Wyss Hedi

Hedi Wyss wurde am 17. Oktober 1940 in Bern geboren, wo sie auch aufgewachsen ist und die Schulen besucht hat. Nach dem Lehrerseminar und der Ausbildung an der Universität Bern war Wyss seit 1965 als Redaktorin und Journalistin für diverse Medien tätig. Sie befasste sich dabei vor allem mit Ökologie, Erziehung, Kunst, Literatur und Frauenfragen. Längere Reisen führten sie in die USA, nach Afrika, Asien und in die verschiedensten europäischen Länder. Bekannt als Autorin wurde Hedi Wyss mit dem Sachbuch „Das rosarote Mädchenbuch“ von 1972, das als Ermutigung zu einem neuen Bewusstsein gedacht war. Zusammen mit Isolde Schaad war sie Herausgeberin des Mädchenjahrbuchs „Rotstrumpf“, das in den siebziger und frühen achtziger Jahren erfolgreich war. Neben ihrer Arbeit im Bereich der Jugendliteratur hat Wyss auch Bücher für Erwachsene verfasst. In ihrem neuesten Werk „Bubikopf und Putzturban“ rekonstruiert die Autorin das Leben ihrer Mutter. Hedi Wyss lebt und arbeitet in Kilchberg (Kt.ZH).

Liens
hediwyss.ch/
www.derbund.ch/bern/stadt/Die-Feministin-und-der-Milliardaer/story/21240913?track

Bibliographie :
  • Das rosarote Mädchenbuch. Sachbuch. Bern: Hallwag, 1972
  • Welt hinter Glas. Jugendroman. Zürich: Benziger, 1979
  • Keine Hand frei. Roman. Zürich: Benziger, 1980
  • Flügel im Kopf. Roman. Zürich: Benziger, 1982
  • Der violette Puma. Jugendbuch. Zürich: Benziger, 1984
  • Der Ozean steigt. Roman. Frauenfeld: Nagel&Kimche, 1987
  • Tinas Fahrt durch die Luft. Ein Buch übers Lügen und Phantasieren. Frauenfeld: Nagel&Kimche, 1990
  • Bubikopf und Putzturban. Ein Leben im zwanzigsten Jahrhundert. Bern: eFeF, 2003
  • Redefreiheit. Kolumnen 1988-2014. Wettingen: eFeF Verlag, 2015

Distinctions :
  • Certificate of Honour, International Board on Books for Young People (1977)
  • Buchpreis der Stadt Bern (1981)
  • Schweizerischer Jugendbuchpreis (1981)
  • Buchpreis des Kantons Bern (1983 / 1987)
  • Anerkennungspreis des Kantons Zürich (1984)
  • Stipendiatin der Stadt Bern im Berner Atelier in New York (1989)
  • Zürcher Journalistenpreis (1990)
  • Anerkennungspreis des Verbandes Deutscher Ärztinnen (1990)
  • Preis des Regierungsrats des Kt.Zürich (2003)

Extrait de "Bubikopf und Putzturban" [S. 68]

In der Frühmesse bewegt sie nur die Lippen. Ihr ist schwindlig, der Schmerz im Magen nimmt zu. Sie presst die gefalteten Hände gegen den Leib. „Ich hasse dich“, sagt sie, und sie weiss nicht recht, wen sie damit meint, die andern Schülerinnen, die nicht teilen wollen, den Krieg das Leben überhaupt oder diesen Gott, zu dem sie beten muss, und den sie sich nicht vorstellen kann, der ein leeres Gesicht hat, ohne Augen und Mund, ein Nichts, das in der Höhe wohnt. Ihr ist so schlecht, dass sie aufsteht, sich über die Kniebank hinweg an den andern Schülerinnen vorbeidrückt. Der Lärm lässt die Lehrerin, die vorne steht, sich umdrehen, schweigend und bedeutungsvoll Alice einen Blick zuwerfen. Alice weiss, wenigstens verneigen muss sie sich vor dem Altar, einen Knicks machen und sich bekreuzigen. Sie versucht es, aber wie sie in die Knie geht, klappt sie zusammen und wälzt sich am Boden vor Schmerz. Dann verliert sie das Bewusstsein.

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