Zehnder Christian

Christian Zehnder wurde am 8.9.1983 in Bern geboren. Bereits während der Zeit am Gymnasium widmete er sich zunehmend dem Schreiben. Zusammen mit Jürg Halter (bekannt auch als „Kutti MC“) gründete er 1999 die Literaturzeitschrift „art.21-zeitdruck“. Nach Abschluss der Mittelschule studierte Christian Zehnder erst in Tübingen ein halbes Semester Germanistik und Philosophie. Im Anschluss daran folgte die Weiterführung der Studien in Slawistik und Philosophie in Fribourg und München. 2009 wurde er Assistent für slawische Sprachen und Literaturen an der Universität Fribourg. Hier promovierte er 2011 mit einer Arbeit über Boris Pasternak. Zunehmend interessiert ihn das Übersetzen aus dem Russischen, aber auch aus anderen Sprachen. Im Sommer 2008 erschien mit der Erzählung „Gustavs Traum“ Christian Zehnders literarisches Debüt. Das Geheimnis- und Reizvolle an Zehnders Büchern ist die unangestrengte, seltsam zeitlose Sprache, welche eine träumerische Entfremdung der Figuren spürbar macht. Immer entsteht das Gefühl einer melancholischen Weltfremde, die doch so viel Welt enthält. Heute lebt Christian Zehnder in Bern.

Liens
www.nzz.ch/der-weisse-julius-1.11734349

Bibliographie :
  • Gustavs Traum. Erzählung. Zürich: Ammann, 2008
  • Julius. Roman. München: dtv, 2011
  • Die Welt nach dem Kino. Roman. München: dtv, 2014
  • Axiome der Dämmerung. Eine Poetik des Lichts bei Boris Pasternak. Köln: Böhlau, 2015

Distinctions :
  • Sonderpreis Stadt Bern (2000 für „art.21-zeitdruck“)
  • Weiterschreiben, Stadt Bern (2007)
  • Weiterschreiben, Stadt Bern (2011)

Extrait de „Gustavs Traum“ [S. 7]

So eng verbunden die drei waren, so oft sah man sie einzeln. Waren sie auf verschiedene Orte verstreut, wunderte das niemanden. Verwunderlicher war, wie wenig sie verweilten. Nicht selten ging der kleine Dominik allein von Stadttor zu Stadttor. Und doch hätte niemand gesagt, man begegne ihm oft auf der Strasse.
Denn immer wieder war plötzlich die Mutter da, um ihn an der Hand zu nehmen und an ein Ziel zu führen. Die Ziele waren vielfältig; in der schmalen Stadt, einer Aneinanderreihung von Plätzen und einem ungeometrischen Netz von Gassen, gingen sie in verschiedenen Elternhäusern ein und aus. Das Naheliegendste, nämlich eigene vier Wände, blieb Idee, für Veronika ein frommer Wunsch, ein Hirngespinst für Gustav.
Das Kind hätte nicht zu sagen gewusst, wo es wohnte. Die Umzüge kamen ohne Regelmässigkeit. Im Augenblick, in dem der Knabe aus einer Tür trat, hatte er diese auch schon vergessen.

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