Theobaldy Jürgen

Jürgen Theobaldy wurde am 7. März 1944 in Strassburg (Frankreich) geboren. Er wuchs in Mannheim auf. Nach der Grund- und Mittelschule absolvierte er eine kaufmännische Lehre, liess sich zum Industriekaufmann ausbilden und hielt sich danach mit Gelegenheitsjobs wie Aushilfsbriefträger und Möbelpacker über Wasser. 1966 entschloss sich Theobaldy zum Studium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg im Breisgau, 1967 wechselte er nach Heidelberg und legte 1969 das Lehrerexamen ab. Nach einer kurzen Phase der Arbeit als Grund- und Hauptschullehrer, studierte Jürgen Theobaldy ab 1970 Germanistik und Politologie in Heidelberg, Köln und Berlin, schloss sein Studium jedoch nicht ab. 1974 entschloss er sich, bekräftigt durch erste veröffentlichte Gedichtbände, freier Schriftsteller zu werden. Zehn Jahre darauf zog Theobaldy in die Schweiz. Er lebte zuerst im Jura, dann in Basel, eher er 1988 in Bern ansässig wurde, wo er noch heute lebt und schreibt.

Liens
www.lyrikwelt.de/rezensionen/triologie-r.htm
www.tagesspiegel.de/kultur/sonnige-zuflucht/6703486.html
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/bewahre-den-augenblick-1.18606435
ead.nb.admin.ch/html/theobaldy_A.html

Bibliographie :
  • Sperrsitz. Lyrik. Köln: Palmenpresse, 1973
  • Blaue Flecken. Lyrik. Reinbek: Rowohlt, 1974
  • Zweiter Klasse. Lyrik. Berlin: Rotbuch, 1976
  • Sonntags Kino. Roman. Berlin: Rotbuch, 1978
  • Drinks. Gedichte aus Rom. Heldelberg: Wunderhorn, 1979
  • Schwere Erde, Rauch. Lyrik. Reinbek: Rowohlt, 1980
  • Spanische Wände. Roman. Reinbek: Rowohlt, 1981
  • Die Sommertour. Lyrik. Reinbek: Rowohlt, 1983
  • Midlands / Drinks. Lyrik. Heidelberg: Wunderhorn, 1984
  • Das Festival im Hof. Sechs Erzählungen. Berlin: Rotbuch, 1985
  • In den Aufwind. Lyrik. Berlin: Friedenauer Presse, 1990
  • Der Nachtbildsammler. Lyrik. Köln: Palmenpresse, 1992
  • Mehrstimmiges Grün. Gedichte und Prosa. Berlin: Aufbau, 1994
  • In der Ferne zitternde Häuser. Lyrik. Heidelberg: Wunderhorn, 2000
  • Immer wieder alles. Lyrik. Lüneburg: zu Klampen, 2000
  • Trilogie der nächsten Ziele. Roman. Springe: zu Klampen, 2003
  • Wilde Nelken. Springe: zu Klampen, 2005
  • 24 Stunden offen. Ostheim/Rhön: Verlag Peter Engstler, 2006
  • Suchen ist schwer. Gedichte. Ostheim/Rhön: Verlag Peter Engstler, 2012
  • Aus nächster Nähe. Roman. Heidelberg: Das Wunderhorn, 2013
  • Rückvergütung. Roman. Heidelberg: Das Wunderhorn, 2015
  • Hin und wieder hin. Gedichte aus Japan. Ostheim vor der Rhön: Peter Engstler Verlag, 2015

Distinctions :
  • Stipendiat der Villa Massimo, Rom (1977)
  • Writer in residence, Warwick University, England (1983)
  • Buchpreis des Grossen Literaturpreises der Stadt Bern (1992)
  • Nomination für den Europäischen Literaturpreis (1994)
  • Buchpreis des Kantons Bern (2003)

Extrait de "Sonntags Kino" [S. 21-22]

Am Boden vor der Pisskabine hatten sich Flecken gebildet mit dunklen, verquollenen Rändern, ein in den Dreck gezeichnetes Wolkenbild. Es war hier kühler als in den Clubräumen, das Gewölbe aus stumpfen Ziegelsteinen hing in den Raum hinein, krumme Drähte liefen auf die Deckenbirne zu, die losen Enden stachen in die Luft. Hier war Riko abgetrennt von den anderen; das Dasein der ganzen Stadt lastete auf der Erde, aufgeschichtete, in den weichen Mörtel gedrückte und dann erstarrte Steine, Kanten, Mauern, Decken, Stockwerke, alles hartgewordene Arbeit, tote Arbeit, und jene, die sie ausführten, waren ebenfalls hart geworden, schliesslich gestorben, umgebracht, tot, vergessen. Gedanken mit siebzehn, komisch so was, hier unten zwischen staubigen Wänden, plötzlich voll Überdruss?

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