Walter Silja

Silja Walter wurde am 23.4.1919 in Rickenbach bei Olten geboren. Aufgewachsen ist sie in der Verleger-Familie Walter. Der Schriftsteller Otto F. Walter war ihr Bruder. Sie besuchte das Seminar in Menzingen und studierte anschliessend Literatur an der Universität Freiburg. In dieser Zeit war Silja Walter in der katholischen Jugendbewegung aktiv. 1948 trat sie in das Benediktinerinnen-Kloster Fahr bei Unterengstringen (ZH) ein, wo sie bis zu ihrem Tod am 31. Januar 2011 als Schwester Maria Hedwig OSB lebte. Seit 2003 war sie Ehrenbürgerin der Gemeinde Würenlos. Silja Walter gilt als wichtige Lyrikerin deutscher Sprache.

Liens
www.kloster-fahr.ch/?page_id=105
www.srf.ch/player/radio/perspektiven/audio/gott-und-ich-wie-geht-das-die-dichterin-silja-walter-wird-90?id=5a5cf50d-0fef-472a-9178-d5a480044d6e
www.srf.ch/player/radio/perspektiven/audio/zwischen-gott-und-mensch-silja-walter?id=9d0fa42d-18c0-4997-938f-8c15e7a8811c
www.kloster-einsiedeln.ch/?id=54
www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165145

Bibliographie :
  • Die ersten Gedichte. Olten: Ilionverlag, 1944
  • Die hereinbrechende Auferstehung. Erzählung. Zürich: Arche, 1960
  • Der Fisch und Bar Abbas. Erzählung. Zürich: Arche, 1967
  • Der Tanz des Gehorsams oder Die Strohmatte. Gedichte. Zürich: Arche, 1970
  • Die Schleuse oder Abteien aus Glas. Ein Roman. Zürich: Arche, 1972
  • Frau mit Rose oder Basler Lebenstanz. Zürich: Arche, 1978
  • Jan, der Verrückte. Ein Spiel. Zürich: Arche, 1978
  • Ruf und Regel. Erfahrungen des Glaubens im benediktinischen Kloster. Zürich: Arche, 1980 (Neubearbeitung: Der Ruf aus dem Garten. Fribourg: Paulusverlag, 1995)
  • Eine Insel finden. Gespräch mit Otto F. Walter. Moderiert von Philippe Dätwyler. Zürich: Arche, 1983
  • Die Feuertaube. Neue Gedichte. Für meinen Bruder. Zürich: Arche, 1985
  • Voll singenden Feuers. Silja Walter. Eine Auswahl aus ihren Werken. Zusgest. und eingeleitet von Elisabeth Autkowiak. Leipzig: St.Benno, 1990
  • Der Wolkenbaum. Meine Kindheit im alten Haus. Olten: Walter, 1991
  • Und Himmel und Welt sind als Ganzes gedacht. Von Paracelsus inspiriert. Mit Theo Flury. Fribourg: Paulusverlag, 1993
  • Die Beichte im Zeichen des Fisches. Ein geistliches Tagebuch. Fribourg: Paulusverlag, 1999
  • Die Fähre legt sich hin am Strand. Ein Lesebuch. Hrsg. von Klara Obermüller. Zürich: Arche, 1999
  • Gesamtausgabe. 10 Bde. Fribourg: Paulusverlag, 1999ff.
  • 1. Frühe Gedichte, Texte, Erzählungen und Spiele [1999]
  • 2. Monastisches Werk [2000]
  • 3. Dramatik 1 [2000]
  • 4. Dramatik 2 [2001]
  • 5. Dramatik 3 [2002]
  • 6. Prosa 1 [2002]
  • Er pflückte sie vom Lebensbaum. Ein benediktinisches Tagebuch. Fribourg: Paulusverlag, 2008

Distinctions :
  • Literaturpreis der Stadt Zürich (1967)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1968 / 1992)
  • Kunstpreis des Kantons Solothurn (1971)
  • Werkauftrag der Pro Helvetia (1971)
  • Auszeichnung für kulturelle Verdienste der Stadt Zürich (1979)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1981)
  • Goldmedaille der EAO-Stiftung Pro Olten (1982)
  • Auszeichnung im Wettbewerb für christliche Literatur, Furche Wien (1982)
  • Ehrenbürgerrecht von Rickenbach (Kt.SO) (1984)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1991)
  • Literaturpreis Kulturstiftung der UBS (1999)

Extrait de "Der Wolkenbaum" [S. 35]

Ist der Sommer gekommen und geht Mama am Nachmittag zur Linde hinauf, laufen wir ihr den kleinen Hang hinauf nach, von der Schaukel weg, vom Hof herauf, aus der Laube herunter und setzen uns zu ihr auf die Bank am dicken Lindenbaumstamm. Rundum Linde, rundum goldener Lindenbaum, und darin erzählt uns Mama Märchen. Ich setze mich immer neben sie, wenn sie erzählt, und lehne meinen Kopf an ihren Arm. Die andern finden das blöd. Sie sagen, ich wolle mich bei Mama einschmeicheln. Sie kann aber wunder- wunderbar erzählen, mit solch einer Stimme, mit ihren Augen, ihrem Lächeln, ihrem ganzen Gesicht, alles ist lebendig da, wenn sie erzählt. Man wird halb krank vom Zuhören. Auch schon habe ich sie beim Arm gepackt, sie gekniffen, hin und her gestossen und gezogen und habe geschrien: Aufhören, Mama, du erzählst so schrecklich, so schrecklich schön, ich kann das nicht mehr hören! Dann weinte ich los und die andern rissen mich weg, um Mama zu beschützen, schrien, weil ich Mama gekniffen hatte. Dann musste sie Ruhe schaffen, sonst hätte es eine Schlägerei gegeben unter der Riesenlinde, in der doch oben im Stamm die blaue Mutter Gottes steht.
Ich muss aber sagen, Mama ist an allem selber schuld, sie erzählt zu wunderbar.

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