Spinner Esther

Esther Spinner wurde am 30. November 1948 in Zürich geboren. Nach den Schulen absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Darauf war sie Lehrerin für Krankenpflege. Es folgte eine Ausbildung zur Psychodramaleiterin. Esther Spinner ist freiberuflich als Schriftstellerin und Kursleiterin für Schreibkurse tätig. Sie lebt in Zürich. Neben ihren Büchern hat sie Beiträge für Anthologien, Zeitschriften, Zeitungen und für das Radio verfasst.

Liens
esther-spinner.jimdo.com/
www.berlinerliteraturkritik.de/detailseite/artikel/genug-mut-fuer-ein-buch.html
www.srf.ch/player/radio/perspektiven/audio/esther-spinner-schreiben-in-der-trauer?id=cdf3e15c-8e94-40f5-adf3-7a728c7236e1

Bibliographie :
  • Die Spinnerin. Eine alltägliche Geschichte. Gümligen: Zytglogge, 1981
  • Nella. Geschichte einer Freundschaft. Gümligen: Zytglogge, 1985
  • Starrsinn. Eine Dorfgeschichte. Gümligen: Zytglogge, 1988
  • Meine Mutter hat meinem Vater mit einer Pfanne das Leben gerettet. Bern: eFeF, 1996
  • Die Amsel heisst Selma. Tier-Anagramme von A bis Z. Mit Bildern von Anna Luchs. Zürich: Palazzo, 2000
  • Genau! sagt Paul Schlau. Mit Bildern von Anna Luchs. Zürich: Bajazzo, 2005
  • Lamento. Roman. Zürich: Edition 8, 2008
  • Allerlei an Monden zapfelt. Zürich: Edition 8, 2016

Distinctions :
  • Halbes Werkjahr der Stadt Zürich (1984)
  • Atelierstipendium der Stiftung binz 39, Zürich und Schuls (1988)
  • Werkbeitrag des Migros Genossenschaftsbundes (1988)
  • Werkauftrag der Pro Helvetia (1993)
  • Aufenthaltsstipendium des Stuttagrter SchriftstellerInnenhauses (1993)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1996)

Extrait de "Meine Mutter hat meinem Vater mit einer Pfanne das Leben gerettet" [S. 16-18]

unter der woche ist papa meistens fort, weil er reisender ist. freitagnachmittag kommt er nach hause und setzt sich an das grosse schwarze pult im herrenzimmer. er schreibt seinen rapport, den ich nachher in den briefkasten werfen muss. dann telefoniert er und macht seine rendezvous ab für die nächste woche.
nach dem abendessen sitzt er im roten sessel unter der ständerlampe. der sessel ist ganz aufgerauht, weil Johnny seine krallen daran wetzt. wir haben bouclé-polster, sagt mama. Johnny sitzt auf papas knien, und nachts schläft er in seinem bett. bei uns darf Johnny nicht schlafen, weil es ungesund ist.
Johnny heisst Johnny, weil Klara es so wollte, aber später entdeckte papa, dass Johnny ein weibchen ist. er schlug vor, sie in Nera umzutaufen, das sei italienisch und bedeute schwarz. Klara sagte, das sei ihr zu blöd, eine schwarze katze schwarz zu nennen. darum heisst Johnny immer noch Johnny.
bevor papa in den sessel sitzt und die zeitung nimmt, zieht er die standuhr auf. sie ist so hoch wie papa und schwarz wie der bücherschrank und das pult. Klara sagt, sie sehe aus wie ein sarg. ich habe noch nie einen sarg gesehen.
wenn ich ganz ruhig bin, darf ich mich mit meinem buch ins herrenzimmer setzen. nach einer weile sagt papa: was tust du hier? warum bist du nicht in der küche und hilfst deiner mutter?
ich gehe in die küche. mama steht am spültrog. hast du nichts besseres zu tun, als dich hier herumzutreiben? fragt sie. du stehst mir im weg.
ich gehe zurück ins herrenzimmer. papa schickt mich wieder in die küche. ich gehe in unser schlafzimmer und lege mich aufs bett oder auf den boden und lese. Klara schimpft, weil mein atmen sie beim schreiben störe.
später kommt mama aus der küche und sagt: wo sind eigentlich die mädchen? ich verstehe nicht, dass sie sich immer verstecken müssen.
sie setzt sich in den zweiten bouclé-sessel und zündet sich eine zigarette an.

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