Simon Christoph

Christoph Simon wurde am 6. August 1972 in Langnau im Emmental geboren und ist im Berner Oberland aufgewachsen. Seit 1998 ist er in Bern wohnhaft. Nach einem abgebrochenen Studium der Volkswirtschaft und diversen Arbeitsverhältnissen unternahm er Reisen nach Israel, Jordanien, Ägypten, Polen, Südamerika, London und New York. Im Jahr 2001 erschien Simons erster Roman, dem auf Anhieb Beachtung und Erfolg beschieden war. Christoph Simon setzt in „Franz“ sein literarisches Credo um, das da lautet: „Wenn du zwei Worte zur Auswahl hast, dann nimm das kürzere!“ Der Autor ist auch im Internet aktiv. „Leuchtelement“ heisst die Kurzgeschichtenzeitschrift, die Simon online betreibt.

Liens
www.christophsimon.ch/
www.woz.ch/artikel/inhalt/2005/nr44/Kultur/12495.html
www.srf.ch/kultur/buehne/schweizermeister-im-poetry-slam-christoph-simon-ist-viel-mehr
www.youtube.com/watch?v=5cBuAHsAAOk

Bibliographie :
  • Franz oder Warum Antilopen nebeneinanderlaufen. Zürich: bilgerverlag, 2001
  • Luna Llena. Roman. Zürich: bilgerverlag, 2003
  • Planet Obrist. Zürich: bilgerverlag, 2005
  • Häsin Mels und Hase Fitz. Kinderbuch. Innsbruck: Kyrene, 2008
  • Spaziergänger Zbinden. Zürich: bilgerverlag, 2010
  • Viel gutes zum kleinen Preis. Zürich: Bilgerverlag, 2011

Distinctions :
  • Buchpreis des Kantons Bern (2006)
  • Prix Trouvaille (2007)
  • Literaturpreis des Kantons Bern (2010)

Extrait de "Franz" [S. 24-25]

Frau Brunisholz war mir unbekannt. (Ich trage das mit Fassung. Es macht mir nicht viel aus, wenn mir ein Gesicht entfällt. Wenn man sich jedes merken müsste, dem man begegnete, hätte man am Ende eine ziemliche Galerie beisammen und käme nicht vom Fleck.) Aber ich freute mich natürlich, in Betriebswirtschaft eine Verbündete gefunden zu haben. Gemeinsame Erlebnisse verbinden.
Frau Brunisholz fragte mit gepresster Stimme, ob ich etwa noch stolz darauf sei, was ich angerichtet hätte, und bedachte mich mit einem harten missfälligen Blick.
Mir wurde ganz schlecht von ihren Blicken. „Sagen Sie, Frau Brunisholz“, hörte ich mich plötzlich fragen, „was ist denn damals ganz genau geschehen?“
Sie explodierte. „Sie haben vor fünf Jahren auf dem Pausenhof – Sie waren in der Anschlussklasse und ich in der Oberprima -, Sie haben mich damals am Ohr gepackt und hineingeschrien, so Frauen wie mich würden Sie am liebsten solange anfurzen, bis sie erstickten!“
„Was?“ Es verschlug mir den Atem.
„Ich habe ein Pfeifen in meinem Ohr, verstehen Sie?“ Sie kreischte jetzt. „Es pfeift die ganze Zeit, weil Sie mir ein Loch ins Trommelfell geschrien haben. Sie erinnern sich doch?!“
Ich verneinte, heiser vor Schreck, zermarterte mir das Gehirn, verneinte abermals.
Sie schrie, ob ich die Sache etwa abstreiten wolle.
„Selbstverständlich nicht!“ beteuerte ich schnell. „Auf keinen Fall!“ Ich glaubte ihr aufs Wort. Ich baute immer solchen Mist – ich war ein tatkräftiges Mitglied des Vereins der vereinigten Mistbäuerinnen und Mistbauern. Es war furchtbar. Ich hatte die Schildkröte meines Bruders aus dem Käfig gescheucht. Ich hatte im Familien-Behinderten-Camp mit einer ungehörigen Einlage die Theateraufführung ruiniert. Lauter schlimme Sachen. Warum sollte ich der armen Frau Brunisholz nicht das Trommelfell ruiniert haben? Es bringt kein Glück, mir zu begegnen.

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