Augstburger Urs

Urs Augstburger wurde am 18. Januar 1965 in Brugg geboren. Er besuchte das neusprachliche Gymnasium und absolvierte die Matura. Anschliessend liess sich Augstburger in der Ringier-Journalistenschule ausbilden. Heute ist er als Journalist tätig, ist beim Schweizer Fernsehen verantwortlich für Koproduktionen im Dokumentarfilmbereich und arbeitet als Schriftsteller. Besonderes Aufsehen erregte er mit den multimedialen Lesungen zu seinem Erfolgsroman „Schattwand“ (unter anderen an den Solothurner Literaturtagen 2002). Bis zu seinem 2012 erschienenen Roman "Als der Regen kam" veröffentlichte Augstburger seine Romane in Reto Bilgers Verlag in Zürich. In "Als der Regen kam" greift der Autor auf eigene Kindheitserinnerungen in Brugg, einer typischen Schweizer Kleinstadt, in den 60-er Jahren zurück. Dank geschickter Wahl der Protagonisten, die aus drei Generationen stammen, entfaltet sich vor dem Leser ein eindrückliches, aber auch beklemmendes Zeitgemälde, das Einblicke in gesellschaftliche Entwicklungen von der Nachkriegszeit bis heute vermittelt. Den Roman hat Urs Augstburger als Seh- und Hörspiel bearbeitet, mit dem er auf Lesetournee geht. Heute lebt und schreibt Urs Augstburger im aargauischen Ennetbaden und in Disentis.

Links
www.ursaugstburger.com
www.als-der-regen-kam.com
www.art-tv.ch/4332-0-urs-augstburger--waesserwasser.html

Opere:
  • Für immer ist morgen. Roman. Zürich: R.Bilger, 1997
  • Chrom. Eine Basil-Bast-Produktion. Roman. Zürich: R.Bilger, 1999
  • Schattwand. Ein Bergdrama. Zürich: Bilgerverlag, 2001
  • Gatto Dileo. Eine Liebesballade. Zürich: Bilgerverlag, 2004
  • Graatzug. Bergroman. Zürich: Bilgerverlag, 2007
  • Wässerwasser. Bergroman. Zürich: Bilgerverlag, 2009
  • Als der Regen kam. Stuttgart: Klett-Cotta, 2012
  • Kleine Fluchten. Roman. Stuttgart: Klett-Cotta, 2015

Premi:
  • Werkbeitrag der Pro Helvetia (2004)

Parte di testo da "Schattwand" [S. 81-82]

Die Schattwand war ... anders. Jan fand keine treffenden Worte. War es ein Berg? Eine Gebirgsgruppe? Eine Felswand? Ein Felsabbruch? Ihr Name schien ihm verniedlichend für dieses unglaubliche Gebilde, entstanden vor Jahrmillionen. Gesteinsschichten, durch die Urgewalten zu einem Berg aufgeworfen. Dann war er – Jan wurde mangels geologischem Wissen für Augenblicke gläubig – vom Feuerschwert des Allmächtigen ganz einfach entzweigeschnitten worden. Die eine Hälfte stand fast unversehrt vor ihm, die andere war in sich zusammengestürzt. Sie hatte das Plateau aufgeschüttet, das die Gsponer besiedelten. Die Schnittfläche verlief senkrecht, war aber nicht mehr glatt, sondern geschrundet und zerklüftet. Im Frühling und Herbst fräste das Wasser Risse, Rinnen und Trichter hinein, nachts sprengte das Eis die Felshaut. Kamine und Klüfte taten sich auf, Bänder und Rampen entstanden, sie unterteilten die Wand in einzelne, fast unversehrte Platten. Sie stürzten so steil ab, dass sich der Schnee nicht festsetzte.
Gottes Schwert musste etwas schartig gewesen sein, es hatte Aussparungen zugelassen. Vorspringende Türme stützten die Wand wie Pfeiler. Der mächtigste endete in Form eines Tierkopfes. Ein Wolfskopf? Vielleicht war er der Grund für all die Namen: Wolfstritt, Wolfsscharte, Wolfslawine. Oberhalb des Kopfes war die Mulde eingebettet, die Schneerutsche allmählich auffüllten, um der sagenhaften Lawine ihre Bahn zu bereiten.
Im obersten Teil stieg die Wand weniger steil an, sie lief in Dutzende von Felsspitzen aus: der Gipfelkranz der Schattwand. Er umsäumte die Hälfte des Tales. Die einzige Lücke war ein schmaler Sattel zwischen zwei Felsfingern. Die Wolfsscharte!

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