • Förderungspreis der Stadt Zürich (1972)
  • Conrad Ferdinand Meyer-Preis der Stadt Zürich (1974)
  • Förderungspreis der Stadt Zürich (1978)
  • Preis der Neuen-Literarischen-Gesellschaft Hamburg (1979)
  • Writer-in-Residence, Washington University St.Louis (1985)
  • Zolliker Kunstpreis (1993)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (2001)
  • Div. Preise des Kt. Aargau, Pro Helvetia u.a.

Parte di testo da "Kein schöner Land" [S. 544-545]

Die Nacht war dunkler geworden, am Himmel hatten sich vorüberfliehende Wolkenfelder gebildet. Tief und schwärzlich schimmerte die Reuss, ein weisslicher Nebelschleier schien die Gärten zu durchkämmen. Katrin erinnerte sich, ihren Bruder im Gespräch beobachtend, an eine Unterhaltung, die sie vor einiger Zeit mit ihm geführt hatte. Von was er denn meine, hatte sie ihn gefragt, es sei unbedingt notwendig, um in so gefährdeter und gefährlicher Zeit das Leben auch nur einigermassen zu bestehen, das verrückte, absurde, schöne, einzige Leben, das einem gegeben wird. Sie schaute auf den Fluss hinunter. Das monotone und vertraute Rauschen machte die Stimmen, das Reden und Lachen, die Musik (eine Platte von Rickie Lee Jones) zu beiläufigen, vorübergehenden Geräuschen. DIe Reussbrücke sah sie, sah den Wald, die Gärten, ein Stück Himmel. Und sie dachte, man könne doch immer nur einen Weltausschnitt wahrnehmen, auch in der vertrauten Umgebung nur Teilbilder...

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