Biert Cla

Cla Biert (Scuol 1920 - Chur 1981) war Volksschullehrer in Scuol, Zuoz und zuletzt in Chur. Zudem war er in der Erwachsenenbildung tätig und in der Sprachbewegung aktiv. Er sammelte romanische Volkslieder, die er auch zur Gitarre sang. Er wirkte in der Theatergruppe "La Culissa" und im Kabarett "La Panaglia" mit. Wie für andere Vertreter der bündnerromanischen Literatur sind auch für Biert die Sozialstrukturen ein wichtiges Thema. In den Erzählungen gelangt vornehmlich die Hierarchie in den verschiedenen Gruppen der Dorfgemeinschaft zur Darstellung. In den Texten, die postum unter dem Originaltitel "Il descendent" (Der Nachkomme, CH-Reihe 1981) herausgegeben wurden, geht es um eine übermächtige Vaterfigur.

Opere:
  • Istorgias. Lavin: Chasa Paterna, 1956
  • Laina verda. Samedan: Stamparia engiadinaisa, 1957
  • La müdada. Selbstverlag, 1962
  • Fain manü. Chur: Lia Rumantascha, 1969
  • Il descendent. Zürich: Ex Libris, 1981 (CH-Reihe)
  • Das Gewitter und andere Erzählungen/Betschlas malmadüras ed oters raquints. Hrsg. und mit einem Nachwort von Mevina Puorger. Zürich: Limmat Verlag, 2009
  • La müdada. Roman (Neuausgabe) Hrsg. von Mevina Puorger Pestalozzi. Zürich: Limmat Verlag, 2012

Parte di testo da "Il descendent/Der Nachkomme" [S. 8-9]

Quai d`eira ün lündeschdi a bunura ch`eu sun nat, ün di da stà, güsta cha`l sulai faiva glüschir ils picals dal Piz Sant Jon. Meis bap spettaiva cun pisser, la paglioula d`eira greiva, e per pacas cha ma mamma füss morta. Cur chi`d es lura stat uschè inavant, schi è`l gnü aint in chombra, ha tgnü üna pezza il man da ma mamma chi nu d`eira buna da discuorrer, ed es lura i via a verer il pop. E guardà ha`l da manü, sco chi han quintà, il prüm ils peis, lura ils mans, la coppala, impustüt la coppala.
Lura ha`l dat dal cheu amo üna jada vers mamma ed es i oura.

Geboren wurde ich an einem Montag in der Früh, an einem Sommertag, als die Sonne gerade die Spitzen des Piz Sant Jon zum Leuchten brachte. Mein Vater wartete besorgt, die Geburt war schwer, beinahe wäre meine Mutter gestorben. Als es dann soweit war, betrat er das Zimmer, hielt für eine Weile die Hand meiner Mutter, die noch kein Wort herausbrachte, und ging dann hinüber, um sich den Kleinen anzusehen. Und geschaut hat er gründlich, wie man erzählt, zuerst die Füsse, dann die Hände, den Schädel, besonders den Schädel.
Er nickte noch einmal der Mutter zu und ging hinaus.

Zurück