Spitteler Carl

Carl Spitteler wurde am 24.4.1845 in Liestal (BL) geboren. 1849 zog die Familie nach Bern, kehrte aber bald wieder zurück und Spitteler konnte das Gymnasium und Obergymnasium in Basel besuchen. Er folgte dem Rat des Vaters und studierte zuerst Jura, wechselte anschliessend aber zum theologischen Fach, welches er nach Studien in Heidelberg, Zürich und Basel 1870 abschloss. Die von ihm betreute Landpfarre in Graubünden gab Spitteler schon bald aufgrund einer tiefen Glaubenskrise auf. Von 1871 bis 1879 arbeitete der Dichter als Hauslehrer in Russland und Finnland. In dieser Zeit entstand sein Erstling „Prometheus und Epimetheus“, den er nach seiner Rückkehr in die Schweiz publizierte. Das Buch fand keine Beachtung und so musste Spitteler seinen Lebensunterhalt als Lehrer und später als Journalist in Basel und Zürich verdienen. Der Tod seiner Schwiegereltern, die ein grosses Erbe hinterliessen, ermöglichte Spitteler die Existenz als freier Schriftsteller. Ab 1892 lebte er unabhängig von finanziellen Nöten in Luzern und arbeitete rund zehn Jahre an seinem Hauptwerk, dem Versepos „Olympischer Frühling“, welches ihm in einer überarbeiteten Fassung, den Nobelpreis eintrug. Während dem Ersten Weltkrieg war Spitteler vehement für eine neutrale Schweiz eingetreten, was ihn dem deutschen Lesepublikum entfremdete. Carl Spitteler starb am 29.12.1924 in Luzern.

Liens
www.helveticarchives.ch/detail.aspx?id=165136
www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/1919/spitteler.html
www.aargauerzeitung.ch/dossiers/100-jahre-nach-dem-ersten-weltkrieg/eine-politische-rede-kostete-carl-spitteler-fast-den-literatur-nobelpreis-127826716
www.nb.admin.ch/sla/03131/03443/03927/04094/index.html?lang=de

Bibliographie :
  • Prometheus und Epimetheus. Versepos. 2 Teile. Unter dem Pseudonym: Carl Felix Tandem, 1881
  • Extramundana. Unter dem Pseudonym Carl Felix Tandem. 1883
  • Bacillus. 1888
  • Das Bombardement von Åbo. 1889
  • Schmetterlinge. Gedichte. 1889
  • Der Parlamentär. 1889
  • Das Wettfasten von Heimligen. 1890
  • Friedli der Kolderi. 1891
  • Gustav. 1892
  • Literarische Gleichnisse. 1892
  • Der Ehrgeizige. 1892
  • Balladen. 1896
  • Der Gotthard. 1897
  • Conrad der Leutnant. 1898
  • Lachende Wahrheiten. 1898
  • Olympischer Frühling. Versepos. 4 Bde. (I. Auffahrt, II. Hera die Braut, III. Die hohe Zeit, IV. Ende und Wende) 1900-05
  • Imago. Roman. 1906
  • Glockenlieder. 1906
  • Gerold und Hansli, die Mädchenfeinde. 1907
  • Meine Beziehungen zu Nietzsche. 1908
  • Olympischer Frühling. Überarbeitete Neufassung. 1910
  • Meine frühesten Erlebnisse. 1914
  • Prometheus der Dulder. Neufassung von Prometheus und Epimetheus. 1924

Distinctions :
  • Nobelpreis für Literatur (1919)

Extrait de "Das Bombardement von Åbo" [S. 230]

In diesem Augenblick erschien ein Kosak unter der Tür, welche nach russischer Sitte offenstand.
„Zum Teufel!“ schrie ihn der Gouverneur an, sobald er ihn erblickte.
„Ich gehorche“, erwiderte der Kosak höflich, blieb indessen stehen.
„Zum Teufel! – Verstehst du mich nicht?“
„Ich gehorche. Aber verzeihen Sie, Exzellenz, Balvan Balvanowitsch schickt mich zu Ihnen. Es seien keine Gewehre in der Kaserne.“
„Der Halunke wird sie verkauft haben; schicke ihn zum Teufel!“
„Ich gehorche, Exzellenz. Allein wir können keine Kugeln finden.“
„So ladet Butter und Salzgurken.“
„Ich gehorche. Allein verzeihen Sie, Exzellenz, wir haben nur noch ganz wenig Pulver.“
„Was geht mich das alles an? Das ist die Sache des Majors. Pack dich! Gehorchst du?“
„Ich gehorche.“
„Das ist eine Bande!“ seufzte der General und stellte sich ans Fenster.

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