Steiger Otto

Otto Steiger wurde am 4.8.1909 in Uetendorf bei Thun geboren. Er war Reiseführer, Giesser und Student im Paris der Vorkriegszeit. Im 2. Weltkrieg war er offizieller Nachrichtensprecher der Schweizer Regierung. Er gründete in den 50er Jahren die Steigerschule in Zürich und verkaufte sie später wieder. Ende der 50er Jahre reiste er auf Einladung des Sowjetischen Schriftstellerverbandes in die damalige UdSSR, worauf ihn die gesamte Schweizer Presse verdammte und Steiger vom Präsidenten des Schweizerischen Schriftstellerverbandes verurteilt wurde. In den folgenden Jahren wurden seine Werke nur noch in Kleinverlagen publiziert. Otto Steiger starb am 10. Mai 2005 in Zürich. Der Titel von Otto Steigers erstem Buch gibt programmatisch vor, was den Verfasser eines Dutzends von Romanen, von Jugendbüchern, Theaterstücken, Hör- und Fernsehspielen ein Leben lang beschäftigt: "Sie tun, als ob sie lebten" (1943). Otto Steigers Figuren begegnen uns auf ihrem "Orientierungslauf" (1988) durch Zwänge und Verlockungen einer Gesellschaft, in der zunehmend materielle Werte dominieren. Wer sich anpasst, wird anerkannt ("Porträt eines angesehenen Mannes", 1952).

Liens
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Bibliographie :
  • Sie tun, als ob sie lebten. Zürich: Büchergilde Gutenberg, 1943
  • Und endet doch alles mit Frieden. Tübingen: Tübinger Verlagshaus, 1947
  • Porträt eines angesehenen Mannes. Zürich: Büchergilde Gutenberg, 1952
  • Die Brüder Twerenbold. Zürich: Ex Libris, 1954
  • Die Reise ans Meer. Zürich: Steinberg, 1960
  • Das Jahr mit elf Monaten. Zürich: Steinberg, 1961
  • Nochmals beginnen können. Zürich: Schweizer Verlagshaus, 1962
  • Das Loch in der Schallmauer. Zürich: Diogenes, 1968
  • Geschichten vom Tag. Zürich: Classen, 1973
  • Einen Dieb fangen. Ravensburg: O. Maier, 1974
  • Keiner kommt bis nach Indien. Ravensburg: O. Maier, 1976
  • Sackgasse. Ravensburg: O. Maier, 1978
  • Spurlos vorhanden. Zürich: Eco, 1980
  • Lornac ist überall. Zürich: Benziger, 1980
  • Ein abgekartetes Spiel. Zürich: Benziger, 1981
  • Die Unreifeprüfung. Erzählung. Zürich: Eco, 1984
  • Der Doppelgänger. Zürich: Eco, 1985
  • Gesammelte Werke. Zürich: Eco / Edition 8, 1987-
  • Orientierungslauf. Zürich: Eco, 1988
  • Schott. Zürich: Pendo, 1992
  • Die Tote im Wasser. Kriminalroman. Zürich: Pendo, 1993
  • Ab nach Hollywood. Egg: SJW, 1993
  • Tante Lisas Erben. Zürich: Pendo, 1994
  • Schachmatt. Zürich: Pendo, 1996
  • Ein Stück nur. Erinnerungen in Episoden. Zürich: Edition 8, 1999
  • Das Wunder von Schondorf. Skurrile und andere Geschichten. Zürich: edition 8, 2001
  • Wie eine Lotterie. Fünf Geschichten vom besseren Leben. Lesung. Audio-CD. Zürich: edition 8, 2003

Distinctions :
  • 1. Preis im literarischen Wettbewerb der Büchergilde Gutenberg (1943 / 1951)
  • Märchenwettbewerb der Städte Basel, Bern, Zürich (1964)
  • Dramenwettbewerb der Stadt Zürich (1964)
  • Dramenwettbewerb GSD (1968)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1972 / 1999)
  • Schweizer Jugendbuchpreis (1980)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1984)

Extrait de "Die Tote im Wasser" [S.14]

Borel war schlecht gelaunt, sogar niedergeschlagen; er hatte Farner weggeschickt, weil er allein sein wollte, und vor allem, weil er jetzt Ratschläge, Mutmassungen und die Dienstfertigkeit seines Untergebenen nicht ertrug. Es regnete immer noch, weniger stark zwar, aber beharrlich, und der Himmel sah aus, als würde es bis ans Ende der Tage nicht aufhören. Das war es nicht, was ihn verdross. Nicht einmal die brutale Niedertracht des Verbrechens, das aufzuklären seine Pflicht war, sondern eine Mutlosigkeit, für die er keinen Grund wusste, die er nicht mehr loswurde, seit er den ersten flüchtigen Blick auf die Leiche geworfen hatte. Als sei der Fall zu schwer für ihn, als reichten seine Fähigkeiten nicht aus, ihn aufzuklären. Er war es sonst gewohnt, dass zu Beginn eines Falles das Gehirn fast ohne seinen Willen zu kombinieren begann, Lösungen ausheckte, Schuldige erfand. Von all dem spürte er diesmal nichts, und während er im Regen bergauf ging, wiederholte er in Gedanken stur den einen Satz: Stöckelschuhe und die Geldtasche, wie reimt sich das zusammen?

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