Stefan Verena

Verena Stefan wurde am 3.10.1947 in Bern geboren. Nach der Matura im Jahr 1967 zog es sie nach West-Berlin, wo sie sich zur Physiotherapeutin ausbilden liess. 1972 war Stefan Mitgründerin der Frauengruppe „Brot und Rosen“ und begann sich seither intensiv mit feministischen Themen zu beschäftigen. Nach der Aufgabe des Berufs und einem abgebrochenen Soziologiestudium folgte 1975 der Durchbruch und gleichzeitige Grosserfolg als Autorin: In diesem Jahr wurde der Prosaband „Häutungen“ veröffentlicht, welcher nicht zuletzt dank seinem autobiographischen Charakter für Aufsehen sorgte. Das Buch wurde zum Dokument feministischer Literatur und verkaufte sich bis in die Neunziger Jahre über 300 000 mal. Es wurde in acht europäische Sprachen übersetzt. Verena Stefan blieb auch in den folgenden Jahren schriftstellerisch tätig und arbeitete als Übersetzerin. Seit nunmehr beinahe zwanzig Jahren ist sie Dozentin für Kreatives Schreiben und leitet Schreibwerkstätten. Stefan lebt und arbeitet seit dem Jahr 2000 in ihrer neuen Heimat Montreal, Kanada.

Liens
www.literapedia-bern.ch/Stefan,_Verena
www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389603.html
ansichten.srf.ch/autoren/verena-stefan/
www.srf.ch/play/tv/kultur/video/verena-stefan-wir-muessen-die-werteskala-veraendern?id=09ba75ff-c860-44fe-afea-0c339642cdc6
www.srf.ch/player/radio/reflexe/audio/er-half-den-frauen-und-scheiterte-daran?id=cc4038c8-0ddd-4ab7-aedf-48ff874efbb0

Bibliographie :
  • Frauenhandbuch Nr. 1 (Co-Autorin). Berlin: Brot und Rosen, 1972
  • Häutungen. Autobiographische Aufzeichnungen. München: Frauenofffensive, 1975 (Erw. Neuausgabe: 1994)
  • Mit Füssen mit Flügeln. Gedichte. München: Frauenoffensive, 1980
  • Wortgetreu ich träume. Geschichten und Geschichte. Zürich: Arche, 1987
  • Es ist reich gewesen. Bericht vom Sterben meiner Mutter. Frankfurt/M.: Fischer TB, 1987
  • Rauh, wild und frei. Mädchengestalten in der Literatur. Sachbuch. Frankfurt/M.: Fischer, 1997
  • Fremdschläfer. Roman. Zürich: Ammann, 2007
  • Als sei ich von einem anderen Stern (Sammlung mit Beitrag von V. St,). Heidelberg: Wunderhorn, 2011
  • Die Befragung der Zeit. Zürich: Nagel & Kimche, 2014

Distinctions :
  • Förderpreis der Stadt Hamburg (1976)
  • Förderpreis der Stadt Bern (1977)
  • Buchpreis der Stadt Bern (1988 ; 1994)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia u.a. (2001)
  • Preis der Schillerstiftung (2007)
  • Buchpreis des Kantons Bern (2007)

Extrait de "Häutungen" [S. 26]

Die betrachtung der dinge hängt sehr von den umständen ab. liebe ist oft nichts anderes als eine schreckreaktion. eine reaktion auf den schreck, dass die wirklichkeit so brutal anders ist, als die vorstellung von ihr. durch liebe lässt sich brutalität eine weile vertuschen. liebe ist oft nur die beschichtung von abhängigkeiten aller art, von der abhängigkeit beispielsweise, die bestätigung durch einen mann zu brauchen. eine schicht liebe kann abhängigkeiten eine weile verbrämen. liebe ist eine tausendfache verwechslung von begehrt sein und vergewaltigt werden.
Ein mann, der im allgemeinen bedrohlich ist, soll im einzelnen liebens wert sein. ein männlicher körper, der im allgemeinen gefährlich ist, soll im einzelnen lust voll werden. mit diesen schizophrenien ist unser all tag bedeckt. eine frau allein kann kaum überleben, wenn sie sich nicht verleugnen will. unter der schirm herrschaft eines einzelnen mannes kann sie die bedrohlichkeit der andern für die dauer der schirm herrschaft vergessen.

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