Waser Maria

Maria Waser wurde am 15.10.1878 im bernischen Herzogenbuchsee geboren. Als Tochter eines Landarztes wuchs sie privilegiert auf und ihrem Drang zur Bildung wurde von Familienseite her entsprochen. Waser war hochbegabt und besuchte ab 1894 als einziges Mädchen das Städtische Gymnasium in Bern. Nach der erfolgreichen Maturitätsprüfung studierte sie erst in Lausanne, dann in Bern Geschichte und Germanistik und promovierte 1901 als erste Schweizer Historikerin. Nach dem Studium hielt sie sich längere Zeit in Italien auf. In die Schweiz zurückgekehrt arbeitete Maria Waser ab 1904 auf der Redaktion der Literatur- und Kulturzeitschrift „Die Schweiz“. Hier lernte sie ihren späteren Ehemann, den Altphilologen Otto Waser, kennen mit dem sie in den folgenden Jahren die Herausgeberschaft für die Zeitschrift übernahm. Waser hatte eine wichtige Position in Literaturkreisen und war eine engagierte und erfolgreiche Kulturvermittlerin. So war sie unter anderem Vorstandsmitglied des SSV und unterhielt vor allem zur Zürcher Literaturszene gute Beziehungen. Maria Waser ist am 19.1.1939 in Zollikon gestorben. Wasers Werke sind geprägt von einem tiefen Glauben an das Gute im Menschen und die allumfassende Kraft der Liebe. Für die schweizerischen Verhältnisse jener Zeit darf sie getrost als „Grosschriftstellerin“ mit beachtlichen Auflagen bezeichnet werden. Ihr wohl wichtigstes und auch erfolgreichstes Buch beschreibt die Lebensgeschichte der Zürcher Malerin Anna Waser.

Liens
ead.nb.admin.ch/html/waser_0.html
www.literapedia-bern.ch/Waser,_Maria
www.linsmayer.ch/autoren/W/WaserMaria.html

Bibliographie :
  • Die Geschichte der Anna Waser. Ein Roman aus der Wende des 17.Jahrhunderts. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1913
  • Das Jätvreni. Erzählung. Zürich: Rascher&Cie., 1917
  • Scala Santa. Novelle. Zürich: Rascher&Cie., 1918
  • Von der Liebe und vom Tod. Novellen aus drei Jahrhunderten. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1919
  • Wir Narren von gestern. Bekenntnisse eines Einsamen. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1922
  • Wende. Der Roman eines Herbstes. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1929
  • Land unter Sternen. Der Roman eines Dorfes. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1930
  • Lebendiges Schweizertum. Zürich: Rascher&Co.A.G., 1933
  • Begegnung am Abend. Ein Vermächtnis. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1933
  • Sinnbild des Lebens. Erinnerungen. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1936
  • Das besinnliche Blumenjahr. Gedichte zu Aquarellen ihrer Schwester Hedwig Krebs. 1938
  • Vom Traum ins Licht. Gedichte. Hrsg. von Esther und Hans Waser-Gamper. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1939

Distinctions :
  • Ehrenbürgerrecht Herzogenbuchsee (1932)
  • Literaturpreis der Stadt Zürich (1938)
  • diverse Preise der Schweizerischen Schillerstiftung

Extrait de "Das Jätvreni" [S. 12-13]

Dieser Ort der Seligkeit aber war Jätvrenis Heimen. Ein winziges Häuschen an der Waldecke, braun und geduckt, mit klaren Scheiben, mit einem Ziegenstall hinterwärts nach dem mageren Baumgarten und dem Kartoffel- und Bohnenplätz und einem kleinen Garten vorn heraus nach der Strasse. Hier fanden die begnadeten Unkräutlein, welche die Alte nach jedem Jättag in gütigen Händen mit sich trug, eine Heimstatt und konnten, zierlich ins Wasser gestellt, in schöngeblümten Töpfen ihr Leben angenehm beschliessen oder sich gar in den buchbaumumkränzten Beetchen des Gartens wohlig einleben; denn nach und nach hatte das Jätvreni den ganzen kleinen Garten seinen verschupften Lieblingen eingeräumt. Das war nun freilich absonderlich genug, und keiner ging an dem Gärtchen vorbei ohne kopfschüttelnd den Umstand zu besehen, wie das leidige Unkraut wohlgeordnet in Beeten stand, wie hellrote Blutströpfchen, zitternde Hungerblümchen, Erdrauch und Augentrost sich auftaten und gediehen.

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