Spyri Johanna

Johanna Spyri wurde am 12.6.1827 als viertes von sechs Kindern des Landarztes Johann Jakob Heusser und der pietistischen Lyrikerin Meta Heusser im Hirzel (Kt. Zürich) geboren. Sie verlebte eine frohe Jugendzeit, an welche sie zeitlebens gerne zurückdachte. Neben dem Besuch der Dorfschule erhielt sie noch Privatlektionen beim Pfarrer. Anschliessend wurde sie in Zürich während drei Jahren in Fremdsprachen und Musik unterrichtet. Mit sechzehn Jahren kam Johanna Spyri in ein Pensionat nach Yverdon, wo sie gut ein Jahr verbrachte. Wieder in ihr Elternhaus zurückgekehrt, half sie der Mutter im Haushalt und war Lehrerin für ihre jüngeren Schwestern. Nebenbei las sie viel und näherte sich autodidaktisch der Literatur an. 1852 heiratet Johanna Spyri den Juristen und späteren Stadtschreiber Bernhard Spyri und zog mit ihm nach Zürich. Die Ehe war nicht sehr glücklich und Spyri wurde während ihrer einzigen Schwangerschaft von Depressionen heimgesucht, die sie nur mühsam durch ein Zurückfinden zum Glauben überwinden konnte. Erleichterung fand sie auch in ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin. 1871 erschien ihre erste Erzählung „Ein Blatt auf Vronys Grab“, deren Erfolg mit dem 1880 erschienen Werk über das Naturkind Heidi mehr als übertroffen wurde. „Heidi`s Lehr- und Wanderjahre“ wurde zum meist übersetzten (über fünfzig Sprachen) und verkauften Buch der Schweizer Literaturgeschichte und ist bis heute, nicht zuletzt durch die populären Verfilmungen, prägend für das Bild der Schweiz in aller Welt. Spyri hatte den Roman im Herbst 1879 in wenigen Wochen niedergeschrieben und bereits 1881 erschien die Fortsetzung des Grosserfolgs. Die Wirkung des Inhalts blieb nicht aus: Heidi, das mit seiner tätigen Liebe viel Gutes bewirkt, setzte neue Massstäbe in Jugendliteratur und –erziehung. Johanna Spyri, eine Frau mit verschlossenem, schwer zugänglichem Wesen beeindruckte durch ihr Verständnis für die kindliche Gedanken- und Gefühlswelt. 1884 wurde zu Johanna Spyris Schicksalsjahr: nach dem der einzige Sohn Bernhard mit 28 Jahren an Schwindsucht gestorben war, verschied noch im selben Jahr der Ehemann. Der Erfolg der Heidi-Bücher verschaffte der Witwe jedoch einen finanziell sehr komfortablen Lebensabend. Sie schrieb aber weiterhin Geschichten für Kinder, begab sich auf viele Reisen und pflegte regelmässigen freundschaftlichen Kontakt zum Dichter Conrad Ferdinand Meyer. Johanna Spyri starb am 7.7.1901 an den Folgen einer Krebserkrankung in Zürich. Sie ist die in aller Welt wohl bekannteste Schweizer Schriftstellerin. Schon zu ihren Lebzeiten nahm die akademische Kontroverse über den Wert ihrer Dichtung ihren Anfang. Die Kritik dauert bis heute an, beschränkt sich jedoch weitgehend auf den deutschsprachigen Raum. Der überwiegende Teil der Gesamtauflage, die aktuell über zwanzig Millionen beträgt, wurde in anderen Sprachen veröffentlicht. Bezeichnend für diese oft vergessene Autorin ist, dass die einzige Gesamtausgabe ihres Werkes 1962 in japanischer Sprache erschien.

Liens
www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Spyri/spy_intr.html
www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/johanna-spyri/
literatur.geschichte-schweiz.ch/johanna-spyri-heidi.html
www.hirzel.ch/freizeit_kultur_sport/spyri_museum
www.nzz.ch/article7ggjn-1.452649

Bibliographie :
  • Ein Blatt auf Vronys Grab. Erzählung.1871
  • Verirrt und gefunden. 1873
  • Heimathlos. Erzählung. 1878
  • Geschichten für Kinder und auch für Solche, welche die Kinder lieb haben. 16 Bde. 1879-95
  • Heidi`s Lehr- und Wanderjahre. Roman. 1880
  • Heidi kann brauchen, was es gelernt hat. 1881
  • Wo Gritlis Kinder hingekommen sind. 1883
  • Gritlis Kinder kommen weiter. 1884
  • Moni der Geissbub. Erzählung. 1887
  • Artur und Squirrel. 1888
  • Die Stauffer-Mühle. 1901

Extrait de "Heidi`s Lehr- und Wanderjahre" [S. 187-188]

So ging eine lange Zeit dahin. Heidi wusste gar nie, ob es Sommer oder Winter sei, denn die Mauern und Fenster, die es aus allen Fenstern des Hauses Sesemann erblickte, sahen immer gleich aus, und hinaus kam es nur, wenn es Klara besonders gut ging und eine Ausfahrt im Wagen mit ihr gemacht werden konnte, die aber immer sehr kurz war, denn Klara konnte nicht vertragen, lang zu fahren. So kam man kaum aus den Mauern und Steinstrassen heraus, sondern kehrte gewöhnlich vorher wieder um und fuhr immerfort durch grosse, schöne Strassen, wo Häuser und Menschen in Fülle zu sehen waren, aber nicht Gras und Blumen, keine Tannen und keine Berge, und Heidis Verlangen nach dem Anblick der schönen gewohnten Dinge steigerte sich mit jedem Tage mehr, so dass es jetzt nur den Namen eines dieser Erinnerung weckenden Worte zu lesen brauchte, so war schon ein Ausbruch des Schmerzes nahe, und Heidi hatte mit aller Gewalt dagegen zur ringen.

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