Wyss Verena

Verena Wyss wurde am 15. Juni 1945 in Zürich geboren. Nach den Schulen und der erfolgreichen Matura studierte sie Geschichte und Rechtsgeschichte in Basel und Bern. Sie schloss ihre universitäre Ausbildung mit dem Lizentiat 1972 ab. Nach ihrer Heirat und der Geburt ihrer Kinder arbeitete Wyss in verschiedenen Frauen- und Erziehungsprojekten mit. Später war sie für die Lokalradiogesellschaft der SRG Aargau/Solothurn tätig. Ihr politisches Engagement drückte sie mit der Kandidatur auf einer Frauenliste bei den Nationalratswahlen 1991 aus. Seit 1985 ist Verena Wyss regelmässig in Vorständen von Schriftstellervereinigungen vertreten. So war sie von 1993 bis 1996 Vorstandsmitglied des Deutschschweizer P.E.N.-Zentrums und 1996 im Organisationskomitee des Schweizer Frauenkongresses vertreten. Verena Wyss lebt heute mit ihrer Familie in Wangen bei Olten. Die Herkunft aus einer Juristenfamilie hat die Autorin und ihr Werk geprägt. Seit dem ersten Roman beschäftigt sie sich mit dem Wechselspiel zwischen Macht bzw. Machtmissbrauch, gesellschaftlichem Einfluss und individuellem Verhalten.

Liens
www.verena-wyss.ch

Bibliographie :
  • Langsame Flucht. Roman. Zürich: Benziger, 1982
  • Versiegelte Zeit. Roman. Zürich: Nagel & Kimche, 1985
  • Windgesichte. Text für eine Schauspielerin. Literarisches Theater. Bern: Verlag Der blaue Berg, 1988
  • Die Untersuchungsrichterin. Zürich: Nagel & Kimche, 1994
  • Verdecktes Spiel. Zürich: Nagel & Kimche, 1997
  • Blutrunen. Messkirch: Gmeiner, 2010
  • Föhnfieber. Kriminalroman. Messkirch: Gmeiner, 2012

Distinctions :
  • Werkpreis des Kantons Solothurn (1982)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1985 / 1997)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1992)
  • Preis für Literatur des Kantons Solothurn für das Gesamtwerk (1994)

Extrait de "Verdecktes Spiel" [S. 46-47]

Elf Uhr fünfzig: Die Stimmung in der Einsatzzentrale wurde fühlbar gespannter, jetzt war die direkte Telefonverbindung zum Kindergarten hergestellt. Tiziano filmte. Ellen Lachat wurde als Kontaktfrau zum Geiselnehmer eingesetzt, gelangte mit ihrem Essenskorb, in dem auch Beruhigungsmittel lagen, zunächst nur bis zur Eingangstür des Kindergartens, durfte schliesslich eintreten, kam jedoch mit weissem Gesicht nach zehn Minuten wieder heraus. Über Telefon wiederholte der Geiselnehmer die Drohung, die Kinder, die Kindergärtnerin und sich selber in die Luft zu sprengen, falls er nicht das Lösegeld erhalte. Ferner sei ein Aufruf zu verbreiten, er verlange ein Fluchtfahrzeug und freien Abzug. Nach dem Gespräch schien er die Klingel blockiert zu haben.
Die anschliessenden Stabsberatungen wurden durch die Ankündigung der Besuche des Stadtpräsidenten und des Innenministers erheblich gestört. Für die Angehörigen und die Bevölkerung sei es wichtig, ihnen den Medienauftritt zu bieten, meinte Tiziano. Er erläuterte Maxie das umfangreiche Konzept, in dem Noch Details offen waren. Sie solle ins Studio zurückkehren, dort sei sie für die reibungslosen technischen Abläufe der Zuschaltungen zuständig. Ausgestrahlt würden nur die von Oberst Mettler und diesem Winke freigegebenen Bilder. So sei es abgemacht.
Zackig wiederholte Maxie, sie werde sich daran halten, und empfand im selben Moment die Lächerlichkeit ihres Tonfalls.

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