Stössinger Verena

Verena Stössinger wurde am 25.11.1951 in Luzern geboren. Nach dem Gymnasium besuchte sie eine Schauspielschule und war als Regie- und Dramaturgieassistentin am Schillertheater in Berlin tätig. Im Jahre 1977 kehrte sie in die Schweiz zurück und gründete eine Familie. Von 1982 bis 1988 studierte Stössinger Nordistik, Germanistik und Soziologie. In den Jahren 1994-1998 war sie Assistentin an der Abteilung für Nordische Philologie der Universität Basel. Seit 1998 hat Verena Stössinger Lehraufträge für Neuere Skandinavistik an der Uni Basel, daneben ist sie journalistisch tätig. Sie lebt in Binningen (Kanton Baselland). Stössinger leitet seit 1988 das Literarische Forum Basel und ist Mitinitiantin des Literaturhauses Basel.

Liens
www.schweizermonat.ch/artikel/spuren-suchen-aufmerksam-beobachten-im-hintergrund-wirken

Bibliographie :
  • Muttertage. Leben mit Mann, Kindern und Beruf Mit Beatrice Leuthold und Franziska Mattmann. Gümligen: Zytglogge, 1980
  • Fallen. Zürich: Benziger, 1984
  • Ninakind. Bilder einer Veränderung. Dritte unveränderte Auflage. Gümligen: Zytglogge, 1989 (erschien 1980 unter dem Titel „Nina“ in der Anthologie „Muttertage“)
  • Gudrun, Schwester. Zürich: Nagel & Kimche, 1991
  • Die Königin im Vorgarten. Zürich: Nagel & Kimche, 1994
  • Spielzeit Nummer zwölf. Bern: eFeF, 2004
  • Die Reise zu den Kugelinseln. Zürich: Bajazzo, 2010
  • Bäume fliehen nicht. Roman. Alpnach: Martin Wallimann, 2012
  • Die Gespenstersammlerin. Roman. Hitzkirch: Edition Bücherlese, 2017

Distinctions :
  • Literaturförderpreis Kanton Baselland (1988)
  • Werkbeitrag Zentralschweizer Literaturförderung (2005)

Extrait de "Die Königin im Vorgarten" [S. 11-12]

Auf dem Handkarren steht schief ein schmaler hoher Koffer, ein Ungetüm mit eisernen Beschlägen. Die Fremde stützt ihn ab mit der rechten Hand, in der sie immer noch den kleinen Koffer trägt, der so schwer wirkt, Eva muss an Hebammenköfferchen denken, braunnarbige Lebenshilfe. Rückwärts, das Hinterteil im Regenmantel voraus, stapft die Frau durch die halbe Türöffnung ins Haus, drängt Eva zurück, in den Flur, der so leer ist, dass er keinen Halt geben kann, und sie ruckelt den Wagen zurecht, damit er in die Öffnung passe, rangiert ihn umständlich vor und zurück. Als zöge sie eine kostbare Last durch knietiefes Wasser. Sie dreht am langen Griff, dass die Achse knackt, um die Kurve in den Eingang zu bekommen, hat das hölzerne Gestell schon an der Schwelle, Eva hätte nicht helfen können, selbst wenn es ihr eingefallen wäre. Und hätte sie sich in den Weg gestellt, wäre sie getreten worden.
Dann prallen die vorderen Räder auf den Tonplatten der Diele auf, ziehen eine braune Spur, warum kann der Wagen nicht draussen bleiben! Was dauert eine Auskunft so lange, oder auch ein Teller Suppe. Gehört das Haus auf einmal allen? „Wie heissen Sie und was wollen Sie?“ versucht es Eva nochmal, aber sie ist und bleibt zu überhören.

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