Züst Walter

Walter Züst ist 1931 in Wolfhalden geboren und dort als Sohn eines Seidenwebers und Kleinbauern aufgewachsen. Seit 1958 lebt er in Grub, wo er als Gemeindeschreiber tätig war. Daneben beschäftigte er sich mit der Vergangenheit des Appenzellerlandes. Nach lokalgeschichtlichen Werken wandte er sich dem literarischen Genre des historischen Romans zu. Das Appenzell als ein Landstrich in der Schweiz, der wie kaum ein zweiter das Zusammenspiel von historischem Bewusstsein und hellwachem Gegenwartsbezug lebt, bildet den Fundus, aus dem Züsts Romane geschaffen sind. Seine Zuneigung galt stets den be­scheidenen, anspruchslosen Vorfahren, welche trotz widriger Umstände versuchten, das Leben zu meistern.

Liens
www.srf.ch/player/radio/menschen-und-horizonte/audio/walter-zuest-chronist-und-erzaehler?id=4d430395-8e6d-420d-b3f8-a14ac989b3e4

Bibliographie :
  • Der Weg zur Richtbank. Appenzeller: Appenzell, 1994
  • Die Dornesslerin. Appenzeller: Appenzell, 1998
  • Die Bettlerjagd. Appenzeller: Appenzell, 1999
  • Der fromme Krieger. Appenzeller: Appenzell, 2002
  • Nervenfieber. Appenzeller: Appenzell, 2006
  • Mit einem Schlag. Appenzeller: Appenzell, 2008
  • Die Biologin. Herisau: Appenzeller, 2011

Extrait de "Die Biologin" [S. 81 ff.]

Am andern Morgen, noch bevor die Sonne aufging, der Hahn hatte das erste Mal gekräht, begannen sie mit dem Mähen des Heugrases. Ein kalter Wind wehte in den frühen Morgenstunden vom See her. Anna sah dem Mähen mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie fühlte sich unsicher. Sie hatte zwar hinter dem Haus, dort, wo die Brennesseln wuchern, heimlich das Mähen geübt. Doch der Gedanke, beim Mähen mit Albert gleichziehen zu müssen, machte sie unsicher.
[...]
Als die Sonne im Osten aufgegangen war, zog Anna die Schuhe aus. Es war ein einzigartiges Gefühl, barfuss den taunassen, weichen Wiesboden zu spüren, mit dem sie sich auf eigenartige Weise verbunden fühlte.
[...]
Während einer Pause begann Albert Gutweniger von früher zu erzählen und zu klagen, wie es seine Art war: "Früher hat man beim Heuen noch den Kuckuck rufen gehört. Jetzt hört man nur noch die Maschinen lärmen, und möchte einer dem Berger beim Heuen helfen, müsste er Maschinist sein. Die Heuernte war in meiner Jugendzeit ein einzigartiges Ereignis. Die ganze Familie, Freunde und Nachbarn halfen mit."
[...]
Auf der Dachterrasse des Hotels Seeblick verfolgten einige elegant gekleidete Kurgäste belustigt, wie sich da unten altmodische Menschen abmühten, ihr Heu ohne die Hilfe von Maschinen einzubringen.

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